„Den Boden für echte Werte bereiten“

Freiraumplanerin Anna Cathrin Arndt überzeugte mit ihrem Vortrag im Bolzumer Gemeinderaum zum Thema "Summende Gärten". (Foto: Gabriele Gosewisch)

Plädoyer für Heimisches, Gartengestaltung soll einfach sein

BOLZUM (gg). „Gutes Klima im Dorf“ ist die erklärte Zielsetzung des laufenden Klimaschutzprogramms, das für entsprechende nachbarschaftliche Aktionen eine finanzielle Unterstützung vom Bundesumweltministerium ermöglicht. Bolzumer Bürger entwickeln klimafreundliche Maßnahmen und dienen anderen als Vorbild – so das Konzept. Der Vortrag der Freiraumplanerin Anna Cathrin Arndt war just eine dieser Maßnahmen. „Wer es wichtig findet, durch die Gestaltung des eigenen Gartens einen Beitrag zum Insektenschutz und damit zum Schutz der Artenvielfalt zu leisten, aber nicht weiß, wie er die Gestaltung anpacken soll, ist bei diesem Vortrag gut aufgehoben“, so die Beschreibung von Organisatorin Frauke Lehrke, die sich über den gelungenen Verlauf mit rund 30 Teilnehmern freute. „Nicht nur Bolzumer sind hier, auch Interessierte aus umliegenden Ortschaften“, sagt sie.
„Ziel ist es, die Gärten nicht nur schöner zu machen, sondern auch wertvoller und einfacher in der Gestaltung und bei der Pflege“, so die Botschaft der Referentin. Zum Thema „Summende, bienenfreundliche Gärten“ gab sie zunächst einen bedrückenden Ausblick. Klar sei angesichts der Zahl von 560 Wildbienen-Arten, dass die Natur ein Universum ist, in dem der Mensch mit seinem Dasein eigentlich nur Schaden anrichtet. „Wir können den Schaden aber begrenzen“, sagt Anna Cathrin Arndt. Geschätzt werde, so ihre Auskunft, dass die Fläche aller Hausgärten in Deutschland der Fläche der Naturschutzgebiete gleich komme. „Wir können Oasen schaffen. Gartengestaltung ist nicht egal“, so ihre Botschaft. Einzige Voraussetzung für das Gelingen eines wertvollen Gartens seien die Bereitschaft, von der bisherigen Optik abzurücken. „ Das muss nicht dogmatisch sein“, sagt Anna Cathrin Arndt. Sie empfiehlt beispielsweise für den Vorgarten, sozusagen die Visitenkarte des Hauses, eine ansprechende, rund um das Jahr blühende Bepflanzung. „Was sollen die Nachbarn sonst denken“, ergänzt sie mit einem Schmunzeln. Der naturnahe Garten könne für ungeübte Augen zeitweise struppig aussehen . „Die Brennnessel ist wertvoll, sollte in Randbereichen unbedingt stehen bleiben“, sagt Anna Cathrin Arndt. „Freiheit statt Formschnitt“ ermögliche das Aufblühen, das nicht nur den Insekten, sondern auch dem Betrachter guttut, sofern er sich von alten Ansichten löst. Zahlreiche praktische Pflanztipps gab Anna Cathrin Arndt den Zuhörern, die ihrerseits Wissenswertes beisteuerten. „Aber wie überzeugen wir Nachbarn, ihr konservatives Gärtnern aufzugeben?“, so die Frage, die im Raum stehen blieb. „Nur im freundlichen Gespräch könne dies gelingen“, meint Anna Cathrin Arndt, denn viele wüssten nicht, was sie tun. Dass das Auslegen von Folie oder Fließ unter Kies, wie in manchen Gärten zu sehen, eine Gräueltat für den Boden ist, ihn für Jahrzehnte tötet, müsse dringend bekannt gemacht werden.