"Swing tanzen verboten"

Lesung im Anderen Kino am 11. März

LEHRTE (r/gg). Eine performative Kinolesung zur Swing-Jugend als Opposition im sogenannten dritten Reich mit Dokumentarfilm von Rasmus Gerlach und begleitender Diskussion läuft am Mittwoch, 11. März, im Anderen Kino, Sedanplatz 26A, um 18 Uhr. Einlass der Veranstaltung ist um 17.30 Uhr. Der Eintritt beträgt fünf Euro.
Der Hamburger Filmschaffende Rasmus Gerlach porträtiert in "Swing tanzen verboten" Peter Petersen, der in der Zeit der Nationalsozialisten in einem Zigarettenkiosk auf St. Pauli aufwächst, durch sein Interesse für angloamerikanische Musik in das Blickfeld der Gestapo gerät und an die Front geschickt wird - ein Schicksal, das ihn mit dem Frankfurter Emil Mangelsdorff verbindet. Auch der spätere Jazzmusiker Mangelsdorff wird aufgrund seiner Liebe zu Swing und Jazz von der Gestapo schikaniert und brutal in den Kriegsdienst gezwungen, bis er schließlich desertiert und sich im Kiosk an der Reeperbahn versteckt, um dort heimlich weiterhin verbotene Musik spielen zu können. Beide eint, Teil einer oppositionellen Jugendkultur gewesen zu sein, die während der Zeit des Nationalsozialismus vorrangig in Hamburg, Frankfurt und Berlin als „Swing Kids" mit Tanzveranstaltungen gegen das NS-Regime rebellierte. Emil Mangelsdorff spielt im Film die Hymne der Swing-Boys auf seinem alten Saxophon und berichtet von der bis in das Intimste vordringenden Bespitzelung der unangepassten Jugendlichen durch die Gestapo, von Überwachungswahn und Repression unter den Nationalsozialisten.
Begleitend zur Filmvorführung lesen Birgit Dunkel und Rasmus Gerlach aus Hamburger Spitzelberichten und einer Gestapo-Akte von 1944 über die Frankfurter Swing-Jugend vor, die überraschende Erkenntnisse über diese mutige Jugendbewegung liefert, so beispielsweise deren bemerkenswert hoher Frauenanteil. In dieser Gestapo-Akte lediglich als Randfigur erwähnt, ist Emil Mangelsdorff heute einer der letzten Zeitzeugen. Ihm und den „Swing Kids" eine Plattform zu bieten, auf der sie heutigen Jugendlichen, aber auch anderen Interessierten von ihrem Widerstand erzählen können, motivierte Rasmus Gerlach zu seinem Film.