TSV-Spieler brauchen dringend eine Pause

Im Heimspiel gegen den THW Kiel hatte Torwart Urban Lesjak keine Chance gegen die Sieben-Meter-Würfe von Niclas Edberg. (Foto: Holger Staab)

Recken konnten die verletzten Spieler nicht gleichwertig ersetzen

BURGDORF (st). Die Punktrunde 2018/2019 in der DKB Handball-Bundesliga ist für die TSV Hannover-Burgdorf ein schlechtes Kapitel. Von Saisonbeginn an hatte die Mannschaft massive Probleme mit Verletzungen und konnte bisher kein Spiel mit voller Besetzung absolvieren. Aber auch die verbliebenen Akteure kamen nur selten an ihre durchaus vorhandenen Qualitäten heran, und so mussten die Recken zu viele Niederlagen einstecken und stehen zum Ende des Jahres 2018 nur auf dem schwachen 14. Tabellenplatz.
Was ist mit den Recken los? Im Europapokalwettbewerb wurde durch einen 41:36-Heimsieg und ein 33:33-Unentschieden gegen Benfica Lissabon die Gruppenphase erreicht. Die findet im Februar und März 2019 statt und mit Grundfos Tatabanya KC (Ungarn), HC Eurofarm Rabotnik (Mazedonien) und RK Nexe (Kroatien) haben die TSVer zwar lösbare Aufgabe zugelost bekommen, müssen aber weite Reisen in Kauf nehmen. Spannend wird diese Aufgabe in jedem Fall. Mindestens Tabellenzweiter müssen die Recken werden, um das Viertelfinale zu erreichen.
Im DHB-Pokal schaffte es die Mannschaft um Trainer Carlos Ortega nach 2018 das zweite Mal hintereinander das Final Four in Hamburg zu erreichen. Diese traditionsreiche und beliebte Veranstaltung wird nach dem 33:29-Sieg gegen HC Erlangen ein tolles Erlebnis für Hannover-Burgdorf und seine Fans und macht die TSV zudem noch ein wenig bekannter. Die Endrunde wird am 6. und 7. April mit den Halbfinalspielen am Sonnabend und dem Finale am Sonntag ausgespielt.
Zwei Erfolge, die Evgeni Pevnov und seine Mitspieler für sich als äußerst positiv verbuchen können und die in Handballkreisen sehr gewürdigt werden. Was aber in der DKB Handball-Bundesliga passiert, ist nicht das, was sich die TSV wünscht. Nach einer wirklich durchwachsenen Hinrunde und zwei weiteren Partien in der Rückrunde, zuletzt insgesamt sieben Niederlagen in Folge, steht die Mannschaft um Nationalspieler Fabian Böhm nur auf einem unzureichenden 14. Tabellenplatz. Dabei wollte das Ortega-Team in dieser Spielzeit angreifen und sicher unter den ersten zehn Mannschaften der Liga landen, evtl. sogar den letztjährigen sechsten Platz verteidigen.
Das es anders kam und die Recken sich jetzt sogar gegen ein weiteres Abrutschen in der Tabelle erwehren müssen, hat sicherlich viele Gründe. Das Verletzungspech ist nur ein Grund. Vielleicht sind die Zusammensetzung der Mannschaft, die geringe Anzahl an Spielern oder die Auswahl der Neuzugänge nur einige Faktoren, die für den tiefen Fall und viele Niederlagen gerade in den letzten Wochen verantwortlich sind.
Nach sechs Spieltagen lief bei der TSV eigentlich alles nach Plan, obwohl das Team auch da schon auf Spieler verzichten musste. 8:4-Punkte und starke Auftritte bei den beiden 28:29-Niederlagen bei Meister SG Flensburg-Handewitt und bei den Füchsen Berlin sorgten für Zuversicht und Platz sieben in der Tabelle. Einen kleinen Knacks gab es jedoch bei der unnötigen 34:37-Niederlage bei TVB Stuttgart und die weiteren Auftritte waren nicht mehr so, wie zum Saisonstart. Schwächen im Angriff, eine schlechte Torquote und unterirdische Qualität in der Defensive sorgten für viele Punktverluste. Auch die hochgelobte Heimstärke war plötzlich nicht mehr vorhanden. Das bewiesen die Pleiten gegen MT Melsungen (29:36) und gegen die SG Bietigheim (26:27). Nach zwischenzeitlich 12:12-Punkten und einem Mittelfeldplatz fiel die TSV nach der unglücklichen 28:29-Pleite bei HSG Wetzlar und der klaren Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen (23:29) weit zurück, taumelt den Abstiegsrängen entgegen und schloss die Hinrunde mit 12:22-Punkten ab.
Auch die Begegnungen gegen FrischAuf! Göppingen (29:30) und am zweiten Weihnachtstag beim Bergischen HC (22:25) brachten nicht die erhoffte Wendung. Mittlerweile stehen zum Jahreswechsel nur 12:26-Punkte auf dem Konto. Eine Situation die schnellstens analysiert werden muss. Obwohl die Gründe für die schwachen Vorstellungen bekannt sind und die TSV allein sechs Spiele knapp und unglücklich mit nur einem Tor Unterschied verlor, wird für die restliche Rückrunde einiges passieren müssen, damit das Schiff der Recken wieder auf Kurs gebracht werden kann. „Wir müssen jetzt die Pause nutzen, um uns unserer Stärken zu besinnen“, meinte auch der besorgte sportliche Leiter Sven-Sören Christophersen nach der 22:25-Pleite beim BHC.
Die Verletzungen von Pavel Atman, Mait Patrail, Torge Johannsen und zeitweise Kai Häfner, sowie Evgeni Pevnov sorgten immer wieder für eine andere Zusammensetzung der Mannschaft in den Begegnungen. Die hoch gelobte Abwehr musste umgestellt werden, junge Talente aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend versuchten die gestandenen Profis zu ersetzen und im Training zumindest für Quantität zu sorgen. Dies brachte die TSV aber nicht auf die Siegerstraße, denn der Kraftaufwand für die verbliebenen Akteure war einfach zu hoch und so gingen auch Partien gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren. Im neuen Jahr soll es besser werden, aber die Dreifachbelastung mit Punktrunde, EHF-Pokal und DHB-Pokal wird von den Recken alles abverlangen. Über eine personelle Verstärkung des Teams wird offen diskutiert, aber einen Rückraumspieler, der gleich weiterhilft und nicht nur eine Ergänzung darstellt, ist zum Jahresanfang schwer zu finden. Nach der Weltmeisterschaft im Januar starten Kai Häfner und Co gleich mit zwei Heimspielen in das Jahr 2019. Am Donnerstag, 7.Februar, um 19 Uhr kann sich die TSV gegen TVB Stuttgart für die bittere Hinspielniederlage revanchieren. Am Sonnabend, 9. Februar, um 19.30 Uhr wird das Europapokalspiel gegen HC Eurofarm Rabotnik in der Swiss Life Hall angepfiffen. Hoffentlich dann wieder mit einem auskurierten Pavel Atman an Bord und keinem neuen Rekonvaleszenten. Mait Patrail wird es nach seinem Kreuzbandriss schwer haben, in der laufende Saison noch einmal den Weg in den Kader zurückzufinden.