„Dieses Thema geht uns alle an!“

„Mit gemischten Gefühlen“ hatten die damaligen Achtklässler die Reise nach Auschwitz angetreten und mussten erst einmal eigene Eindrücke verarbeiten, bevor sie ihre Beiträge zur Ausstellung erarbeiteten. (Foto: Susanna Veenhuis)

Großes Interesse an der Ausstellung zum Gedenktag in der KGS

SEHNDE (sv). „Der Alptraum hört nicht auf!“ - „Wir haben die Hölle betreten.“ Dies sind nur zwei der vielen Zitate von Auschwitz-Insassen, die die Schüler aus dem neunten Jahrgang der Kooperativen Gesamtschule Sehnde (KGS) zusammengetragen und jetzt in ihrer Ausstellung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus präsentiert haben. Die Ausstellung ist das Ergebnis der Arbeitsgruppe Gedenktag, innerhalb derer im vergangenen Jahr zwölf Achtklässler das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz für mehrere Tage besucht und das Gesehene und Erlebte aufgearbeitet hatten.
Gleichermaßen beeindruckend wie bedrückend wirkte die Präsentation auf die Besucher. Nicht nur Schüler, Lehrer und Eltern hatten sich an dem nasskalten Sonntag zu der außerordentlich umfangreichen Ausstellung in den Klassenraum-Containern eingefunden, sondern auch zahlreiche Interessierte von außerhalb des Schulbetriebs. Sie alle zeigten sich höchst beeindruckt von der Fülle der Materialien, die die Schüler jeweils zum Thema Auschwitz nach ihrem mehrtägigen Besuch auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte zusammen gesucht oder erarbeitet hatten. Überaus bedrückend war das Thema, die staatlich betriebene, gezielte Vernichtung von Menschenleben durch Ausbeutung, Hunger, Krankheit und direkten Mord; das Erleben der Leidenden wurde in vielfältigen Foto- und Textdokumenten sowie Filmen wiedergegeben.
„Von jungen Leuten erwartet man vielleicht nicht gerade, dass wir uns mit damit befassen. Doch wir können sagen, dass es keine Rolle spielt, wie alt man ist: Dieses Thema geht uns alle an“, sagte Jule Kampmann bei der Eröffnung. „Trotz unserer Neugier und unseres Interesses sind wir mit gemischten Gefühlen dort hingefahren – im Nachhinein war das aber die richtige Entscheidung“, erklärte ihr Mitschüler Max Lim.
Als Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bietet die KGS seit drei Jahren diese Arbeitsgemeinschaft Schülern ab dem achten Jahrgang an. In den verschiedenen Räumen des Container-Klassen-Komplexes konnten sich die Besucher über die Verfolgung verschiedener Minderheiten durch die Nationalsozialisten und das Dasein der Inhaftierten im KZ Auschwitz informieren. Auch die brutalen medizinischen Versuche des Lager-Arztes Josef Mengele wurden nicht ausgespart. Ein weiterer Raum war dem damaligen und dem heute aktuellen jüdischen Leben gewidmet. Als eine Art „Raum der Stille“ war ein Klassenzimmer zur Selbstreflexion der Besucher vorbehalten, in dem sie kurze Botschaften und eigene Gedanken an die Wand pinnen oder in Briefumschlägen hinterlassen konnten.
Nach der öffentlichen Präsentation stand die informative Ausstellung den noch zwei Tage lang Mitschülern aus dem neunten Jahrgang zur Verfügung; danach mussten die Räume wieder von ihren Klassen bezogen werden. Schon bald wird in der KGS wieder eine Arbeitsgemeinschaft Gedenktag angeboten.