Einsatz über drei Wochen

Oberstabsgefreiter Tim Jäger testet Pflegefachkraft Dennis Brasse. Im Hintergrund ist Maren Reisender, Leiterin der AWO Einrichtung zu sehen. (Foto: AWO Region)

Bundeswehr unterstützt AWO-Betrieb

Sehnde (r/gg). Einen Bundeswehr-Einsatz gibt es jetzt in der AWO Residenz. Oberstabsgefreiter Tim Jäger ist in dem Pflegeheim stationiert, um Mitarbeiter, Bewohner und Besucher auf das Corona-Virus zu testen. „Hilfeleistung gegen Corona“ hat das Bundesministerium den Einsatz schlicht genannt, der 1.122 Soldaten für ganz Niedersachsen umfasst. Ganz überraschend sei die neue Aufgabe für ihn nicht gekommen, berichtet Tim Jäger, der seit sieben Jahre bei der Bundeswehr ist. „In den Nachrichten wurde ja schon länger thematisiert, dass die Bundeswehr eingesetzt werden könnte.“ Amtshilfe nennt das die Bundeswehr. Tim Jäger ist in der Bundeswehrkaserne in Neustadt stationiert, wo er im Lager arbeitet und für die Beschaffung und Pflege von Ausrüstung und Material zuständig ist. In der AWO Residenz ist er jetzt zwei Mal pro Woche von 9 bis 16 Uhr im Einsatz. „Er unterstützt uns vor allem beim Testen der vielen Besucher, die Testungen müssen nunmehr alle 36 Stunden wiederholt werden.“, berichtet Maren Reisener, Leiterin der AWO Residenz.
Einen Tag lang wurde Jäger durch den Pflegedienstleiter Vitali Brozmann eingewiesen. Seine ersten Tests machte er unter Aufsicht - rund 80 werden es jeden Tag sein. Am Anfang habe er wegen der Ansteckungsgefahr ein mulmiges Gefühl gehabt, dass sich aber schnell gelegt habe. „Ich bin gut geschützt.“ Über der Uniform trägt Tim Jäger einen Kittel, sein Gesicht schützt er mit FFP2-Maske und einer Schutzbrille. „Seine Arbeit ist eine wirkliche Entlastung für uns“, sagt Maren Reisener. Drei Mitarbeiter der Einrichtung haben sich bisher mit dem Testen abgewechselt, hinzu kämen die täglichen Tests der Pflegefachkräfte, die sich untereinander testen.
Die Herausforderung für die Mitarbeiter, die Bewohner vor dem Virus zu schützen, sei groß in den Pflegeheimen, berichtet Dirk von der Osten, Geschäftsführer der AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH, die das Pflegeheim sowie zwei weitere in Langenhagen und Gehrden trägt. Dabei sei die Personaldecke ohnehin dünn im Bereich Pflege - die zusätzlichen Aufgaben durch die Corona-Pandemie hätten zu einer Überlastung geführt. „Deshalb haben wir das Angebot des Bundes bereitwillig angenommen - wohlwissend, dass einige Mitarbeiter skeptisch sind, weil die Soldaten nicht immer medizinisch geschult sind“, sagt Dirk von der Osten und betont: „Die Leitungskräfte überwachen die qualifizierte Unterweisung in den AWO Pflegeheimen, so dass anschließend richtig und gewissenhaft getestet wird und es eine tatsächliche Entlastung gibt.“ Burkhard Teuber, Geschäftsführer der AWO Region Hannover, sieht sogar noch weiteren Bedarf in einem anderen Bereich seines Verbandes. „Wir wünschen uns, dass eine solche Hilfeleistung auch auf die Kitas ausgedehnt wird.“
Besucher und Mitarbeiter hätten den Einsatz des Soldaten in ihrem Haus zunächst interessiert zur Kenntnis genommen. „Mit seiner offenen, zuvorkommenden und freundlichen Art sowie seinem ruhigen Händchen ist er schnell in unser Test-Team integriert und bereits für seine Arbeit gelobt worden“, sagt Maren Reisener. In dem AWO Pflegeheim werden derzeit jeden Monat etwa 1.500 Tests durchgeführt. „Die Unterstützung in den nächsten drei Wochen gibt uns kleine Verschnaufpausen, damit wir uns um unsere eigentlichen Aufgaben kümmern können: der Versorgung unserer Bewohner“, so Maren Reisener. Die Einrichtungsleiterin lobt auch die unbürokratische Bewilligung der Hilfe durch die Bundeswehr. „Oft muss man bei der Beantragung von Hilfeleistungen viele Formulare ausfüllen – das war hier nicht der Fall“, sagt Maren Reisener. Für Tim Jäger bedeutet der Einsatz Abwechslung zu seinem Alltag bei der Bundeswehr. „Es macht Spaß, das Umfeld ist gut – ich fühle mich wohl hier.“