Wenn das Herz aus dem Takt ist: Herzrhythmusstörungen

Wann? 10.11.2010 18:00 Uhr

Wo? Klinikum Region Hannover Lehrte, Manskestraße 22A, 31275 Lehrte DEauf Karte anzeigen
Lehrte: Klinikum Region Hannover Lehrte |

Vortrag im Klinikum zur „Herzwoche 2010“ will aufkären

LEHRTE (r/kl). Fast jeder hat im Laufe seines Lebens mit Herzrhythmusstörungen zu tun. Viele reagieren mit Ratlosigkeit und Ängsten auf die Unregelmäßigkeiten ihres Herzschlags. Deshalb veranstaltet die Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November die bundesweiten Herzwochen zum Thema „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“. Wie schon in den vergangenen Jahren, informiert Dr. Guido Schwan anlässlich dieser „Herzwochen 2010“ bei einem Vortrag am Mittwoch, 10. November, ab 18.00 Uhr im Speiseraum des Klinikums Lehrte, Manskestraße 22, näher über Herzrhythmusstörungen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Ziel der Aktionswochen ist es, über Herzrhythmusstörungen zu informieren, um Ängste abzubauen und den Patienten Hilfe im Umgang mit Herzrhythmusstörungen zu geben. Ausgewiesene Experten informieren bundesweit über den heutigen Stand von Diagnostik und Therapie sowie neue Entwicklungen.
Herzrhythmusstörungen können harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sein. „Die Grenze zwischen einer normalen und krankhaften Herzrhythmusstörung, die zugleich auch gefährlich ist, ist fließend“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Universitären Herzzentrum Hamburg: „Dies frühzeitig erkennen und exakt einordnen kann nur ein Internist oder Kardiologe.“
Die häufigste Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Allein in Deutschland leiden Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen an Vorhofflimmern. Hierbei ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen, wodurch sich Blutgerinnsel bilden können, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen: Schlaganfall.
Da Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt es oft unbemerkt. Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle.
Die meisten Herzrhythmusstörungen sind Folge einer Herzkrankheit wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Klappenfehler sowie anderer Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion.
Deshalb ist die beste Strategie die Ausschaltung der die Herzrhythmusstörung begünstigenden Faktoren und die Behandlung der verursachenden Grundkrankheiten. „Bei etwa 70 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern liegt ein hoher Blutdruck vor.
Wird er konsequent auf unter 140/90 mmHg gesenkt, kann in vielen Fällen Vorhofflimmern gebessert werden. Das braucht jedoch Zeit“, bemerkt Prof. Meinertz.
Auch kann eine Störung der Zusammensetzung der Blutsalze, der Elektrolyte (Kaliummangel, Magnesiummangel) sowohl gutartige wie auch bösartige Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken.
Ebenso können Genussgifte (reichlicher Konsum von Alkohol, Kaffee oder Nikotin), emotionaler Stress, Medikamente und Schlafmangel das Herz aus dem Takt bringen.
Eine neue Broschüre „Herzrhythmusstörungen heute“, welche die Deutsche Herzstiftung zu den Herzwochen 2010 herausbringt, informiert auf 132 Seiten über den aktuellen Stand von Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Herzrhythmusstörungen.
Darin erhalten Patienten wertvolle Ratschläge und Tipps für den Umgang mit Herzrhythmusstörungen. Alle Beiträge sind von namhaften Herzspezialisten laienverständlich geschrieben. Der Band ist gegen drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstraße 50 in 60322 Frankfurt.
Neben neuen Medikamenten macht aber auch die Medizintechnik Fortschritte:
Schutz vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen: der Defibrillator – Patienten, die durch den plötzlichen Herztod gefährdet sind, kann durch einen Defibrillator (ICD, für engl. Implantable Cardioverter Defibrillator) geholfen werden. Heute kann der ICD nicht nur das lebensbedrohliche Kammerflimmern durch einen Elektroschock beenden, sondern auch bei Herzrasen und zu langsamen Herzschlagfolgen rettende Impulse geben.Neuere Geräte überwachen sich selbst und geben bei Störungen des Defibrillatorsystems einen Warnton ab. Nützlich ist die telemetrische Überwachung der Geräte, die es erlaubt, dass das behandelnde Zentrum sofort eingreifen kann. Auch wird die Zahl der notwendigen Kontrollen erheblich vermindert.
Bei seltenen Herzrhythmusstörungen spielen so Ereignisrekorder eine immer größere Rolle. Sie erfassen seltene Herzrhythmusstörungen, die sich einer Dokumentation im Ruhe- oder im Langzeit-EKG entziehen, und werden auf den Brustkorb (scheckkartengroß) aufgelegt oder bei sehr seltenen Herzrhythmusstörungen unter die Haut implantiert.
Katheterablation ist jetzt Standard – Eingesetzt, wenn Medikamente nicht mehr helfen oder nicht vertragen werden, werden bei diesem Verfahren mithilfe der Kathetertechnik Herzzellen gezielt durch Hochfrequenzstrom oder Kälte so verödet, dass Herzrhythmusstörungen nicht mehr entstehen können.
Die Katheterablation ist nicht mehr Neuland der Medizin, sondern eine Standardprozedur für die Behandlung von Vorhofflimmern, die heute erfolgreich und sicher durchführbar ist. Bei etwa 95 Prozent der Patienten treten keine Komplikationen auf. Allerdings sollte die Katheterablation nur in erfahrenen Herzzentren durchgeführt werden.
Die Herzwochen richten sich an Patienten, Ärzte und alle, die sich für das Thema Herzrhythmusstörungen interessieren. An der Aufklärungskampagne beteiligen sich mehrere tausend Aktionspartner, darunter Krankenhäuser, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen, Gesundheitsämter, Apotheken und Betriebe. Sie organisieren insgesamt über 1000 Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare, Telefonaktionen und Gesundheitstage. All diese können im Internet unter www.herzstiftung.de (Rubrik „Termine“) abgerufen, unter Tel. 069 95 51 28-333 erfragt oder der Presse entnommen werden.