"Zerstörung durch den großen Brand"

Architekt Helmut Flohr stellt Buch in der Heimatstube vor

AHLTEN (r/gg). Etliche große Brände haben das Dorf Ahlten in seiner langen Geschichte heimgesucht. Der schrecklichste aber war der große Brand im Jahr 1822.
Ortschronist Hans-Henning Brandes stellte vor rund 40 interessierten Zuhörern in der vollen Ahltener Heimatstube anhand seiner selbst angefertigten Zeichnung die gewaltigen Ausmaße des Feuers dar.
Der Brand weitete sich von Westen nach Osten aus und erfasste außer 24 Höfen auch die Schule. Fünf Menschen fanden bei der Feuersbrunst den Tod. Außerdem verbrannten sieben Rinder, drei Kälber, 20 Schweine und eine Ziege. Auch die schon eingelagerten Vorräte wurden vernichtet, vermerkt der Chronist.
Die Abgebrannten erhielten jedoch „ansehnliche Unterstützung in jeglicher Form“. Zum Glück war zu der Zeit die Brandversicherung schon eingeführt. Aber auch die Freimaurerloge "Friedrich zum weißen Pferde“ in Hannover beteiligte sich am Wiederaufbau. So war es möglich, dass in kurzer Zeit viele Höfe, mitunter an anderer Stelle, neu entstanden. Da dies die einheimischen Handwerksbetriebe allein nicht leisten konnten, musste man in der weiteren Umgebung nach passenden Handwerkern suchen, was wiederum mit aufwendigen Transporten des vorgefertigten Materials verbunden war. Oftmals mussten mehrere Pferde vor den schweren Wagen gespannt werden, um die großen Mengen an Holz zur Baustelle zu bringen.
So war nach dem Brand auch ein Meister Flohr aus Grasdorf mit seinen Zimmerleuten angerückt und hat in Ahlten zwei Bauernhäuser und eine Scheune neu errichtet.

Diese Erkenntnis ist eher einem Zufall zu verdanken.
Beim Abriss eines heruntergekommenes Fachwerkhauses in der früher Hinterdorfstraße genannten Straße (heute Heinrich-Lampe-Straße), dessen Eichenbalken der frühere Lehrter Baudirektor Kleinke 1984 für den Bau eines privaten Hauses gekauft hatte, trat ein Balken mit der Inschrift „Meister Johann Heinrich Conrad Flohr“ zutage. Bei seinen Nachforschungen stieß Kleinke auf den Architekten Heinrich Flohr aus Grasdorf, der sich als Nachfahre des Baumeisters herausstellte und sich fortan mit den Unterlagen über den Bau des Hauses intensiv auseinandersetzte.
Seine Erkenntnisse über dieses und andere Gebäude hat Helmut Flohr, ebenfalls Architekt, in dem selbst herausgebrachten Buch „Die Fachwerkhäuser des Halbmeierhofes 27 und Kötnerhofes 31 in Ahlten (Lehrte)“ niedergeschrieben, aus dem er lebhaft und mit spürbarer Freude und Stolz auf die Arbeit seines Vorfahren berichtete.
Wo das abgetragene Haus Nummer 27, das 1986 noch einmal für die Bauaustellung Construkta aufgebaut wurde, letztlich verblieben ist, konnte Flohr zu seinem Bedauern nicht herausfinden; die. Spuren verlieren sich im Vogelpark Walsrode.
Anzumerken bleibt, dass am Ort des abgerissenen großen sogenannten Halbmeierhofes in der Heinrich-Lampe-Straße heute Einfamilienhäuser stehen - so der Bericht von Günter Friedrich.