„War doch nur Spaß“

Lea träumt von einer Karriere als Sängerin - das hat ungeahnte Folgen.
 
Etwa 280 Schüler in zwei Aufführungen verfolgten das Präventionsstück im Forum.

Präventionstheater zum Thema Cyber-Mobbing für Siebtklässler in Lehrte

VON DANA NOLL

LEHRTE. Nicht nur durch den Suizid einer 11-jährigen Berliner Schülerin ist das Thema „Mobbing“ (leider) wieder verstärkt in aller Munde. Eine PISA-Studie aus dem Jahre 2017 belegt, dass jeder sechste Schüler im Alter bis zu 15 Jahren, gemobbt wird. Die Dunkelziffer liegt noch weitaus höher, sagen die Experten. Besonders das Cyber-Mobbing hat in den letzten Jahren stark zugenommen. „Ab der 5. Klasse haben viele Kinder ein Smartphone. Eigentlich soll es dazu dienen, den Kontakt mit den Eltern in Notfällen zu halten, aber meistens wird es für viele andere Dinge genutzt“, erklärt Yvonne Kriester, Schulsozialarbeiterin an der Hauptschule Lehrte.
„Opfer kann im Prinzip jeder werden“, bestätigt Manfred Günteroth, ebenfalls Schulsozialarbeiter an der Hauptschule Lehrte, „Täter brauchen nur ein internetfähiges Handy.“ „Aus dem Impuls heraus wird beleidigt oder beschimpft und das ist im Netz zu jeder Zeit möglich“, so Pascale von Rohr. „Es bleibt anonym und so ist es für die Täter sehr bequem“,ergänzt die Schulsozialarbeiterin des Gymnasiums Lehrte.
Wie schnell so etwas gehen kann, zeigt eine mobile Theaterproduktion zum Thema Cyber-Mobbing, Mobbing und Medienkompetenz. Das Dokumentarstück entstand in Zusammenarbeit mit Psychologen und erfahrenen Pädagogen und wurde 2013 für den Klick-Safe-Preis nominiert. Es zeigt, wie die trügerische Anonymität des Internets dazu verführen kann, anderen mit Absicht zu schaden: durch fortgesetzte Bloßstellung, permanente Belästigung oder durch Verbreitung falscher Behauptungen.
Das Ensemble Radiks brachte das Stück „Fake oder War doch nur Spaß“ auf die Bühne des Kurt-Hirschfeld Forums. Etwa 280 Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen aus der Haupt-und Realschule sowie des Gymnasiums Lehrte sahen die 1-stündige Vorführung und gingen danach mit den Darstellern Judith Mundinger und Richard Rabeus in die Diskussion. Begleitet wurden die Schüler von ihren Schulsozialarbeitern. „Das Stück soll sensibilisieren und zeigen, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden“, so Pascale von Rohr.
Hauptakteurin in dem Stück ist die 17-jährige Lea, die davon träumt, Sängerin zu werden. Als sie in einer Casting-Agentur aufgenommen wird, weckt das Neid und Missgunst bei ihren Mitschülern. Erste Sticheleien und Ausgrenzungen weiten sich immer mehr aus zu Mobbing-Attacken mit beleidigenden Drohanrufen und angsteinflößenden Kommentaren und Aktionen in den sozialen Netzwerken. Lea wehrt sich anfangs dagegen – doch mit den Ausmaßen hat keiner so wirklich gerechnet. So spitzen sich die Umstände immer mehr zu und Lea versucht sich das Leben zu nehmen. Doch ein Mitschüler findet sie rechtzeitig und sie wird gerettet. Nun schaltet sich auch die Polizei ein, mit erheblichen Folgen für die Mobber.
„Das ist oft der Weg. Wir nehmen die Opfer immer ernst und schalten dann die Eltern ein oder im Zweifel auch die Polizei“, erklärt Yvonne Kriester. „Viele denken, das ist doch nicht so schlimm, das hört wieder auf, aber leider ist das oft nicht so“, fügt Carsten Bökhaus, Schulsozialarbeiter an der Realschule Lehrte hinzu.