Einen Tag lang herrschte „Burgfrieden“ zwischen dem Schlossherren und dem Gutshofbesitzer in Rethmar . . .

Hausverbot aufgehoben: Für das Ehepaar (von links) Adelheid und Rüdiger von Wackerbarth mit ihren Söhnen Falk und Jens war - aber nur für die Jahresversammlung des Heimatbundes Niedersachsen - der Weg frei vom Schloss auf den Gutshof. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Gutshof Rethmar |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand: Zur Jahresversammlung des Heimatbundes Niedersachsen konnten der Erbprinz und ein Adelsexperte begrüßt werden

SEHNDE/RETHMAR (hdb). Adel verpflichtet: Aus Anlass des Besuches von Erbprinz Ernst-August von Hannover und des Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert durfte auch Schlossherr Rüdiger Freiherr von Wackerbarth den benachbarten Gutshof betreten, um mit seiner Familie an der Jahresversammlung des Heimatbundes Niedersachsen teilzunehmen. Das Hausverbot hatte sein Nachbar Rainer Digwa extra für einen Tag aufgehoben.
Die beiden Parteien liegen schon lange im juristischen Clinch um Parkflächen und Lärmbelästigung durch den gastronomischen Betrieb auf dem Gutshof. Das hatte letztlich zu unversöhnlichem Zerwürfnis und dem Hausverbot für den Freiherrn geführt. Zur Veranstaltung des Heimatbundes, deren Mitglied von Wackerbarth ist, wollte dieser im Theater im Kornspeicher aber gern teilnehmen – und außerdem den etwa 200 nach Rethmar angereisten Mitgliedern nach dem Treffen eine Schlossführung anbieten.
Dazu waren nach ebenso diskreten wie erfolgreichen Vermittlungen die Aufhebung des schriftlich verfügten Hausverbotes und die Öffnung der Pforte erforderlich, die die beiden Grundstücke mit der Orangerie hermetisch vom Gutshofgelände abriegelt und laut von Wackerbarth seit mehr als zehn Jahren nicht mehr geöffnet worden war. In der heutigen Generation sei der Nachbarschaftszwist wohl nicht mehr beizulegen, sind sich beide Seiten einig. Hoffnung bestehe aber wohl bei der nächsten Generation, wie die Söhne des Schlossherrn andeuteten.
Der Heimatbund Niedersachsen mit seinem seit 2002 amtierenden Vorsitzenden Heinz-Siegfried Strelow an der Spitze hatte zu seiner Mitgliederversammlung eine illustre Gästeschar und prominente Gastredner eingeladen. Als Erbprinz Ernst August von Hannover, leicht verspätet, eintraf, erhob sich ein Teil seiner „Untertanen“ von den Plätzen. Der hohe Gast erinnerte in einem kurzen Grußwort an die wechselvolle Geschichte „mit Erfolgen und Niederlagen“ der Welfen und die vor 300 Jahren erfolgte Personalunion mit dem englischen Königshaus. Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke erläuterte den Heimatfreunden ein Stück Stadtgeschichte und hatte das Sehnder Gästebuch mitgebracht, in das sich der Erbprinz nach der Versammlung eintrug. Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert, dem der Heimatbund Niedersachen nach eigenen Angaben noch geläufig war aus seiner Zeit als NDR-Reporter für die „Funkbilder aus Niedersachsen“, beleuchtete die historischen Zusammenhänge, in denen 1714 Georg I. als erster Welfe den englischen Thron bestieg. Den geschichtlichen Exkurs vervollständigte Georg Ruppelt, Direktor der Leibniz-Bibliothek Hannover, mit seinem Vortrag über den „Glücksfall: Leibniz und Hannover“.