Furioser Volleyball-Krimi zum Start der SF Aligse in die 2. Bundesliga

Die mehr als 500 Zuschauer/innen fieberten stehend mit - aber Marten Ahlborn (links) machte den Punkt selbst - und souverän! (Foto: Spartenltg. Volleyball SFA/Matthias Frenzel)
 
Schon beim Stand von 18:17 verhinderte eine Schiri-Entscheidung den Jubel - bei insgesamt fünf Matchbällen für die Aligser Volleyballer (die weitere 13 abwehrten) hielt es die 500 begeisterten Zuschauer/innen nicht mehr auf den Sitzen . . . (Foto: Nina Müllen)
Lehrte: Sporthalle Schlesische Straße |

Großer Sport: 19 Matchbälle und sagenhafte 161 Minuten Spielzeit! - Ein Bericht von Georg Böttcher/SFA, Nina Müllen/Schulpraktikantin IGS Lgh. und Walter Klinger/Red.

LEHRTE (r/kl/nm). Stephen King am Drehbuch und Quentin Tarantino in der Regie: Anders konnten sich die gut 500 Zuschauer den fünften (!) Satz mit 33:35 beim Zweitligadebüt der 1. Volleyballherren der SF Aligse in der Sporthalle Schlesische Straße in Lehrte nicht erklären.
Für Niedersachsen stand viel auf dem Spiel. Das Debut in der 2. Bundesliga stand vor der Tür und mit ihr der TuB Bocholt, der zu Recht in der Favoritenrolle anreiste. Konnte dieses Team doch vom Rückzug des Moerser SC aus der 1. Volleyball Bundesliga profitieren und sich mit gleich drei Spielern aus dem Bundesligakader verstärken.
Während sich die so zusätzlich aufgewerteten TuB-Schrauber ein ehrgeiziges Saisonziel gesetzt hatten, stand für die Sportfreunde (bis auf drei hinzugekommene - nicht hinzugekaufte - Spieler sämtlich aus Aligse) nur eines fest: In den Spielrhythmus kommen und sich nach der langen Pause an das Niveau gewöhnen und als Team auftreten.
Davon war bei den Sportfreunden zu Beginn nichts zu sehen. Nervös und mit einer gehörigen Portion Respekt vor den Gästen lösten sich Unsicherheiten und Unstimmigkeiten ab. Annahmeungenauigkeiten sorgten im Nachgang für starke Blocks auf Seiten Bocholts und mangelnde Durchschlagskraft im Angriff auf der Seite der Gastgeber. Schnell wurde der Durchgang (18:25) abgegeben und anschließend in den Köpfen der Schalter "Reset" gedrückt.
Satz zwei sah in der Tat anders aus. Trainer Harald Thiele wechselte munter durch - oder wie man auch sagen könnte: Der steile Aufstieg des Neuzugangs Raphael Supernak. Sprunggewaltig spielte er sich in einen Rausch und war über die Außenposition bis Spielende kaum zu stoppen. Satz zwei (29:27) ging knapp, aber verdient über eine kämpferische Leistung an die SF Aligse. Der erste Satzgewinn in Liga 2!
Nach der Pause ging es weiter. Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Aligse über Teamgeist, Kampf und die beeindruckende Kulisse von 500 lautstarken Fans. Bocholt mit einer enorm stabilen Annahme, die dem Block der Gastgeber durch die Zuspieloptionen immer wieder Schwierigkeiten machte.
Satz drei (21:25) ging an Bocholt, Satz 4 (25:23) ging nach insgesamt 120 Minuten an Aligse. Normalerweise kennt man es, dass 120 Minuten nach Spielanpfiff die Duschen schon wieder sauber sind. Doch in Aligse wurde der fünfte Satz dort erst angepfiffen.
Mehr Werbung für den Sport kann man nicht machen. 500 Zuschauer (darunter auch Bürgermeister Klaus Sidortschuk - ob der mit Ehefrau Gabriele einmal mehr bei der nächtlichen "After Play-Party" bei "Spase" auflief, konnten wir aber nicht mehr recherchieren - und Ortsbürgermeister Frank Seger) schrien sich die Stimme aus dem Hals, zwei Trommeln gingen zu Bruch, kaum Breaks auf beiden Seiten, die Aligser Jugend tanzte auf den Bänken.
Beim Stande von 18:17 für Aligse passierte es: Raphael Supernak schlug den gegnerischen Block oben an, der Ball segelte ins Aus, die Aligser Fans rissen die Arme hoch und die Halle bebte vor Freude. Leider sah der Schiedsrichter dies anders und gab den Ball aus und den Punkt an die Gäste.
Eine weitere strittige Entscheidung sorgte später für Tumulte auf den Zuschauerrängen und die erste gelbe Karte auf Aligser Seite. Und beim Stande von 32:32 tat Waldemar Zaleski auf Bocholts Seite das, woran auch Aligse dachte, sich aber nicht traute: Er wechselte!
Michael Maximilian Lake kam für Lars Geukes und alle warteten gespannt darauf, was passieren würde: hopp oder top! Vier Punkte, insgesamt 19 Matchbälle später und nach rekordverdächtigen 161 Minuten war klar: hopp für die SFA, top für die Tub-Schrauber (33:35).
In einem unglaublich engen Spiel schenkten sich beide Mannschaften nichts. Die Gäste bewiesen ihre Ansprüche an die Liga, standen stabil in der Annahme und gewannen am Ende unter anderem aufgrund einer konstanten Leistung.
Für Aligse war klar: "Wir sind angekommen". In 161 Minuten kann man in der Regel zwei Spiele absolvieren. Das war es, was die Mannschaft brauchte. Ein Punkt in der Tabelle als Einstand und eine Mannschaftsmoral, die ihresgleichen sucht. Verdiente MVP´s des Spiels: Steffen Ahlborn (SF Aligse) und ein phantastischer Libero Lennart Bevers (TuB Bocholt).
Das Fazit am Ende des Spieltages: Zwei verdiente Sieger und für die SF Aligse die Bestätigung ihres Mannschaftmottos: Ein Team ein Ziel!
Das Liga-Feeling mit dem großen sportlichen Einsatz gibt es für vier Euro (ermäßigt zwei Euro) auch beim nächsten Heimspiel am Samstag, 4. Oktober, ab 20.00 Uhr (Einlass: 19.00 Uhr) gegen FC Schüttorf 09 - live und in Lehrte präsentiert von dessen sportlichem Ortsteil Aligse. Für das leibliche Wohl sorgt in Vielfalt das 18-köpfige Orga-Team.