„Weidetierhalter müssen umlernen“

Stellungnahme des Nabu zum Wolfsangriff auf das Pony Caesar

LEHRTE (gg). Bekannt ist das Engagement des Nabu-Niedersachsen, das auf die Etablierung des Wolfs in der Kulturlandschaft ausgerichtet ist. Auf Marktspiegel-Nachfrage, ob das auch die Haltung im hiesigen Ortsverband ist und ob die bisherige Wolf-Strategie des Nabu angesichts des Wolfsangriffs auf das Pony Caesar in Immensen noch haltbar ist schreibt Vorstandsmitglied Bodo Kutzke: „Die NABU-Strategie ist, den Menschen sachliche Informationen zu der Biologie des Wolfes und zu dem Umgang mit der Tierart zu vermitteln. Fast alle Menschen reagieren emotional auf den Wolf, was in erster Linie psychologische Ursachen hat. Der Nabu hat sich seit Beginn der Wiederbesiedelung Deutschlands intensiv mit der Art beschäftigt, da sie Konfliktpotenzial birgt, aber auch ein konfliktarmes Nebeneinander von Wolf und Mensch möglich ist. Während eine direkte Gefahr vom Wolf für einen Menschen nur in Ausnahmefällen ausgehen kann und in Deutschland noch nie ein aggressives Verhalten wie Knurren oder Zähen fletschen beobachtet wurde, sind die Weidetierhalter ernsthaft betroffen. Denn sie müssen umlernen und ihre Weidetiere wolfsabweisend einzäunen und in bestimmten Fällen mit Herdenschutzhunden schützen. Hierzu gibt es auf Hinwirken des Nabu mittlerweile eine Hundert-Prozent-Förderung vom Land. Dies reicht allerdings nicht aus, da eine Vor-Ort-Beratung und Unterstützung der Weidetierhalter sehr wichtig ist. Dazu wurde eine Herdenschutzprojekt vom Nabu, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Bingo-Umweltstiftung gefördert wird, in das Leben gerufen, das nicht nur berät, sondern auch praktische Hilfe beim Aufbau anbietet. Mittlerweile sind in dem Projekt mehr als 5.000 Ehrenamtsstunden geleistet worden, um Weidetierhaltern zu helfen. Die mithilfe des Projektes eingezäunten Weiden sind bisher zu einhundert Prozent schadenfrei.
Für Weidetierhalter ist es eine besondere Herausforderung und das Ergreifen von Schutzmaßnahmen mit einem erhöhten Aufwand insbesondere bei der Erstellung und der Pflege der Zäune verbunden. Der Nabu spricht sich daher dafür aus, dass auch die dafür anfallenden Kosten künftig getragen werden müssten.
Die EU, die Bundesrepublik Deutschland und damit auch Niedersachsen haben sich international dazu verpflichtet, die gesamte Artenvielfalt zu erhalten. Dazu gehört auch der Wolf, der im Naturhaushalt eine wichtige Rolle zur Gesunderhaltung und Regulation des Wildbestandes spielt. Zudem hat er aufgrund seines Jagdverhaltens indirekt positive Auswirkungen auf die Ökosysteme.
Der Nabu hat sehr großes Verständnis für Weidetierhalter, die von Rissen ihrer Weidetiere betroffen sind. Insbesondere, wenn eine hohe Bindung an das Tier vorhanden ist, ist eine starke emotionale Belastung die Folge. So schnell dann aber der verständliche Ruf nach Abschuss erfolgt, so wenig wirksam ist dieses Mittel oder kann sogar zu mehr Weidetierrissen führen, wie Erfahrungen aus anderen Ländern Europas und aus Nordamerika zeigen. Ein Abschuss von Wölfen macht nur Sinn, wenn es sich um Problemwölfe handelt. Problemwölfe sind Tiere, die mindestens zweimal den empfohlenen Herdenschutz überwunden haben oder sich aggressiv dem Menschen nähern (nicht gleichzusetzen mit dem Nähern an Behausungen oder Autos, denn Wölfe erkennen Menschen nicht, wenn sie in einem Auto sitzen oder sich in einem Haus befinden).
Der Nabu wirbt daher auch bei verständlicher Emotionalität dafür, besonnen und sachlich zu reagieren, damit solche Vorfälle sich möglichst nicht wiederholen.“