Gegen das Vergessen

Celine-Sophie und Lukas aus dem 4. Jahrgang zeigen die Stolpersteine für die Familie Rose.

Grundschule Breite Straße begeht 120-jähriges Jubiläum

VON DANA NOLL

SEHNDE. In welch` privilegierten Zeiten wir leben, wird einem erst bewusst, wenn wir von Menschen und ihren Schicksalen hören, die in anderen, schwierigen Zeiten groß geworden sind. Dazu zählen auch die Kinder Gerda und Hans-Georg Rose, deren unbeschwerte Zeit in Sehnde mit Einzug des Nationalsozialismus ein jähes Ende nahm.
Sie besuchten die Grundschule Breite Straße und mussten diese nach massiven Ausgrenzungen durch Lehrer und Schüler verlassen.1941 wurde die Familie Rose aus Sehnde nach Riga deportiert und ins Konzentrationslager Jungfernhof gebracht. Nur die Tochter Gerda Rose überlebte das Konzentrationslager. Sie ist heute fast 100 Jahre alt und lebt in New York.
Im Gedenken an Gerda Rose und dem Schicksal ihrer Familie hat die Grundschule Breite Straße anlässlich ihres diesjährigen 120-jährigen Schuljubiläums verschiedene Aktionen zum Thema Ausgrenzung durchgeführt. Insgesamt nahmen 281 Schülerinnen und Schüler an den Gedenkfeierlichkeiten teil. Begleitet wurden sie dabei von der Arbeitsgemeinschaft Gegen das Vergessen.
„Die Kinder unserer Schule haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und inhaltlich auf die Gedenkfeier vorbereitet“, berichtet Konrektorin Annika Knauth-Pintag. So fand am letzten Donnerstag ein Schweigemarsch zu den Stolpersteinen in der Mittelstraße Sehnde statt. Vor dem ehemaligen Wohnhaus der Roses (Mittelstraße 10) referierten Schülerinnen und Schüler aus dem 4. Jahrgang über den Lebens- und Leidensweg der jüdischen Familie. Anschließend hängten die Kinder Papierrosen in die Bäume, die bunt bemalt oder mit Botschaften beschriftet waren.
„Alle Menschen sind gleich und zu respektieren, egal welche Religion sie haben. Das ist wirklich schrecklich, was der Familie passiert ist.“, so Viertklässler Lukas. „Es ist wichtig, das so etwas nicht noch einmal geschieht“, ergänzt die 10-jährige Celina-Sophie hinzu
Beeindruckt waren die Schüler von den Stolpersteinen. Seit 2011 ist die Grundschule Pate eines dieser Stolpersteine. „Insgesamt gibt es in Sehnde und Ilten neun Stolpersteine“, erzählt Regina Runge-Beneke von der AG Gegen das Vergessen.
„Die Familie Rose ist Teil der Geschichte unserer Schule“, fügt Annika Knauth-Pintag. „Wir werden Gerda Rose mit einem Brief und Bildern von unserer Aktion berichten.“