Nach dem Topspiel ist vor dem Topspiel

Mit Ivan Martinovic haben die Recken zum Start in die neue Saison einen jungen Linkshänder als Ausgleich für Nationalspieler Kai Häfner verpflichtet. (Foto: Holger Staab)
 
Recken-Coach Carlos Ortega schwört seinen Spielmacher Morten Olsen auf den nächsten Angriff der TSV ein. (Foto: Holger Staab)

Nach starkem Saisonanfang will TSV weiter in der Spitzengruppe bleiben

BURGDORF (st). Neun Spieltage ist die Saison in der Liqui Moly Handball-Bundesliga alt und mit der TSV Hannover-Burgdorf steht die Überraschungsmannschaft der Vorrunde bereits fest. In den ersten sieben Ligaspielen gingen Trainer Antonio Carlos Ortega und seine Spieler siebenmal als Sieger vom Platz, hinzu kamen drei Erfolge im DHB-Pokal mit dem ganz dicken Ausrufezeichen, dem 26:20-Erfolg im Achtelfinale in Flensburg in der Hölle Nord beim deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt. Erst die MT Melsungen stoppte die Recken bei der 25:31-Niederlage am ersten Oktoberwochenende.
Was ist bei der TSV in dieser Spielzeit anders, als in der vergangenen Saison? Das fragen sich nicht nur die Experten der Handballszene, sondern auch die Fans, die aber selbst in den Heimspielen für eine tolle Atmosphäre sorgen. Das Ergebnis lässt sich nur schwer zu beurteilen. Nach dem 13. Platz in der Vorsaison und dem Weggang von Topspieler Kai Häfner zum MT Melsungen, Torwart Martin Ziemer zu den Füchsen Berlin, Pavel Atman zum Mazedonischen Verein Vardar Skopje und mit unbekanntem Ziel Lars Lehnhoff, Domagoj Srsen und Torge Johannsen sah die Handballwelt von Hannover-Burgdorf nicht rosig aus.
Der sportliche Leiter Sven-Sören Christophersen und Coach Ortega setzten dann auf junge Akteure und verpflichteten mit Alfred Jönsson vom schwedischen Club Lugi Lund, Ivan Martinovic vom VfL Gummersbach und Domenico Ebner von der SG BBM Bietigheim Nachwuchsspieler mit Potenzial. Zudem wurde die Mannschaft mit jungen Talenten aus der eigenen Jugend aufgefüllt. Die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern und ein gezieltes Vorbereitungsprogramm verliehen dem Team Flügel.
Besonders die Abwehr machte einen ganz großen Entwicklungsschub und entwickelte sich in der ersten Phase der Serie zu einem Bollwerk. Nach sieben Partien hatten die Recken gerade mal 172 Gegentreffer, durchschnittlich 24,5 pro Spiel kassiert. Im Angriff entwickelte sich, auch durch die Qualitäten von Spielmacher Morten Olsen, ein Handball, der Spaß macht und der von allen Seiten gelobt wird. Die Aufmerksamkeit, die der TSV Hannover-Burgdorf nach sieben Siegen in Folge zugesprochen bekam, kannte kaum Grenzen und ging weit über die Region Hannover.
Trotz einiger kleiner Verletzungen von Jönsson, Ilija Brozovic und später Olsen hat das Ortega-Team einen unbändigen Willen, Spiele für sich zu entscheiden und als Team geschlossen aufzutreten. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und die unkonventionelle Defensive, sowie die bisher starken Keeper Ebner und der im vergangenen Jahr neu verpflichtete Urban Lesjak, sorgen für dieses Lob von vielen Seiten.
Da schmälerte auch das relativ leichte Startprogramm mit Begegnungen gegen GWD Minden, FrischAuf! Göppingen, HBW Balingen-Weilstetten, TBV Lemgo-Lippe, Bergischer HC und TVB 1898 Stuttgart die Anerkennungen nicht. Zumal die beiden Siege in der Punktrunde mit 23:22-Toren und im erwähnten Pokalspiel gegen Topfavorit Flensburg-Handewitt aufhorchen ließen.
Die erste Niederlage gegen die finanziell ganz hoch angesiedelte MT Melsungen brachte das Grinsen in den Gesichtern der TSV-Fans dabei keineswegs zum Erschlaffen. Die Tabellenführung konnte erhalten werden. Am vergangenen Sonntag ging es nun gegen den ebenfalls vor der Saison hoch eingeschätzten SC Magdeburg. Das Ergebnis brachte alle Burgdorfer wieder zum Lachen. Mit 31:28-Toren konnte vor 8060 Zuschauern der achte Saisonerfolg sichergestellt und die Tabellenführung verteidigt werden. Die TSV Hannover-Burgdorf ist in Handballdeutschland in aller Munde!
Am morgigen Donnerstag, 17. Oktober, ab 19 Uhr steht gleich das nächste Heimspiel auf dem Spielplan und in die TUI-Arena kommt mit den Rhein-Neckar Löwen gleich ein weiterer Favorit auf einen der vorderen Plätze in der Handball-Bundesliga. Die Recken können frei aufspielen, würden sich über jeden Besucher freuen der kurzfristig für Unterstützung sorgen wird. Bisher sind bereits über 6000 Tickets vergriffen und so wird wieder eine grandiose Stimmung herrschen.
Können Evgeni Pevnov und seine Mitspieler an die Leistungen der Partien gegen die SG Flensburg herankommen und sprüht Olsen wieder vor Spielfreude, dann werden die Löwen um ihren Spielmacher und Weltklassespieler Andy Schmid eine TSV erleben, die jeden Gegner in der ersten Liga schlagen kann. In jedem Fall werden die Mannheimer mit sehr viel Respekt in der hannoverschen TUI-Arena auflaufen.