Präventionsprojekt in Sehnde gegen sexuelle Gewalt an Kindern

BILDUNTERSCHRIFT HINTER DEM TEXT!!!

SEHNDE (sv). „Hände weg von Julia“ heißt das Theaterstück, das das Mathom Theater aus Melle jetzt vor den dritten und vierten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule aufführte. Mit dem Stück wollen die Theatermacher Kinder in ihrer Persönlichkeit stärken und zeigen, dass sie das Recht haben, „nein“ zu sagen.
Bei einem Informationsabend innerhalb dieses Projekts zur Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern, das der Civitan-Club initiiert und finanziert hat, waren auch die Eltern einbezogen.
20 Mütter und Väter waren der Einladung gefolgt und ließen sich von Kriminalhauptkommissar Michael Huwald vom zentralen Kriminaldienst in Hannover und Therapeutin Annette Pagel vom Hildesheimer Verein „Wildrose“ darüber aufklären, was Eltern tun können, um ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen.
Die Sehnder Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Glandorf und Katharina Fischer vom Fachdienst Kindertagesstätten und Jugend stellten als Vertreterinnen des Präventionsrats im Anschluss die Angebote und Möglichkeiten vor, die Sehnder Eltern und Kindern zur Verfügung stehen.
Bürgermeister Jürgen Lehrke ist Schirmherr für das Präventionsprojekt, das der Civitan-Club gemeinsam mit dem Präventionsrat seit 2010 kontinuierlich an Sehnder Grundschulen für Kinder und Eltern anbietet und auch finanziert.
„Viele Eltern warnen ihre Kinder davor, nichts von Fremden anzunehmen oder gar mit ihnen mitzugehen, und das ist auch gut so“, sagte Michael Huwald. Jedoch stammen Täter, die sich an Kindern vergreifen, zu 70 bis 80 Prozent aus dem unmittelbaren Umfeld des Kindes, nämlich aus der Familie oder dem Verwandten- und Freundeskreis der Eltern, aus dem Sportverein oder sonstigen so genannten Peer-Groups.
In über 90 Prozent der Fälle seien die Sexualstraftäter männlich. Die jüngeren Opfer seien überwiegend Jungen, je älter die Opfer seien, umso größer der Anteil an Mädchen.
Übergriffe gegen die sexuelle Selbstbestimmung seien beispielsweise auch schon das Reißen von zotigen Sprüchen in der Anwesenheit von Kindern, das Zeigen pornografischer Bilder oder das Anfassen über der Kleidung. Insgesamt 116 000 „kindliche Sexual-Delikte“ habe es im vergangenen Jahr in der Stadt ueigt, wird nd Region Hannover mit 1,2 Millionen Einwohnern gegeben, 65.000 davon konnten die 15 Polizeibeamten, die ausschließlich mit diesem Delikt befasst sind, aufklären. Die Tendenz dieser Delikte sei fallend, so Huwald.
In den meisten Fällen gingen Täter sehr strukturiert vor, indem sie zu ihrem Opfer zunächst eine Bindung aufbauen und die Kinder dazu bringen, ihren Wünschen entgegen zu kommen. Kinder seien schließlich im Netz dieser Beziehung gefangen und sähen keine Möglichkeit, auszubrechen oder um Hilfe zu bitten, sagte Huwald. Deswegen solle man auffällige Reaktionen der Kinder weiter beobachten und ihre entsprechenden Angaben ernst nehmen. „Kein Kind hat es verdient, so behandelt zu werden“, sagte der Kommissar.
Allerdings müsse die Polizei ermitteln, sobald ein Verdacht geäußert werde. Deshalb sei es ratsam, sich zuerst an eine Beratungsstelle zu wenden. Dies bestätigte Annette Pagel von der Hildesheimer Beratungsstelle Violetta. „Wir unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht“, sagte Pagel.
Wichtig sei es, Kinder stark zu machen, ihnen Selbstvertrauen zu geben und bewusst zu machen, dass auch sie Rechte haben. Wie zum Beispiel das Recht, nein zu sagen – besonders dann, wenn ihnen etwas unangenehm, unrecht oder unheimlich vorkommt.
Die „Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der Region Hannover ist zu erreichen unter Telefon (0511) 616 22 160. Weitere Beratungsstellen: www.wildrose-hildesheim.de, www.violetta-hannover.de.
BILDUNTERSCHRIFT:
Bereits seit 2010 bietet der Civitan-Club – hier vertreten durch die Vorsitzende Renate Grethe (rechts) gemeinsam mit dem Sehnder Präventionsrat das Präventionsprojekt für Eltern und Grundschüler an. Außerdem auf dem Bild (von rechts nach links): Kriminalhauptkommissar Michael Huwald, Annette Pagel vom Hildesheimer Verein „Wildrose“, Katharina Fischer vom Fachdienst Kindertagesstätten und Jugend und die Sehnder Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Glandorf. Foto: Susanna Veenhuis

Autor:

Redaktion Marktspiegel aus Burgdorf

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.