90.000 Quadratmeter Erde weg

Trotz Verlustprognose: Fläche über HRG an Logistiker verkauft

Sehnde (gg). Sechs Hektar Gewerbefläche hat die Delticom AG in Höver zur Verfügung, nun hat das Unternehmen angekündigt, neun Hektar Ackerboden in Sehnde-Ost mit neuen Lagerhallen bebauen und umziehen zu wollen. Zumindest sind Verträge unterzeichnet worden. Die Stadtverwaltung hat die Fläche im Jahreswechsel 20/21, so die Auskunft von Bürgermeister Olaf Kruse, an die „Hannover Region Grundstücksgesellschaft Verwaltung II mbH“, kurz HRG, verkauft. Zum Kaufpreis gibt es, unter Hinweis auf die gesetzlichen Vorgaben, keine Angaben. Die HRG wiederum hat die Fläche unter Hinzuziehung eines Investors, dessen Name nicht genannt wird, an die Delticom AG verkauft. Die wiederum hat im Jahr 2019 eine Ad-Hoc-Mitteilung, also eine Warnung der Aktionäre vor einer verschlechterten Verlustprognose, abgegeben. Der Aktienwert rauschte abwärts, blieb dort, erholte sich in den vorigen Wochen moderat. Unterdessen hat die Delticom-Pressemitteilung jetzt einen positiven Tenor: Als führender Online-Händler für Auto-Reifen in Europa wolle man im Jahr 2023 den neuen Logistik-Komplex in Sehnde-Ost in Betrieb nehmen und von dort die Geschäftskunden beliefern. Ein „starkes Commitment und eine enge Bindung an die Region und die Partner vor Ort“ sei sehr wichtig, so Alexander Eichler, Logistik-Vorstand der Delticom AG. In seine Stellungnahme hat Bürgermeister Olaf Kruse den Blick auf den Erhalt der Arbeitsplätze, wie er im Telefonat mit dem Marktspiegel bekräftigt. Dass sich aus dem Delticom-Halbjahresbericht 2020 noch keine positiven wirtschaftlichen Signale ableiten lassen, 85 Millionen Umsatzerlöse in 2020 im Vergleich zu 2019 mit 105 Millionen Umsatzerlöse, bereite ihm keine Sorgen, denn dies sein eine Branche, „die sich auch wieder erholen kann“. Ob der Flächenverkauf genau jetzt für Sehnde nötig ist, sei nicht der Punkt, so der Bürgermeister. Das HRG unter Hinzuziehung des Investors sein Geschäft machen wolle sei klar. Zu steuerlichen Dingen, also ob Gewerbesteuer in die Sehnder Stadtkasse fließen wird, könne er als Bürgermeister nichts sagen. Zur Frage der Flächenversiegelung sagt Olaf Kruse: „Unter diesem Aspekt kann man nie zufrieden sein. Aber Gebäude müssen nun einmal auf Flächen stehen. Man muss das Gesamtgefüge im Blick behalten und die Arbeitsplätze sind einfach wichtig. Wenn gebaut wird, kann ich versichern, dass ein innovatives Objekt entstehen wird.“
Derweil teilt die Delticom-Pressestelle auf Marktspiegel-Nachfrage mit: „Zudem können viele Dinge in der augenblicklichen Situation zu 2023 noch nicht entschieden werden und jegliche Aussage dazu wäre spekulativ.“ Der Delticom-Geschäftsbericht 2020 wird Ende März 2021 veröffentlicht.
Zum Hintergrund (www.delti.com, November 2019): „Delticom hat mit ihren finanzierenden Banken am 7. August 2019 eine Stillhaltevereinbarung abgeschlossen, die zwischenzeitlich mehrfach verlängert wurde. Nach weiteren konstruktiven Verhandlungen mit den finanzierenden Banken haben diese eine zeitnahe Verlängerung der Laufzeit bis zum 8. Dezember 2019 konkret in Aussicht gestellt, um die weitere Abstimmung über die Fortführung der Finanzierung bis Ende 2021 zu ermöglichen. Die Banken haben in der Stillhaltevereinbarung zugesagt, bis zum Ende der Laufzeit keine Darlehensforderungen gegen Delticom ernsthaft geltend zu machen und keine Kredite zu kündigen. Delticom geht davon aus, dass die Stillhaltevereinbarung bei angenommenen weiterhin positivem Verlauf der Verhandlungen mit den Banken bis zum Abschluss der Vertragsdokumentation für die geplante Fortführung der Finanzierung verlängert wird. Bis dahin wird Delticom die Banken regelmäßig über die Vermögenssituation der Delticom-Gruppe und den Fortschritt des Umstrukturierungsprozesses informieren...Für das EBITDA der Delticom-Gruppe wird eine Spanne von -8 Mio. € bis -5 Mio. € als erzielbar angesehen, von dem ein wesentlicher Teil den Aktivitäten außerhalb des Kernbereiches zuzuordnen ist.“