Eine Hütte als Treffpunkt

Lektion in Lokalpolitik: Einige Neuntklässler der KGS trafen sich mit Vertretern aus Rat und Verwaltung vor Ort zur Gestaltung der Drösewiese als Treffpunkt für Jugendliche nach ihren eigenen Vorstellungen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Die Bemühungen der Stadt Sehnde in den vergangenen Jahren, die direkt an der B 65 gelegene Drösewiese als Treffpunkt für Jugendliche zu gestalten, waren allesamt Vandalismus und Brandstifung zum Opfer gefallen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Neuntklässler wollen Drösewiese umgestalten

SEHNDE (sv). „Das wichtigste ist eine Hütte!“ Paulina, Kaya, Nicole und ihre Mitschüler von der Kooperativen Geamtschule (KGS) waren sich einig. Im Politikunterricht bei ihrem Lehrer Stefan Sippel lernen die Schüler des neunten Jahrgangs an einem Projekt ganz konkret, wie Politik funktioniert. Die Neugestaltung der Drösewiese als Treffpunkt für Jugendliche ist der Inhalt des Projekts, das schon in der achten Klasse begann und zu dem es jetzt einen ersten Ortstermin mit Vertretern von Rat und Verwaltung gab.
5.000 Euro hatten die Schüler dazu kalkuliert, erinnerte Ortsbürgermeister Helmut Süß. Sabine Zilkenath von der Stadtverwaltung hatte die Wünsche der Schüler aufgenommen und eine Kostenplanung mit Fremdvergabe sämtlicher Gewerke erstellt, also die teuerste Variante. Als da wären eine Basketball-Anlage mit einer sechs mal sechs Meter großen Asphaltfläche, eine Tischtennisplatte auf Plattengrund mit den Maßen zehn mal fünf Meter, ein fester Materialschrank für Sportgeräte, genannt „Gerätesafe“, sowie ein Bouleplatz. „Das alles muss natürlich öffentlichkeitstauglich sein, das heißt, den Sicherheitsbestimmungen entsprechen, und auch vandalismussicher“, erklärte die Sachbearbeiterin. Den so genannten Wassertisch aus Höver auf der Drösewiese aufzustellen war ein weiterer Vorschlag der Schüler.
6.650 Euro würde allein die Aufstellung der Tischtennisplatte ihren Berechnungen zufolge kosten, der Streetball-Ständer mit Spielfläche 7.440 Euro und die Herstellung des Bouleplatzes sogar 19.000 Euro. „So haben wir realistische Zahlen“, sagte Sabine Zilkenath.
„Das wollen wir alles gar nicht, der Bouleplatz ist eine Idee der Erwachsenen“, überraschte Paulina die Anwesenden. „Wir diskutieren hier über Sachen, die wir nicht wollten und nicht über das, was wir eigentlich planen“, quittierte Nicole (14) diese Lektion in Lokalpolitik. Eine wetterfeste Hütte, in der sie sich treffen können, sei ihnen am wichtigsten. Die hatte die städtische Mitarbeiterin bei ihren Berechnungen außen vor gelassen, da noch nicht klar war, ob es sich um einen offenen Unterstand, einen Container, eine Hütte oder einen Bauwagen handeln sollte. Alles andere seien aber ebenfalls Wünsche auf der Liste der Schüler, erklärte sie – tatsächlich bis auf den Bouleplatz.
Die Schüler haben einen Standtort für die Hütte ausgesucht und sind nun gefordert, ihre konkreten Vorstellungen zu dem gewünschten Treffpunkt zu Papier zu bringen. Ortsratsmitglied Kurt Schwarzkopf bot seine Hilfe bei der Formulierung des erforderlichen Bauantrags an.
Derzeit sind zwei stabile verzinkte Bolzplatz-Tore auf der Wiese verankert. Außerdem gibt es einige roh behauene Steinquader in zum Sitzen. Und den Rest eines Streifenfundaments. Denn nicht zum ersten Mal steht die zentral gelegene Drösewiese direkt an der Bundesstraße 65/Ecke Nordstraße als Treffpunkt für Jugendliche im Fokus. Die Stadt hatte bereits verschiedentlich Versuche unternommen, den Wünschen der Jugend entgegen zu kommen und einen offenen Unterstand errichtet sowie einen Bauwagen dort aufgestellt. Beide wurden häufig Opfer von Vandalismus und Brandstiftung. Der neue Anlauf soll nun unter der Regie der KGS-Schüler stattfinden, die die Ideen dazu sammelten und nun die entsprechenden Anträge stellen müssen. „Das Projekt soll an die folgenden achten und neunten Klassen weitergegeben werden, da wird sicher noch einiges geändert oder ergänzt“, erklärte Stefan Sippel. Auch Sechstklässler sollen einbezogen werden, indem sie beispielsweise Insektenhotels für die Wiese gestalten und dort aufbauen.