Viele neue Gesichter auf dem Wochenmarkt

Kostenlos und unbezahlbar: Der Plausch ist beim Marktbesuch inbegriffen, der Wettergott meinte es gut und beschien das rege Treiben auf der 150-Jahr-Feier des Lehrter Wochenmarkts mit einer warmen Spätsommersonne. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Neue Ideen gegen alte Kochgewohnheiten: Tim Jahn und Malte Lenz stellten in Lehrte ihr selbst erfundenes Kartenspiel für kreatives Kochen vor. (Foto: Susanna Veenhuis)

150-Jahr-Feier zieht Stammkunden und neue Besucher an, entspannte Feier bei bestem Wetter

LEHRTE (sv). „Toll, so etwas sollte es hier öfter geben!“ Das war die einhellige Meinung der Wochenmarktbesucher an diesem besonderen Markttag. Sie genossen die Vielfalt des Angebots, die verschiedenen Aktionen wie Live-Musik vom Bernd Rüter Jazz Trio, Glücksrad-Drehen, Spinn- und Schmiede-Vorführungen und nicht zuletzt den Plausch mit Bekannten. Auch die Matthäuskirche lud mit Andacht, Turmführungen, Kinderkirche und Quiltausstellung die Marktbesucher ein. Unter dem Motto „150 Jahre Wochenmarkt in Lehrte“ hatte die Attraktive Wochenmärkte GmbH zu einem Fest auf dem Marktplatz neben der Matthäuskirche eingeladen. Die Einzelhändler, die ihre Fachgeschäfte unmittelbar an der Marktstraße betreiben, sind gleich mit ins Boot gesprungen.
Denn immerhin hat die Bäckerei von Angelica und Christian Maaßen auch schon seit 120 Jahren ihren Standort direkt am Markt; das Café am Markt, seit drei Jahren in den Händen von Dagmar Ibenthal, wurde 1949 dort eröffnet. Die Fleischerei Stache, in der zweiten Generation betrieben von Karsten Stache, blickt auf 59 Jahre seit ihrer Gründung durch dessen Vater Manfred zurück – gute Gründe für eine große Feier mit vielen Gästen.
„Und wir haben natürlich großes Glück mit dem Wetter!“ Michael Riebe, Prokurist des Veranstalters Attraktive Wochenmärkte, freute sich sehr über das große Besucheraufkommen. Kränkelte das Angebot auf dem Lehrter Wochenmarkt bisweilen ein wenig, so ist doch Lehrte immerhin der zweitgrößte Wochenmarkt von den elf Wochenmärkten in der Region Hannover, die die GmbH als Veranstalter betreut, wie Michael Riebe berichtete. Schon 2005 habe man auf dem hannoverschen Großmarkt feststellen müssen, dass die Besucherzahlen auf den Wochenmärkten stark rückläufig sind und demzufolge auch das Händlerineteresse nachließ. „Wir mussten für die Märkte etwas tun, daher haben wir die Wochenmärkte-GmbH für ein besseres Marketing gegründet“, erklärte Michael Riebe. Durch den Ratsbeschluss vom Februar 2018, den Markt an seinem althergebrachten Standort im Dorf zu belassen, habe man nun auch Planungssicherheit.
Aktuell gebe es ein neues Problem. Nicht nur in Lehrte fehlen den Standbetreibern die Nachfolger, wie beispielsweise bei Geflügel-Schmidt. Zwar habe der Sohn den Betrieb übernommen, aber er finde keine Leute für den Marktstand und könne deswegen auch Lehrte nicht mehr anfahren. „Vielleicht will keiner mehr so früh aufstehen?“ Eine Lösung des Problems sei nicht in Sicht, sagte Michael Riebe. Im Bundesdurchschnitt verschwinden dadurch fünf bis acht Prozent der Wochenmarktstände pro Jahr.
In Lehrte hat man an Samstag nichts davon gemerkt, im Gegenteil: „Wir haben ja immer unsere Stammkunden, aber diesmal waren viele neue Gesichter darunter, es war schön voll, und wir hoffen, dass sie wieder kommen“, sagte Andrea Günther vom Stand von Bauer Stolze stellvertretend für die anderen Marktbeschicker. Auch Max Kropp im Stand von Fischhändler Kropp war nach eigenen Angaben „ganz zufrieden. Es war viel mehr los als sonst!“
Viel Zuspruch hatte auch der Stand des Lehrter Stadtmarketings, wo dessen Vorsitzender Udo Gallowski, Geschäftsführerin Sonja Truffel und Stadtsprecher Fabian Nolting Werbung für den Wochenmarkt machten. „Man kann fast alles hinein tun – außer Fisch mit Soße“, scherzte Udo Gallowski über die kostenlos verteilten, waschbaren und fair erzeugten Bio-Baumwoll-Mehrweg-Gemüsesäckchen mit dem Stadtlogo. „Damit wollen wir zum Verzicht auf Plastik beitragen“, erklärte Fabian Nolting.
Zocken vor dem Kochen: Interesse ernteten auch Tim Jahn und Malte Lenz aus Hannover für ihr selbst entwickeltes Kartenspiel „Chef à la card“ zum kreativen Kochen. Dabei geht es um klassische Grichte mit anderen Zutaten und Punkte. „Eine Runde dauert so zehn Minuten, und dann kann man das kochen, was dabei herausgekommen ist – eine gute Abwechslung zu den üblichen Gerichten, die man so drauf hat“, erklärte Tim Jahn. Die Zutaten dazu kann man direkt frisch auf dem Markt erwerben. „Wir holen uns jeden Samstag hier einen Sack Äpfel für die Woche und natürlich schönes, frisches Gemüse“, sagen Hildegard und Günter May, die dann auch immer viele Bekannte zum Klönen treffen. Zufällig ist Björn Wolf in der Frühe dort vorbei gefahren. „Da sah ich die Flatterfigur, hier ist was los, und bin mit der Familie nochmal hierher gekommen.“ Die Töchter Emma, fünf Jahre alt, und Hanna, sieben Jahre alt, versuchen sich bei Schmied Sven Rieger am Stand von Falk Laxander im Mini-Hufeisenschmieden. Ihre Eltern haben ihrer Berufe wegen keine Zeit für den regelmäßigen Marktbesuch. Aber dennoch gehört für die Töchter der Marktbesuch dazu, meint Björn Wolf. „Samstags sind die Kinder oft bei der Oma, und die geht mit ihnen hierher!“