Grundstein für 70-Millionen-Bau gelegt

Der Neubau in der Modellansicht. (Foto: tsj)
 
Legten den Grundstein für das neue Zentralklinikum (von links): Jan Soltau, Architekt tsj, Rainer Brase, Matthias Wilkening, beide Geschäftsführer des Klinikums Wahrendorff und Gesundheitsministerin Carola Reimann. (Foto: Maciej Michalczyk / Klinikum Wahrendorff)

Klinikum Wahrendorff baut ein neues Fachkrankenhaus

SEHNDE-KÖTHENWALD (r/gg). Die Baumaßnahmen für den Neubau des Klinikum Wahrendorff wurden in Köthenwald begonnen. In einer Feierstunde legte Sozielaministerin Carola Reimann am Freitag gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Matthias Wilkening und Rainer Brase den Grundstein. Und das zu einer äußerst ungewöhnlichen Uhrzeit. Denn die Gäste waren für 14.18 Uhr geladen. „Die Uhrzeit ist gewollt ungewöhnlich“, begrüßte Matthias Wilkening die Gäste. „Sie symbolisiert eine Wegmarke hin zum Neubau unseres Fachkrankenhauses für die Seele. 2014 haben wir mit den Planungen begonnen und gut vier Jahre später setzen wir heute im Jahr 2018 den Grundstein. Ein bedeutender Tag für unsere Patienten und uns. Bereits im Jahr 2021 werden wir hier unsere ersten Patienten behandeln.“
Das fünfteilige Gebäude bietet dann 300 Betten und 34 tagesklinische Plätze. Es ist durch die fünf Gebäudeteile überschaubar untergliedert und hat gleichzeitig kurze Wege für Patienten sowie für die Mitarbeiter. Die Baukosten sind mit rund 70 Millionen Euro geplant. 48 Millionen Euro übernimmt das Land Niedersachsen. „Hier in Köthenwald entsteht der größte zusammenhängende Psychiatrie-Neubau, der mit Landesmitteln nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz gefördert wird“, betonte Carola Reimann, „wir haben als Land so viel Geld in die Hand genommen, weil uns das dahinterstehende Konzept überzeugt hat. Durch Einbeziehen der Mitarbeiter soll ein Gebäude entstehen, das den Bedürfnissen der Patienten in besonderer Weise Rechnung trägt.“
„2017 haben wir den Fördermittelbescheid erhalten. Das hat bei uns noch einmal zu einem kräftigen Schub in der Ausführungsplanung geführt“, fasst Matthias Wilkening zusammen. „Verschiedene Arbeitsgruppen arbeiten hoch engagiert daran, ein Krankenhaus mit einem anspruchsvollen Ambiente und einer gesundheitsfördernden Atmosphäre entstehen zu lassen.“ Neben zahlreichen Einzel- und Doppelzimmern zum Wohlfühlen und Genesen wird es unter anderem großzügige Therapiebereiche für Einzel- und Gruppenangebote sowie einen Sportbereich mit eigener Halle geben. Die Sporthalle und der Speisesaal sind wichtige Merkmale des Neubaus. Einheiten, denen in der psychiatrischen und psychosomatischen Behandlung besondere Bedeutung zukommt. „Unser Fachkrankenhaus für die Seele unterscheidet deutlich zwischen Therapiebereichen und Rückzugsmöglichkeiten mit privater Atmosphäre“, ist sich Matthias Wilkening sicher. „Der Patient geht zur Therapie in die dafür vorgesehenen Gebäudeteile, in den Sport- und Fitnessbereich und zum sozialen Austausch und Essen in den Speisesaal, der bei uns zur Gaststube wird.“
Derzeit betreibt das Klinikum Wahrendorff sein Fachkrankenhaus noch in sieben verteilten Gebäuden in Ilten und Köthenwald. Im Neubau des Fachkrankenhauses wird es ab 2021 anders sein. Hier werden sich Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern sowie unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen gemeinsam in einem Klinikgebäude aufhalten. Ziel des Neubaus ist es, für dieses "Zuhause auf Zeit" ein anregendes und vielseitiges Gebäude als heilungsförderndes Umfeld für Körper, Geist und Seele zu gestalten, in dem den unterschiedlichen Bedürfnissen der Patienten Rechnung getragen wird.

Gemeinsame Mitte

Der Neubau bietet unterschiedliche Räume in Abstufungen von Privatheit und Öffentlichkeit, in denen das Miteinander sowie eine individuelle Therapie- und Freizeitgestaltung möglich sind. Dabei wird das neue Klinikum – das neue Fachkrankenhaus für die Seele - als ein Lebensraum begriffen, in dem jede Patientin und jeder Patient entsprechend der individuellen Bedürfnisse eine eigene Nische finden kann. Städtebaulich bildet sich dieses Leitmotiv in der Aufteilung des großen Bauvolumens in fünf einzelne Häuser ab, welche um eine gemeinsame Mitte angeordnet sind, wie ein Dorf auf dem Marktplatz.

Der Loop als innerer Ring

Das Gebäude bietet ein einfaches Orientierungssystem. Dazu wurden die fünf Gebäudeteile wie Häuser um einen zentralen Innenhof gelegt und auf drei Etagen jeweils durch einen Rundgang, kurz Loop genannt, verbunden. Vom Loop gibt es immer wieder Blicke in die Gebäudeumgebung: sei es der Blick in den zentralen Innenhof, die Sichtverbindung über das Foyer zum Vorplatz oder die Aussicht von den Loggien auf die westlich gelegene offene Landschaft. Der Speisesaal ist unmittelbar mit der südlich gelegenen Parkanlage über eine interessante Terrasse verbunden.

Gemischte Nutzung

Die drei nach Westen orientierten dreigeschossigen Häuser enthalten die „Gästebereiche“ mit insgesamt neun Stationen. Sie nutzen die besondere Lage am Hang für ein „Gartengeschoss“. In diesem befinden sich drei geschützte Stationen mit ihren individuell zugeordneten Freibereichen. Die zwei weiteren Häuser liegen nach Osten zum „Großen Knickweg“ jeweils rechts und links des Haupteingangs. Sie bieten gemischte Nutzungsmöglichkeiten: In einem die Aufnahme mit Notfallstation, Dienst- und Gesprächsräume und Wahlleistungsstation, im anderen Gebäude der Therapiebereich und die darüber befindliche Tagesklinik.
An besonderen Orten kann Leben geübt werden.
Am Loop zwischen den Häusern liegen das Eingangs-Foyer mit Empfang, die Gaststube, die Sporthalle, Besucher- sowie Besprechungsräume, Nischen ohne Nutzungszuweisung und „Trainingsorte“ des Alltags wie Hauswirtschaftsräume und ein „Waschsalon“. Der Übergang zwischen „Drinnen“ und „Draußen“ – zwischen privat, behütet und den öffentlichen Reizen der Gemeinschaft. Hier kann wieder Leben geübt werden.