525 Jahre alte Steine könnten viel erzählen

Von links: Ernst Köhler, Vorsitzender des Heimatbunds, und Pastor Johann Christoffers freuten sich über die vielen Besucher zur Ausstellungseröffnung „525 Jahre Kapelle Höver“. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Verschiebbare Tafeln in einer ehemaligen Durchreiche geben Auskunft über die Geschichte des Dorfes Höver und seiner Kapelle – Gabi Falter (links) und Gisela Alvers nutzen den Moment für einen Blick da hindurch zu Ernst Köhler. (Foto: Susanna Veenhuis)

Heimatverein „Unser Höver“ zeigt zum Kapellen-Jubiläum eine Ausstellung

HÖVER (sv). Das älteste Gebäude von ganz Sehnde steht in Höver: 525 Jahre hat die kleine Kapelle jetzt schon auf dem Buckel – Pardon: auf den dicken Bruchsteinen. Quasi in Sichtweite, nämlich schräg gegenüber in den Räumen des Heimatvereins über dem Kindergarten, gibt es bis Ende April Wissenswertes über das älteste Gebäude zu erfahren. Denn zu diesem Jubiläum hat der Heimatverein „Unser Höver“ eine umfassende Ausstellung über die Kapelle erarbeitet, die die Vereinsmitglieder jetzt zusammen mit prominenten Besuchern eröffnet haben. Dazu schallten plötzlich die Stundenschläge der Turmglocken eindringlich durch die Ausstellungsräume.
„Die haben wir auf Band aufgenommen“, erklärte der Heimatvereinsvorsitzende Ernst Köhler mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen den verdutzten Besuchern. Denn schon lange hat das Geläut keinen Ton mehr von sich gegeben. Es hatte Beschwerden darüber gegeben, dass die schrillen Töne jede Viertelstunde und auch die tiefen zur vollen Stunde die Nachtruhe empfindlich stören würden, sagte der Vorsitzende. Er erklärte, dass sich die alte Läutwerkmechanik nicht einfach so für die Nacht abschalten lasse. „Es gibt entweder An oder Aus!“ Da aber die Höveraner wenigstens tagsüber nicht auf das vertraute Gebimmel verzichten wollen, startete der Heimatverein direkt zur Ausstellungseröffnung auch gleich eine Sammelaktion zugunsten eines neuen, steuerbaren Uhrwerks.
Ursprünglich gehörte die Gemeinde in Höver zum Archidiakonat Lühnde. Wegen des langen Weges dorthin veranlasste der Bischof von Hildesheim im 15. Jahrhundert den Bau einer Wehrkirche mit festem Tor und feuerfestem Dach und 80 Zentimeter dicken Wänden in Höver, in der die Dorfbevölkerung nicht nur spirituellen Beistand, sondern auch Schutz fand vor angreifenden Heeren oder marodierenden Soldaten.
„Diese alten Steine könnten viel erzählen“, sagte Pastor Johan Christophers. Ortrud und Manfred Holaschke hätten da besonders intensiv zugehört. „Ich habe die beiden in letzter Zeit häufig im Kirchenbüro gesehen, man merkte schon: da wird nachgeforscht“, sagte Johan Christoffers. Basierend auf den umfangreichen und Forschungen von Ulrich Drews zum 500. Kapellengeburtstag hatten Holaschkes die Kapellenhistorie erweitert und ergänzt und die aktuelle Ausstellung erarbeitet. Eine ergiebige Quelle seien auch die Unterlagen des verstorbenen Otto Ostermeyer gewesen, der lange Ortsvorsteher und Kirchenvorstand in Höver war, sagte Ortrud Holaschke. Zudem gebe es einen ganzen Raum voller Akten, die derzeit aufgearbeitet und digitalisiert würden.
„Als diese Kapelle gebaut wurde, hatte Michelangelo gerade zumerstenmal Florenz verlassen. Kolumbus war zum zweiten Mal nach Amerika gesegelt“, stellte Ralf Marotzke den Bau der Kapelle 1494 in den allgemeinhistorischen Kontext. Der stellvertretende Bügermeister überbrachte die grüße von Bürgermeister Jürgen Lehrke, der leider verhindert war. Ihm und anderen Interessenten stehen weitere Termine zum Besuch der Ausstellung zur Verfügung: jeweils sonntags am 24. März, am 7. und am 28. April zwischen 15 und 17 Uhr ist die Ausstellung in der Heimatstube Am Schulhof 1 geöffnet. Weitere Termine können mit Ernst Köhler unter Telefon (05132) 9 31 52 abgesprochen werden. Den Weg hinauf zur Ausstellung weisen die lustig-bunten Kapellenbilder, die die Kindergartenkinder gemalt haben.