Stimmungslage ist unkalkulierbar

Steffen Bauerochse wurde in St. Augustin zum MVP der Aligser Gallier gewählt. (Foto: SF Aligse)
 
Aligses Damenteam feiert den ersten Drei-Punkte-Erfolg. (Foto: SF Aligse)

Volleyball-Herren verspielen Tabellenführung, Damen holen drei Punkte

Lehrte (r/gg). Eine völlig unnötige 3:0-Auswärtsschlappe (25:22, 25:20, 25:23) leisteten sich Aligses Volleyballherren am Samstag voriger Woche bei den "Rhein-Sieg Volleys Much & Buisdorf" in St. Augustin. Völlig indisponiert sei sein Team gewesen, haderte Trainer Erik Maul nach dem Spiel, und überhaupt nicht wie ein Tabellenführer aufgetreten. Die Heim-Mannschaft, die auch nach diesem Erfolg noch immer in der Abstiegszone der Dritten Liga West steckt, hatte schnell die Schwächen der Gallier erkannt, packte die Gelegenheit beim Schopf und punktete vor allem über seine Außenangreifer, die immer wieder Lücken in der Aligser Abwehr fanden. Zwar fehlten dem Aligser Team etliche Spieler, so dass neben Moritz Viemann, der nach seiner Verletzung erstmals wieder dabei war und auf der ungewohnten Libero-Position spielen musste, nur ein echter Wechselspieler zur Verfügung stand, doch wollte Aligses Coach dies nicht als Entschuldigung für die Niederlage gelten lassen. „Wir haben nicht verloren, weil wir wenig Wechselmöglichkeiten hatten, sondern weil wir einfach erschreckend schwach und nachlässig gespielt haben - auch gegen ein Team aus dem Tabellenkeller holt man die Punkte nicht im vorübergehen,“ so der Trainer, der von der Schelte nur die Zuspieler Marten Ahlborn und Marc Prinzhorn, deren Pässe jedoch zu selten verwertet wurden, sowie Mittelblocker Steffen Bauerochse, ausnehmen wollte. Letzteren hatte denn auch der Trainer der Rhein-Sieg Volleys als wertvollsten Aligser Spieler ausgemacht, wofür Bauerochse nach dem Spiel mit der silbernen MVP-Medaille ausgezeichnet wurde. „Wir hatten uns für heute eine 3:0 Auswärtssieg vorgenommen, jetzt kommen wir mit umgekehrten Ergebnis zurück, das muss ich erstmal verdauen“, ärgerte sich Maul und strich dem Team den in dieser Woche vorgesehenen freien Trainingstag. Tabellenführer vor den punktgleichen Aligsern ist nun aufgrund des besseren Satzquotienten der TSC Gievenbeck, der zeitgleich seine Begegnung beim FCJ Köln mit 3:1-Sätzen gewann.
Ganz anders dagegen die Stimmung beim Damenteam der Sportfreunde Aligse, denn die konnten am Sonntagnachmittag den ersten Drei-Punkte-Erfolg dieser Saison feiern. Tags zuvor hatten sie dem Tabellenführer BSV Ostbevern in dessen Halle einen engagierten Kampf geliefert, in dem dieser letztlich mit 3:1-Sätzen (20:25, 25:20, 25:21, 25:23) die Oberhand behielt. Nachdem dank guter Aufschläge, sicherer Annahme und guter Lösungen am Netz, Aligse den ersten Satz gewinnen konnte, sortierten sich die gegnerischen
Mittelblocker besser und machten nun den angreifenden Gallierinnen das Leben schwer. Ostbevern schlug jetzt präziser auf, stand gut im Block und durch eine starke Annahme/Abwehr fanden die Mittelangreiferinnen die Lücken in der Aligser Abwehr. Doch die SFA-Frauen boten dem Ligaprimus weiterhin Paroli, drehten im vierten Satz noch einmal auf und egalisierten einen zwischenzeitlichen Fünf-Punkte-Rückstand noch zum 19:19 Gleichstand, wehrte auch noch einen Satz- und Matchball ab, bevor Ostbevern schließlich auch diesen Satz mit 25:23 und damit das Spiel für sich entscheiden konnte. Der unbedingte Einsatzwille und die große Moral der Aligser Frauen nötigte dem Tabellenführer, der außer bei seiner 1:3 Niederlage gegen Bremen in dieser Saison noch keinen Satz abgegeben hatte, jedoch allen Respekt ab. Die MVP-Medaille verdiente sich bei den Gallierinnen erneut Diagonalangreiferin Leonie Rothbarth.
Entsprechend bestärkt und ermutigt durch diese gute Leistungen traten die Aligserinnen dann am Sonntag gegen den Tabellenletzten SCU Emlichheim II an und zeigten von Anpfiff weg, dass sie ihre Ansage, an diesem Tag den ersten Drei-Punkte-Erfolg holen zu wollen, auch in die Tat umzusetzen gedachte. Mit 25:18 wurde der erste Satz klar gewonnen, dann ließ das Team etwas die Zügel schleifen und agierte im Folgesatz zu wenig zielstrebig, so dass dieser mit umgekehrter Punktezahl an die Gäste ging. Trainer Harald Thiele wechselte, brachte Kapitänin Lena Onnen, die tags zuvor leicht umgeknickt war und zunächst noch geschont wurde, sowie Lea Frackmann und Annika Hein. Und diese Wechsel zahlten sich aus, Aligse machte nun wieder das Spiel und dominierte, mit 25:22 geht der dritte Satz dann wieder an Aligse. Noch deutlicher wurde es dann im dritten Satz, in dem Leonie Rothbarth schließlich den zweiten Satz- und Matchball zum umjubelten 25:19 für ihr Team verwandelte. Als wertvollste Spielerin wurde Annika Hein mit der goldenen MVP-Medaille auf Aligser Seite ausgezeichnet, die so der Trainer, ihr bestes Spiel im Aligser Trikot abgeliefert habe.
Mit diesem Drei-Punkte-Erfolg ist ein wichtiger Baustein für die kommende Endrunde gelegt, in der sowohl Emlichheim als auch Aligse wohl in der Abstiegsgruppe antreten müssen, in der die jeweils vier letzten Mannschaften beider Vorrundengruppen zusammengefasst werden. Die in der Vorrunde erzielten Punkte gegen die Teams aus der eigenen Gruppe werden mitgenommen, gespielt wird dann nur noch gegen die Mannschaften aus der anderen Gruppe. Da gleich vier Absteiger ermittelt werden, ist eine gute Punktebasis aus der Vorrunde doppelt wertvoll.
An diesem Wochenende ist für die Drittligateams spielfrei, so dass die Mannschaften etwas Erholung haben. Aufgrund des aktuellen Corona-Geschehens und der beschlossenen Beschränkungen findet auch das Training vorerst nach den Zwei-G-plus-Regelungen statt. Die nächsten Spiele stehen für die SFA-Herren am 11. Dezember (Heimspiel gegen Delbrück) und für die Damen am 12. Dezember (Auswärts in Bremen) auf dem Spielplan. Ob und unter welchen Bedingungen diese tatsächlich stattfinden werden, ist wegen noch zu erwartender Entscheidungen der Politik und des Volleyballverbandes derzeit noch nicht abzusehen - so der Bericht von Christian Rauhut.