Am Frühstückstisch mit Stephan Weil

Prominentester Gast: Ministerpräsident Stephan Weil beantwortete in lockerer Atmosphäre die Fragen der Gäste beim Unternehmerfrühstück. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Olaf Kruse freute sich über den hohen Besuch und stand den Besuchern Rede und Antwort bei lokalen Problemen. (Foto: Susanna Veenhuis)

SPD lädt zum Austausch mit Olaf Kruse und dem Ministerpräsidenten ein

SEHNDE (sv). Politik zwischen Bacon und Brötchen: Kurz vor der Bürgermeister- und Europawahl hatte die Sehnder SPD mit dem Bürgermeisterkandidaten Olaf Kruse zum „UnternehmerInnen-Frühstück“ ins Apart-Hotel eingeladen. Unter anderem war niemand geringerer als der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil der Einladung gefolgt. „Es ist zwar Wahlkampf, aber dies soll keine Wahlkampfveranstaltung sein, deshalb haben wir hier auf die übliche Parteiwerbung verzichtet“, sagte Olaf Kruse. Zuvor hatte SPD-Landtagsmitglied Silke Lesemann die rund 30 Frauen und Männer aus dem Sehnder Wirtschaftsleben im Apart-Hotel begrüßt und, wie sie sagte, auf die „gastronomiegerechte Fragemöglichkeit“ in Form von beschreibbaren Bierdeckeln hingewiesen.
„Mir ist es wichtig, hier in Sehnde eine vielfältige Arbeitslandschaft und ein hohes Angebot an wohnortnahen Arbeitsplätzen zu erhalten, die vielleicht sogar umweltfreundlich mit dem Fahrrad zu erreichen sind“, sagte Kruse und lieferte mittels statistischer Daten ein Bild über die Kommune. Rund 23000 Einwohner zählte Sehnde Ende 2017, davon über die Hälfte Männer. Die Beschäftigungsquote liege bei 58, 7 Prozent (5.869 Personen, davon über die Hälfte Frauen). „Das sind 196 Menschen weniger als im Vorjahr. Diesem Trend gilt es gegenzusteuern“, sagte Kruse. 473 Menschen sind derzeit arbeitslos, insgesamt 6,3 Prozent seien es innerhalb der Region Hannover.
Rund Tausend Unternehmen seien derzeit in der Stadt angesiedelt „Wir haben hier in Sehnde einen schönen Mix an Unternehmen, die in den vergangenen Jahren auch Arbeitsplätze schaffen konnten, das muss weiter gefördert werden“, sagte Olaf Kruse. Dazu brauche es optimnale Rahmenbedingungen wie bezahlbaren Wohnraum, Betreuung für Kinder, gut ausgestattete Schulen, einen moderaten Gewerbesteuerhebesatz, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Flächenangebote zur Ansiedelung neuer und Erweiterung bestehender Unternehmen und eine leistungsfähige Internetanbindung.
Er wohne in Kirchrode und habe Ostern eine Radtour am Kanal entlang nach Sehnde unternommen, stieg Ministerpräsident Stephan Weil in das Frühstücksgespräch ein. „Sehnde ist eine Kleinstadt, die im Schatten von Hannover eine gute Entwicklung genommen hat – das ist kein Scherz!“ Er könne sich gut an eine doppelt so hohe Arbeitslosenzahl erinnern, die sei in den vergangenen zehn Jahren um über 40 Prozent zurückgegangen. Die sozialversicherungpflichtigen Arbeitsplätze hätten um 25 Prozent zugenommen, sagte Stephan Weil. „Wir haben eine richtig guter Phase hinter uns!“
Aktuelle Topthemen seien die berufliche Ausbildung und der Ausbau der Datennetze – ein deutliches Raunen kam unter den Frühstücksgästen auf. „Da sind wir auf der Aufholjagd“, sagte der Landeschef und versprach bis 2025 eine flächendeckende Versorgung per Glasfaserkabel mit 1.000 Mbits/Sekunde.
Die überbordende Bürokratie sei Punkt drei auf seiner Liste: „Das ist wie der Kampf mit der Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wachsen drei neue nach! Jemand aus dem Pflegebereich sagte mir, inzwischen verbringe er wegen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben ein Drittel seiner Zeit am Schreibtisch und nicht beim Patienten!“ Ein Gast kritisierte den Fachkräftemangel in der Pflege, für den er auch bei der mangelnden Anerkennung von ausländischen Fachkräften einen Grund sah.
Einen dramatischen Einbruch bei den Genehmigungen für Windkraft um 90 Prozent beklagte der Vetreter einer Windenergie-Firma. Dies sei eine Katastrophe für Windenergieunternehmen. Weil bestätigte die Klage des Besuchers: „Wind ist der Energie-Rohstoff des Nordens. Wenn wir aus Atom- und Kohleenergie aussteigen wollen, ist das eine gute Alternative.“ Aber bundesweit herrsche Stillstand auf diesem Sektor. Olaf Kruse nahm Bezug auf die aktuelle Situation in Sehnde, erinnerte abet auch an den bewährten Einsatz von Photovoltaik, der in Sehnde auch weiter ausbaubar sei.
Sorgen um die Zukunft seines Unternehmens machte sich auch der Leiter der Stadtwerke Sehnde, Frank Jankowski-Zumbrink. Für die Energiewende liege kein Drehbuch in der Schublade. Momentan sei auf Bundesebene unter dem derzeitigen Umweltminister aber Stillstand eingetreten, das sei Gift für Energieunternehmen„Wir sind aktiv – das nächste Standbein ist die E-Mobilität und die Schaffung einer Ladeinfrastruktur“, sagte Frank Jankowski-Zumbrink. Dem konnte Stephan Weil nur zustimmen.