Spatenstich für den Dorfladen

Jetzt geht es richtig los (von links): Der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette, der Vorsitzende des Dorfladen-Vereins Michael Clement und der Lehrter Bürgermeister Frank Prüße schaufeln zum symbolischen ersten Spatenstich schonmal ordentlich was weg. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Das wollten sich die Immenser nicht entgehen lassen: Trotz der Corona-Gefahr, aber mit gebührendem Abstand zueinander feierten sie den ersten Spatenstich für ihr gemeinsames Dorfprojekt. (Foto: Susanna Veenhuis)

Helfende Hände sind höchst willkommen

IMMENSEN (sv). Vorerst ist nur eine unebene, leere Fläche mit Sand, Steinen und Mauerresten zu sehen. Doch nach dreijähriger Vorbereitungszeit nimmt das Projekt Dorfladen in Immensen Gestalt an. Zum symbolischen ersten Spatenstich trafen sich jetzt der Vorsitzende Michael Clement, der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette und der Lehrter Bürgermeister Frank Prüße auf dem Grundstück in der Bauernstraße 25 – vielfältigen Absagen anderer Veranstaltungen wegen der Ausbreitung des Corona-Virus‘ zum Trotz.
Wo die Immenser über Jahrzehnte Geld eingezahlt oder vom Konto geholt haben, können sie demnächst welches ausgeben: Anstelle der kürzlich abgerissenen Filiale der Volksbank soll hinter dem Bauzaun im Lauf der folgenden Monate der Dorfladen entstehen. Planmäßig soll am 31. Oktober die Eröffnung gefeiert werden. Dann steht den Immensern und ihren Gästen sowie auch Durchreisenden auf 250 Quadratmetern ein umfassendes Warenangebot mit gut 2500 Artikeln des täglichen Bedarfs zur Auswahl. Ein kleines Café komplettiert das Projekt, das das soziale Miteinander im Dorf fördern soll.
307 von insgesamt 2400 Immenser Bürgern haben bislang Anteile an dem Projekt gezeichnet. Von den 106 000 eingezahlten Euro konnte die Ladeninitiative das Grundstück erwerben, wie Geschäftsführer Jürgen Mikulle berichtete. „Wir sind bewaffnet, ich habe noch Anteilsscheine dabei“, scherzte Clement und klopfte dabei auf seine Brusttasche. Mit Kaltgetränken, Bratwurst und Erbsensuppe feierten die Immenser im strahlenden Sonnenschein, aber bei empfindlicher Kälte den Auftakt der Bauarbeiten. „Wir warten täglich auf die Baugenehmigung“, sagte Clement. Michael Dette überbrachte die Glückwünsche der Region Hannover, die das Projekt mit einer Machbarkeitsstudie unterstützt und die Initiatoren zur Besichtigung ähnlicher Projekte eingeladen hatte. Zudem gab es Schulungen wie Verkaufstraining und zu Lebensmittelhygiene, erinnerte er. „Aus Sicht der Region ist es wichtig, dass gerade der kleinteilige Einzelhandel vor Ort gestützt und gefördert wird und damit der Zusammenhalt im Ort“, sagte Dette. „Dafür haben Sie in den letzten drei Jahren gewaltige Hürden überwunden“, bescheinigte er den Initiatoren. „ES ist noch viel zu tun, aber ich bin zuversichtlich, dass auch das Ihnen gelingen wird“, schloss der stellvertretende Regionspräsident.
In punkto Baugenehmigung fühlte Prüße sich angesprochen. Als ehemaliger Vorsitzender des Lehrter Sportvereins verwendete er eine sportliche Metapher: „Da liegt der Ball bei uns im Feld!“ Er überbrachte die Grüße von Rat und Verwaltung. „Wir holen uns ein Stück zurück von dem, was uns in den letzten Jahren Stück für Stück abhanden gekommen ist. Die Stadt steht hinter dem Projekt! Die Stadtwerke auch, von da her droht noch eine kleine Spende“, wusste Prüße und entschuldigte die Abwesenheit des Stadtwerke-Vertreters. Der Bürgermeister hatte es nicht weit, von seinem Haus bis zum neuen Dorfladen dürften es keine hundert Meter Luftlinie sein. „Dass das Wetter heute so gut ist, dürfte ein gutes Omen sein“, orakelte Prüße und fügte im Hinblick auf die Corona-Verbreitungsgefahr hinzu: „Die Welt ist verrückt geworden – das ist uns in Immensen egal. Wir machen heute den ersten Spatenstich!“
Neben dem Spatenstich als Anfangssignal für den Dorfladen begeistern die Initiatoren außerdem die Pläne der Kirchengemeinde. Sie hat das benachbarte Grundstück erworben, um dort ein neues Gemeindezentrum zu errichten. Die Ladenbetreiber hoffen auf Synergie-Effekte auf dem Gelände im Herzen des Dorfes.
Bau und Ausstattung sind mit 500 000 Euro knapp kalkuliert mit viel Eigenleistung. Der Verein hofft auf zahlreiche Freiwillige, die ihre Fähigkeiten als Maler, Klempner, Tischler, Gärtner und viele andere bei Ladenbau und Geländegestaltung einbringen. „Es werden Handwerker und Heimwerker gesucht“, sagte Franz Worm, ebenfalls Geschäftsführer. „Jeder, der mit anpacken will, ist willkommen!“ Interessenten können sich per E-Mail unter helfer@dorfladen-immensen.de melden oder über die Internetseite dorfladen-immensen.de.
Fabian und Diana Fischer machen schon bei dem Projekt mit. „Dann ist man nicht immer aufs Auto angewiesen“, sagte Diana Fischer. „Und man denkt ein bisschen an später, wenn man selber vielleicht nicht mehr so mobil ist“, ergänzte ihr Mann, der sich im Beirat des Dorfladenvereins engagiert.