Fledermäuse in Gefahr

Häufige Unfälle in Windenergieanlagen

SEHNDE (r/gg). "2035 werden die Abendsegler aus Deutschland verschwunden sein!“ Mit diesen Worten schloss Roland Heuser, Diplombiologe aus Trier, seinen Vortrag zur Problematik Fledermäuse und Windenergie im Nabu-Ortsverein. Er hatte seine, größtenteils aus Fachpublikum bestehende Zuhörerschaft den ganzen Abend mit neuesten Informationen und Entwicklungen aus diesem Spannungsfeld von Naturschutz und Energiewende in seinen Bann gezogen.
Roland Heuser erläuterte, dass das Unfallrisiko durch Verkehr und Windenergieanlagen (WEA) ganz verschiedene Fledermaus Arten betreffe. Man könne diese beiden Haupttodesursachen von Fledermäusen in Deutschland nicht gegeneinander aufwiegen oder dadurch relativieren. Von der Bundesregierung selbst in Auftrag gegebene Studien hätten nachgewiesen, dass ungeregelt betriebene und schlecht platzierte WEA für den Tod von etwa 200.000 Fledermäusen jährlich verantwortlich sind. Die neue Generation der Windrad-Giganten mit 200 Meter Höhe könne gar nicht mehr von Fledermaus-Detektoren überwacht werden. Laut Heuser sind daher die Untersuchungsmethoden, auf denen die gerichtlichen Entscheidungen und die Genehmigungsbescheide beruhen, nicht in der Lage, sichere Daten über die Fledermaus-Vorkommen in den Windparks zu generieren.
Roland Heuser forderte, da technische Lösungen mittlerweile die Überwachung der Fledermaus-Vorkommen nicht mehr sicherstellen können, nach dem Vorsorgeprinzip des Umweltschutzes zu handeln. Demnach müsste jede WEA in Deutschland mit den maximal sicheren Abschaltzeiten betrieben werden. Das würde Hunderttausenden Tieren das Leben retten, aber nur etwa drei Prozent des jährlichen Ertrages kosten. Es müsste ja nur bei ertragsarmen Windverhältnissen und in den Nächten abgeschaltet werden. Aber diese Abschaltzeiten werden seitens der Windanlagen-Industrie vehement bekämpft. "Windparkbetreiber und Projektierer streiten um jeden Cent, jede Betriebsminute, obwohl sie hohe öffentliche Fördersummen erhalten haben", so seine These. Die Folgen dieser Haltung ließen sich schon an vielen Orten in Deutschland beobachten. In den traditionellen Quartieren der Abendsegler, der größten und von WEA am meisten gefährdeten Fledermausart in Deutschland, ließe sich deutlich ein starker Rückgang der Bestände auszählen. Auch die Rauhaut-Fledermaus sei mittlerweile bedroht. Selbst die noch häufigste Fledermausart, die Zwergfledermaus, zeige abnehmende Bestände in Gegenden, in denen viele Windräder stehen. Das zeigten auch die Kontrollen der Windräder auf Sehnder Gebiet und den Flächen zwischen Lehrte und Sehnde.
Dass seitens der Naturschutzbehörden hier nichts getan wird, um nachträgliche Abschaltzeiten anzuordnen, hatte er jüngst bei einer Fachtagung in Berlin seinen Kollegen vorgestellt, die entsetzt gewesen seien. Aber ein neues Urteil des OVG Lüneburg zu erforderlichen Abschaltzeiten lasse hoffen - so der Bericht von Nabu-Ortsvereinssprecherin Angelika Thomaier.