Stadt-Ehrung für Bürger mit herausragendem Engagement

Für ihre Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten geehrt: Hartmut Voß (v.l.), Fritz Meyer, Nahide Sancar, Frauke Suhr, Eva-Maria Lütkemeyer, Marion Niedermeyer, Dirk Ewert, Sigrid Henze-Künnemann und Friedrun Gnest. (Foto: Walter Klinger)
 

Beim Neujahrsempfang stellvertretend für neun Lehrter/innen

LEHRTE (r/kl). Einen Sonderbeifall erhielt von den 350 Gästen des Lehrter Neujahrsempfangs ein krankheitsbedingt Abwesender: Hans-Dieter Giere, der das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen hat, war zur Teilnahme verhindert.
"Die Verdienste von Herrn Giere sind so zahlreich, dass sich hier eine auch nur exemplarische Aufzählung verbieten würde", hatte zuvor Bürgermeister Klaus Sidortschuk das Engagement des Immenser Fußballfunktionärs und Vereinsaktiven gewürdigt.
Auch dieses Mal wurden beim Neujahrsempfang Personen, Gruppen und auch Institutionen auszuzeichnen, die sich durch besonderes Engagement um den sozialen Frieden in Lehrte verdient gemachtoder die durch ihr Tun und Handeln ein herausragendes Beispiel an Zivilcourage gegeben haben, geehrt. In Anwesenheit auch der Vertreter/innen der Lehrter Religionsgemeinschaften (Pfarrer Roman Blasikiewicz, den Pastorinnen Gesa Steingräber-Broder und Sophie Anca, Pastor Pastor Andreas Anke und Imam Ramazan Yildirim, widmete Sidortschuk die diesjährige Ehrung Aktiven in der Flüchtlings- und Migrantenarbeit.
"Wie wir täglich erfahren, sind immer mehr Menschen auf der Flucht. Ein Ende dieser Situation ist leider nicht in Sicht – ganz im Gegenteil. Die Zahl der Flüchtlinge steigt rasant an.
Bis zum 22. Dezember 2014 betrug die Quote der von der Stadt Lehrte bis zum Ende des zweiten Quartals 2015 aufzunehmenden Flüchtlinge etwa 90 Personen. Die haben wir schon jetzt fast vollständig aufgenommen.
Seit dem 23. Dezember 2014 sieht unsere Quote vor, dass wir bis zum dritten Quartal des Jahres 198 Flüchtlinge aufnehmen. Das wird noch deutlich mehr Anstrengungen von uns verlangen als das bisher der Fall war.
Bisher haben wir den Menschen, die um unsere Hilfe und unseren Schutz nachsuchen, weil sie zu Hause gequält und verfolgt, verjagt oder gar mit dem Tod bedroht worden sind, weitgehend dezentral Wohnungen anbieten können. Das wird bei der neuen Quote wohl nicht mehr möglich sein. Darauf will ich an dieser Stelle aufmerksam machen dürfen.
Wir werden, um den Flüchtlingen zuerst einmal eine Unterkunft anbieten, um sie auffangen zu können, auch auf Module zurückgreifen müssen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits", informierte der Bürgermeister über die allgemeine Situation.
"Es gibt Menschen in unserer Stadt, die sich in ihrer Freizeit in einer Art und Weise und in einem Umfang um die Flüchtlinge kümmern, die unser aller Respekt, unseren Dank und unsere Anerkennung in besonderer Weise, ja auch Bewunderung verdienen", bat Sidortschuk zuallererst Hartmut Voß auf die Bühne.
"Es ist nicht damit getan, dass die Flüchtlinge ein Dach über den Kopf haben und das zum Leben Notwendige im Kühlschrank vorfinden. Vielmehr bedarf es, insbesondere in den ersten Wochen, einer intensiven Begleitung der Menschen. Und so bin ich den privat organisierten Initiativen, die die Ärmel hochkrempeln, die Menschen sprichwörtlich ,an die Hand neh-men' oder ihnen durch ehrenamtlich organisierte Sprachkurse den Zugang zur deutschen Sprache erleichtern, so sehr dankbar. Die Flüchtlinge sind dankbar für die ihnen entgegen gebrachte Herzlichkeit", dankte der Bürgermeister.
So kümmert sich seit 2012 Hartmut Voß ehrenamtlich um die Integration von Asylbewerber/innen in Lehrte und erleichtert diesen mit seinem Engagement das Zurechtfinden in der Stadt. Er verfügt über zahlreiche Kontakte sowohl zu örtlichen Institutionen und Vereinen als auch zu Behörden innerhalb und außerhalb Lehrtes, die er in zu einem Netzwerk zusammengefügt hat, das es nicht nur den Betroffenen selbst ermöglicht, sich innerhalb kürzester Zeit in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden, sondern das auch zu einer spürbaren Entlastung der städtischen Mitarbeiter/innen beiträgt.
Hartmut Voß leistet Hilfestellungen bei Behördengängen und in Antragsverfahren, übernimmt die Begleitung von Asylsuchenden bei Arztbesuchen, die Vermittlung von Sprachkursen, die Vermittlung von Wohnraum, die Hilfe bei Umzügen und Renovierungen und vieles mehr. Kurzum: Er ist „Mädchen für alles“. Insbesondere bei der Beschaffung und Vermittlung von Wohnraum sowohl für Asylbewerberinnen und Asylbewerber, als auch für die Menschen, die in städtischen Obdachlosenunterkünften untergebracht werden mussten, hat er große Erfolge erzielt. Rund 40 Wohnungen konnten bis heute durch ihn vermittelt werden.
"Es ist auch sein Verdienst, dass mehr als 100 Personen aus den städtischen Unterkünften aus- und in eigene Mietwohnungen einziehen konnten", so der Bürgermeister abschließend.
"Aber es gibt auch weitere viele andere Menschen und Institutionen in Lehrte, die sich aus unterschiedlichen Bereichen für die Flüchtlinge einsetzen und als Ideen- oder Ratgeber unterwegs sind. Der SV 06 Lehrte, der TUS Röddensen oder der DRK-Ortsverein Lehrte sind einige davon.
Es gibt aber auch rein privat organisierte Initiativen, die beispielsweise durch Sprachkurse die Menschen an die deutsche Sprache heranführen und dadurch Integration ermöglichen. Mir ist sogar zugetragen worden, dass die Kurse so viel Spaß machen, dass die Schülerinnen und Schüler quasi zur Pause gezwungen werden müssen", berichtete der Bürgermeister.
Für all dieses Engagement bedankte er sich beim Neujahrsempfang herzlich bei Fritz Meyer, Nahide Sancar, Dirk Ewert, Frauke Suhr, Eva-Maria Lütkemeyer, Marion Niedermeyer, Sigrid Henze-Künnemann und Friedrun Gnest.
"In unser aller Interesse wünsche ich Ihnen und uns möglichst viele Nachahmer. Ganz viele Lehrter/innen haben im Übrigen Eltern oder Großeltern, die als Flüchtlinge hierher gekommen sind. Oder sie selbst sind es noch gewesen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und hier Hilfe und Schutz gefunden haben. Lassen Sie uns das gemeinsam bitte an diejenigen weitergeben, die heute aus ihrer Heimat flüchten müssen".