„Training kann Leben retten“

Schwimmen für den guten Zweck war für Agnes Brandt eine Herzensangelegenheit. (Foto: Privat)
 
Im Freibad war für die Aktion eine Bahn abgeteilt. (Foto: Privat)

Demonstration im Freibad: Kinder sollen schwimmen lernen

LEHRTE (gg). Für Aufsehen hat die Schwimm-Marathon-Aktion von Agnes Brand im Freibad am Hohnhorstweg gesorgt. 7 Stunden, 12 Minuten und 45 Sekunden zog sie ununterbrochen ihre Bahn. Ohne Pause und ohne zwischenzeitliches Festhalten am Rand legte sie insgesamt 10,9 Kilometer zurück, um mit einer beachtlichen Leistung auf einen beachtlichen Missstand aufmerksam zu machen, der jüngst in den Medien kursierte. Demnach können statistisch rund 60 Prozent aller Grundschulkinder in Deutschland nicht schwimmen. „Das ist völlig inakzeptabel“, sagt Agnes Brandt. Zumindest in Lehrte soll dieser Trend umgekehrt werden. „Schwimmen ist wichtig. Es kann Leben retten“, so ihre tiefe Überzeugung, auch aus eigenen Erfahrungen. Geprägt habe sie ein Ereignis als sie selbst noch Kind war. „Als ich acht Jahre alt war, habe ich meine Schwester aus einer Notlage im Wasser gerettet“, sagt sie. Eine sichere Schwimmerin zu sein, habe ihr später auch beim Windsurfen in der Nordsee geholfen. Agnes Brand ist keine Leistungsschwimmerin, Sport ist in ihrem Leben aber mit Trampolin, Judo oder Badminton fest verankert. „Mit ein bisschen Training, kann man schon viel erreichen“, sagt sie und möchte mit ihrer Marathon-Schwimm-Aktion in zweierlei Hinsicht motivieren. Zunächst gab es schon während der Aktion eine Spendensammlung für den guten Zweck: Schwimmunterricht für Lehrter Kinder, die noch nicht schwimmen können. Der Bäderbetrieb Lehrte unterstütze, in dem entsprechende Sparschweine aufgestellt wurden.
Schwimmlehrer Manfred Kopmeier bietet beispielsweise keinen festen Schwimm-Kursus an. Buchbar sind, täglich zwischen 17 und 17.45 Uhr einzelne Unterrichtsstunden oder so viele, wie bis zum sicheren Schwimmen nötig. In der hiesigen Delfin-Schwimmschule sind Kurse im Angebot: dienstags und donnerstags entweder von 15 bis 16 Uhr oder von 16 bis 17 Uhr. Melanie Hausschild von den Bäderbetrieben ist für alle Fragen zum Schwimmenlernen ansprechbar. „Sie hat auch meine Aktion unterstützt und für eine extrem gute und unkomplizierte Vorbereitung gesorgt“, sagt Agnes Brandt. So ging ihr Schwimm-Marathon am Samstag voriger Woche schon morgens um kurz nach 9 Uhr los. „Die Wetterbedingungen waren traumhaft. Die ersten zwei Stunden vergingen auch sehr schnell. Danach lief es, mit normalem Zeitgefühl, gut weiter. Ich wollte pro Stunde 1,5 Kilometer schaffen, was ich durchgehend leicht getoppt hatte“, so der Bericht von Agnes Brandt. Die Protokollanten zählten fleißig die Bahnen, notierten Wasser und Außentemperatur. Für interessierte Zuschauer im Freibad gab es belegte Brötchen, Brezeln, Döner und Kuchen und Getränke. Agnes Brand erhielt stündlich isotonische Getränke und püriertes Obst. Spontan ließen sich zwei Freibad-Gäste zum Mitmachen inspirieren: Unter den wachsamen Augen der Bademeister schwammen sie zwei Stunden am Stück, um das Leistungsabzeichen Totenkopf zu erwerben, was auch gelang.
Agnes Brandt kam gut über die Zeit, allerdings habe es sich nach 5,5 Stunden etwas gezogen. Da sie die Zahl sechs nicht mag, sollten es mindestens sieben Stunden werden. Sie berichtet vom Verlauf: „Als ich gerade sieben Stunden geschwommen war, wollten viele Kinder und Jugendliche endlich den Sprungturm benutzen, der während der Aktion nicht geöffnet wurde, da das Bahnband von der Bahn, welche extra für mich abgesperrt wurde, im Wasser lag und die Gefahr bestand, dass die Springer sich darin verheddern. Ich weiß, dass ich 8 Stunden definitiv geschafft hätte.“ Ihre persönlich längste je geschwommene Zeit hatte sie längst übertroffen. „Als ich aus dem Wasser stieg, wurde mir bewusst, was Schwerkraft bedeutet. Die ganze Haut kribbelte leicht“, sagt sie. Gefreut habe sie sich über die Fragen der Freibadgäste zur Aktion. Wer den guten Zweck unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an Agnes Brandt wenden: brandtungssurferin@googlemail.com.