Zweite Fotovoltaikanlage der Energiegenossenschaft Lehrte in Betrieb

Die Mitglieder der Energiegenossenschaft Lehrte freuen sich über das zweite gelungene Projekt, die Solaranlage auf dem Dach der Lehrter Sporthalle am Südring (im Hintergrund). In Betrieb nahmen sie jetzt (v.l.) Rainer Eberth, Vorstandmitglied der Energiegenossenschaft Lehrte und Geschäftsführer der Stadtwerke Lehrte, die Lehrter Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende Jutta Voß und Volksbank-Prokurist Volker Böckmann, ebenfalls Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Lehrte. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)
 
Über den Dächern der Stadt bietet sich auf dem Dach der Sporthalle am Südring, das jetzt mit einer Fotovoltaikanlage auf 1.100 Quadratmetern versehen ist, ein interessantes und, vor allem für Umweltbewusste, erfreuliches Bild. (Foto: Stadtwerke Lehrte/Rainer Eberth)

Rund 419.000 Euro Investition auf dem Dach der Turnhalle Süd

LEHRTE (dik). Ausgesprochen sonnige Aussichten bieten die Fotovoltaikanlagen der Energiegenossenschaft Lehrte nicht nur für ihre Mitglieder. Kürzlich wurde die nunmehr zweite Solaranlage der Genossenschaft auf dem 1.100 Quadratmeter großen Dach der Lehrter Sporthalle am Südring in Betrieb genommen.
Eingeschaltet wurde sie von der Aufsichtsratsvorsitzenden der Energiegenossenschaft und Bürgermeisterin der Stadt Lehrte, Jutta Voß, Oliver Stellfeldt von der Firma BLIS Solar aus Hannover und die Vorstandsmitglieder der Energiegenossenschaft Lehrte, Volker Böckmann (von der Volksbank) und Rainer Eberth (Geschäftsführer der Stadtwerke), sowie Heike Beneke, Vertriebsassistentin der Volksbank Lehrte-Springe-Pattensen-Ronnenberg.
„Durch die Solaranlage der Turnhalle am Südring ist es rein rechnerisch möglich, 40 Haushalte mit jeweils vier Personen jährlich mit Strom zu versorgen“, so Rainer Eberth. Ein weiterer positiver Aspekt sei zudem die Netzentlastung der konventionellen Netzwerke, da diese durch den zusätzlichen Strom der Anlage nicht mehr mit voller Leistung „gefahren“ werden müssten und insbesondere in der Mittagszeit die „Mittagsspitze“ so gekappt werden könne.
Als erheblichen Beitrag zum Klimaschutz sieht Eberth die Kohlendioxid-Einsparungen von 116 Tonnen pro Jahr. Von der Photovoltaikanlage auf der Lehrter Turnhalle sollen jährlich 131.000 Kilowattstunden Strom produziert werden. Die Anlage wird ausschließlich mit dem Eigenkapital der Mitglieder, das sich inzwischen auf etwa rund 620.000 Euro beläuft, finanziert. „Für die Solaranlage der Sporthalle am Südring wurden rund 419.000 Euro Eigenkapital eingesetzt“, so Volker Böckmann.
Die Ende 2010 unter Federführung der Stadtwerke und der Volksbank gegründete Energiegenossenschaft schreibt inzwischen Erfolgsgeschichte. Bereits in der Gründungsphase mit 64 Mitgliedern entstand die erste Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Ahltener Kita, die inzwischen 50 Prozent ihres Strombedarfs aus der Solaranlage bezieht und als erste Anlage bereits rein aus dem Eigenkapital der Mitglieder finanziert wurde.
„Das Kapital mehrt sich immer weiter. Wir haben 171 Mitglieder und ihre Zahl wächst wöchentlich,“ freut sich Volker Böckmann. Als einen weiteren erfreulichen Aspekt nannte Jutta Voß die Gewinnausschüttung, eine Dividende in Höhe von etwa drei Prozent, die jährlich, ab dem zweiten Jahr, an die Mitglieder ausgezahlt werde. Verlässliche Sicherheit bei den Einnahmen bietet die auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung. „Was man an Betrag erwarten kann ist nachvollziehbar. Es sind keine komplizierten Berechnungsmodelle“, so die Aufsichtsratvorsitzende.
Dass bei der Wahl der beim Bau der Anlage der Turnhalle beschäftigten Unternehmen, neben der renommierten Firma BLIS Solar, von der Planung bis zur letzten Schraube (darunter die Kabelverlegungen durch einen Bach bis zur nächsten Trafostation per „Horizontal-Bohrtechnik“) Lehrter Unternehmen einbezogen wurden, freut Jutta Voß darüber hinaus.
Die täglichen Stromerzeugungsdaten für die Bürgersolaranlagen können unter der Internetadresse http://refulog.de/Login.aspx eingesehen werden. Der Benutzername für das Einloggen lautet „Willkommen“, das Passwort lautet „gastzugang“.
Nach derem Fertigstellung werden dort auch die Daten der dritten Anlage, die auf zwei Hallendächern in der Europastraße installiert wird, abrufbar sein.
Die Kosten für dieses „Sonnenkraftwerk“ belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro. Auf jedem Hallendach befinden sich 3.486 Photovoltaikmodule, die pro Hallendach eine elektrische Leistung von 802 Kilowatt erzeugen. Zusammen also 6.972 Module mit 1,6 Megawatt.
Beide Anlagen zusammen werden eine Strommenge von rund 1,4 Millionen Kilowattstunden (kwh) im Jahr, bei einer durchschnittlichen Verbrauchsmenge von etwa 3.500 kwh pro Haushalt erzeugen und dürften, rein rechnerisch, ungefähr 400 Haushalte versorgen.
Auch diese Anlage wird von der Energiegenossenschaft Lehrte mit Eigenkapital der Genossenschaftsmitglieder finanziert. Zum größten Teil aber auch mit einem Kredit der Volksbank zu günstigen Konditionen nach dem Modell der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Kredit ist dabei so gestaltet, dass das aufgenommene Fremdkapital von der Energiegenossenschaft jederzeit durch eingebrachtes Eigenkapital der Genossenschaftsmitglieder durch Sondertilgungen abgelöst werden kann.
Die Mitglieder der Energiegenossenschaft Lehrte freuen sich deshalb, wenn noch viele weitere BürgerInnen als neue Mitglieder beitreten.
Die Fertigstellung der Fotovoltaikanlagen an der Europastraße ist bereits für Ende August 2011 geplant.