"Wir brauchen ständig neue Plätze"

Tanja Baar leitet die hiesige Rettungshunde-Staffel. (Foto: Privat)
 
Szene aus dem Training. (Foto: Privat)

Einblick in die Arbeit der Rettungshunde-Staffel

Lehrte-Burgdorf (gg). „Es wird Zeit, dass es jetzt bald weitergeht“, sagt Tanja Baar, Ausbilderin im hiesigen Verein für Rettungshunde. Derzeit ist das Gruppen-Training ausgesetzt, obwohl es von den zuständigen Behörden als systemrelevant eingestuft ist und mit Ausnahmegenehmigung durchführbar wäre. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dies nicht zu beantragen. Schließlich müssen sich alle solidarisch verhalten. Dennoch fehlt vieles, um Lernfortschritte zu machen“, erklärt Tanja Baar und hofft auf baldige Besserung der Situation. Natürlich könne jeder mit seinem Hund täglich alleine trainieren, doch die hohen Anforderungen, denen Rettungshunde im Einsatz gerecht werden sollen, erforderten eben auch spezielle Trainingsszenarien. Es gehe um die zuverlässige Bereitschaft des Hundes, genau dann zu suchen und zu finden, wenn der Hundehalter dies signalisiert. Und diese Bereitschaft stehe nur dann zur Verfügung, wenn regelmäßig klug trainiert wird. Zum Hintergrund erklärt Tanja Baar: „Wir nutzen die Konditionierung. Der Hund lernt, den menschlichen Geruch mit etwas Positivem gleichzusetzen. Spielerisch wird dann das Suchen und Finden dieses Geruchs immer mit etwas Positivem ergänzt.“ Der Rettungshund, der auf Befehl nach vermissten Menschen sucht, bewegt sich bei Bedarf sehr schnell durch schwieriges Gelände. Er kann bis zu vier Hektar in 30 Minuten durchsuchen. Für den Hund ist es dabei egal, ob es dunkel ist oder sich die gesuchte Person beispielsweise in einer Mulde, in dichten Bodenbewuchs oder auf einem Baum befindet. Der Rettungshund ist in der Lage, sicht-, geräusch- und witterungsunabhängig verdeckte und verschüttete Personen zu finden. Ideal ist der Rettungshund-Einsatz beim Auffinden von erkrankten und orientierungslosen Menschen, die sich verlaufen haben oder sich mit Suizidabsichten im Abseits befinden. Auch bei Trümmerlagen, wie beispielsweise einem eingestürzten Haus nach einer Gasexplosion, haben Rettungshunde Vorteile.
„Viele sind erstaunt, wie lange es braucht, um einen zuverlässigen Rettungshund auszubilden“, sagt Tanja Baar. In der Regel dauere die Ausbildung mindestens zwei Jahre. Aber auch der Hundehalter müsse viel lernen, wie beispielsweise die Funksprache für Sicherheitsaufgaben (BOS-Funk), um im Einsatzfall in die Koordinierung von Polizei und Feuerwehr zu kommen. Halter von Rettungshunden sollten zudem mit Karte und Kompass im Dunkeln ihren Weg finden können. Aber auch die Kommunikation zwischen Rettungshund und seinem Halter müsse stetig geübt und gefestigt werden. „Wir sagen, der Halter muss seinen Hund lesen können und dem Hund die Richtung weisen können, in der er suchen soll“, erklärt Tanja Baar. Ein Grundgehorsam des Hundes ist Voraussetzung. Der Rettungshund hat gelernt, auf Brettern, Leitern, Wippen oder ungewöhnlichen Untergründen routiniert zu laufen. Er zeigt seinem Halter an, wo sich das Gesuchte befindet. Dafür muss an unterschiedlichen Plätzen geübt werden, denn die Rettungshunde merken sich Szenen. Tanja Baar ist froh und dankbar in Lehrte und Burgdorf mehrere Übungsflächen mit ihrer Staffel für das Training nutzen zu dürfen. Sie sagt: „Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Trainingsplätzen und hoffen auf Hinweise und Unterstützung.“ Interessierte können sich gerne melden unter E-Mail kontakt@rettungshunde-hannover.de.
Der Verein „BRH Rettungshundestaffel Hannover, Harz und Heide“ ist mit derzeit rund 80 angeschlossenen Rettungshundestaffeln im gesamten Bundesgebiet, die größte rettungshundeführende Organisation in Deutschland. Der hiesige Verein hat im Jahr 2019 sein 25-jähriges Bestehen in Burgdorf gefeiert, zu Gast beim THW-Ortsverband. Ausbilderin ist Tanja Baar, im Team mit den Ausbilderinnen Anita Schwarze und Petra Hoffmann. Aufgabe ist es, ehrenamtlich Rettungshunde, Rettungshundeführer und Einsatzkräfte auszubilden, um vermisste Menschen in lebensbedrohlichen Situationen zu suchen und ihre Rettung zu ermöglichen. Die bisher größte Bewährungsprobe stellte im Jahr 1998 das Zugunglück von Eschede dar, wo mit Rettungshunden nach noch lebenden Menschen in den Trümmern des ICE Wilhelm Conrad Röntgen gesucht wurde.
Die Staffel ist Mitglied im Katastrophenschutz der Region Hannover und zu alarmieren über die Regionsleitstelle Hannover unter dem Notruf 112.