Nutzen der Hornissen überzeugt

Hornissenkönigin bei der Brutpflege. (Foto: Nabu/Ulrich Vogl)

Wespen-Fresser sind willkommen, keine Gefahr für Menschen

Region (r/gg). Wie eine Heerschar kleiner Hubschrauber sausten sie durch den Garten, und fast schienen sie neugierig, wer da in ihrem Terrain am Ende des langgezogenen, grünen Paradieses am Rande der Innenstadt als menschliches Wesen unterwegs war: „Das war geradezu herrlich“, berichtet eine Dame, die sich am Telefon mit Britta Raabe, Nabu-Regionalgeschäftsführerin im Weserbergland und zugleich ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberaterin, unterhielt. Sie kann ihre Faszination kaum in Worte fassen, und fügt an: „Wir wussten, dass wir in der uralten Eiche eine große Spechthöhle haben, hätten aber nie für möglich gehalten, dass sich darin eines Tages ein Hornissenvolk ansiedeln würde! Zuerst fiel es uns gar nicht auf; als wir aber zwei, drei Hornissen abends im Schlafzimmer hatten, weil wir das Fenster hatten offen stehen lassen, suchten wir gezielt.“ Am nächsten Morgen waren die Hornissen gefunden – in fast sechs Metern Höhe in der alten Spechthöhle, die immer mit verfolgen konnte, wie die Hornissen Jagd auf kleinere Wespenarten machten.
Britta Raabe gibt sich keineswegs überrascht, dass auch diese Anruferin nicht etwa anrief, um in Panik nach einer Entfernung des Nests der größten heimischen Faltenwespe – Arbeiterinnen können bis zu 3,5 Zentimeter Größe erreichen, Königinnen bis zu vier Zentimeter, und ein Nest kann bis zu 700 Tiere umfassen – zu verlangen oder gar dessen Beseitigung zu wollen. Im Gegenteil: „Wir erleben seit Jahrzehnten einen positiven Imagewandel bei der Hornisse“, sagt die Expertin, die seit Jahren auch bei Konfliktfällen mit Insektennestern vor Ort ist: „Während viele Menschen früher große Angst vor Hornissen hatten und unsinnige, angebliche Volksweisheiten zu Gefährlichkeit der Hornisse aufgriffen, haben sie heute eher Respekt vor diesen herrlichen Insekten und beobachten sie – oder möchten sogar im eigenen Bereich für sie aktiv werden“, weiß die Nabu-Mitarbeiterin zu berichten.
„Und tatsächlich sind Hornissen im Grunde friedliebende Wesen; so manches Bienenvolk verhält sich wesentlich aggressiver. Hornissen werden nur dann unruhig, wenn es hektische Bewegungen im nahen Nestbereich, Gefuchtel, Anatmen und Unruhe gibt“, zählt sie auf, „völlig normales Schutzverhalten. Deshalb sollte der Nahbereich rund um ein Nest und seinen Anflug frei gehalten werden – kein großes Unterfangen.“ Auch sei das Gift der Hornisse keineswegs gefährlicher für Menschen als das anderer Wespen oder anderer Insekten: „Nur der etwas dickere Stachel und die minimal größere Menge des injizierten Giftes lässt den Gestochenen den Einstich unangenehmer empfinden, als den einer Wespe - aber wirklich gefährdet sind, wie bei anderen Insekten auch, nur Allergiker.“ Und diese sollten auf jeden Fall ein ärztlich verordnetes Gegengift im Notfall-Stift parat haben.
Hornissen fallen vielen Menschen oft erst im Spätsommer auf, wenn plötzlich Nester dieser Hohlräume besiedelnden sozialen Insekten an Orten auftauchen, an denen sie nicht vermutet werden – dann ist ein Volk aufgrund der zu eng werdenden ursprünglichen Höhlung umgezogen und findet sich etwa unter einem Carport oder auf einem Dachboden wieder. „Und dann kann gern auf uns ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater zurückgegriffen werden“, sagt Nabu-Aktive Britta Raabe, „wobei es im Gros der Fälle stets bei einer Beratung bleiben kann, weil sich menschliche und tierische Bewohner arrangieren können. Nur in wenigen Konfliktfällen muss eine fachgerechte Umsiedlung des Nests erfolgen“, weiß sie aus vielfältiger Erfahrung zu berichten. Sie betont erneut den „aus Sicht des Naturschutzes sehr erfreulichen Imagewandel: Die meisten Menschen, die uns ein Hornissennest melden, sind sehr stolz darauf, eines im Garten zu haben, können spannende Beobachtungen einbringen und fragen sogar an, was sie für die Hornissen fördernd tun können – von der naturnahen Gartengestaltung, die vielen Insekten einen Lebensraum schafft, bis zum Bau und der Anbringung spezieller Hornissenkästen. Selbst Nester auf Balkonen sind zumeist konfliktfrei, wir brauchen dort nur sehr selten tätig zu werden“, freut sich die Naturschützerin, die allen hornissenskeptischen Mitmenschen rät, einmal ganz in Ruhe den Flug und das Verhalten der kleinen „Insekten-Hubschrauber“ zu beobachten. In der Regel ist ein Hornissenvolk bis etwa Ende Oktober unterwegs; mit den ersten scharfen Frösten ist das Ende das Nests besiegelt. Im Frühjahr darauf werden dann die Königinnen nach einer Überwinterung in feuchten Orten wie Baumstümpfen und Holzstapeln dafür sorgen, dass es ein neues Hornissenvolk geben wird. Hornissen stehen in Deutschland und vielen anderen Ländern unter besonderem gesetzlichem Schutz.