Amsterdamer Wagen angekommen

Ankunft des Amsterdamer Wagens in Wehmingen. (Foto: Ingo Papenmeier)

Neue Ausrichtung im Straßenbahn-Museum

Wehmingen (r/gg). Nach mehrjähriger Suche, vielen Verhandlungen und einer Nachtfahrt von gut 400 Kilometer ist er jetzt auf einem Tieflader im Straßenbahnmuseum eingetroffen: Ein Wagen der Amsterdamer Verkehrsbetriebe.
Zum Hintergrund schreibt der Vereinsvorsitzende Bodo Krüger: Seit vielen Jahren ist es beim Trägerverein des Museums ein Gesprächsthema, mobilitätseingeschränkten Personen den Besuch des Museums möglichst Barriere arm zu gestalten. Unter Berücksichtigung der dafür notwendigen Gelder soll dies nun in den nächsten Jahren Schritt für Schritt umgesetzt werden. Diesem Personenkreis blieben die beliebten Rundfahrten über das weitläufige Museumsgelände häufig versagt, denn es ist die Eigenart der in Wehmingen vorhandenen Museumsfahrzeuge, dass der Aspekt der Barrierefreiheit seinerzeit bei deren Konstruktion nicht berücksichtigt wurde. Auf der anderen Seite kam ein Umbau der historischen Wagen nicht in Frage, um deren Authentizität nicht zu gefährden. So blieb nur die Anschaffung eines nahezu barrierefreien Fahrzeuges neueren Datums.
Die langjährige Freundschaft mit einem Amsterdamer Museumsverein ermöglichte schließlich die Vermittlung und weitere Hilfestellung bei einem zur Ausmusterung vorgesehenen Wagen der Serie 11G, die die Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB in den Jahren 1989 bis 1991 in Belgien beschaffte. In 2021 mussten die bis dato verbliebenen Wagen infolge extrem hoher Umbaukosten, die zum effizienten Weiterbetrieb nötig wurden, verschrottet werden. Während nun einer der Wagen als Museumsfahrzeug in Amsterdam verblieb, konnte das Hannoversche Straßenbahn-Museum den im Jahre 1990 gebauten Wagen Nummer 904 erhalten. Zum weiteren Erhalt wurden dem Verein auch zahlreiche Ersatzteile zur Verfügung gestellt.
Dank der Hilfsbereitschaft des GVB sowie dem Recyclingunternehmen DDM konnte das Fahrzeug kostenlos übernommen werden. Trotz pandemiebedingter finanzieller Ausfälle in den letzten zwei Jahren, wurde dessen aufwändiger Transport schließlich durch eine erfreulich hohe Spendenbereitschaft ermöglicht.
Nach erfolgreicher Abnahme durch einen Sachverständigen wird der Wagen den Museumsbesuchern im Laufe der Saison 2022 auch für Rundfahrten zur Verfügung stehen. Es ist einer der wenigen Zweirichtungswagen dieser Serie, so kann er später auch auf der Außenstrecke des Museums eingesetzt werden. Museumsdidaktisch soll er mit seinem niederflurigen Mittelteil den Übergang von hochflurigen zu rein niederflurigen Straßenbahnwagen symbolisieren.