Sommermärchen mit skurriler Rockshow ließ Stimmung bei „13. Rocknacht Lehrte“ explodieren

Die skurrile Show der „Leningrad Cowboys“ bei ihrer Reise durch die Rockgeschichte brachte die Stimmung im Publikum der „13. Lehrter Rocknacht“ zum brodeln. (Foto: Walter Klinger)

„Leningrad Cowboys“ lösten Begeisterung aus – Gelungene Musik-Dramaturgie mit drei Livebands

LEHRTE. Beide Formationen sind eigentlich Provinzburschen, aber eben welche mit Visionen in Sachen Rockevents und dem Mut zum Größeren. Kein Wunder, dass – noch bevor dies beim Publikum geschah – sofort der Funken übersprang zwischen den Organisatoren der „13. Lehrter Rocknacht“ vom Motorradverein (MV) Lehrte und den „Leningrad Cowboys“. Als diese am Samstag in eben dieser Zahl die Bühne des auch im Nieselregen BesucherInnen aus der ganzen Region ziehenden Festivals inmitten der Lehrter Kleingärten stürmten, schlug es wirklich „13“: Mit ihrer weltbekannten und verfilmten, skurrilen aber gekonnten Rockshow versetzten sie das Publikum in Begeisterungsstürme – und wurde im wirbelnden, scheinbar chaotischen, aber tatsächlich genialen Bewegungschaos deutlich, warum mit fast 13 Metern in diesem Jahr die größte Bühne aufgebaut war, die es jemals in Lehrte gab.
Das Image der stur selbstbewussten Provinzler mit märchenhaftem Folkloreeinschlag bis in die Haarteilspitzen ihrer überlangen Einhorn-Frisuren und ebensolchen Schnabelschuhe kultivieren die „Leningrad Cowboys“ optisch bis hin zum Schneeweißchen und Rosenrot-Image ihrer kongenial zu den Rockballaden agierenden GoGo-Girls.
Furchtlos wagen sich die Rock-Cowboys dabei an eine Reise durch die großen Balladen der Rockgeschichte, selbst der Kind of Rock'n'Roll ersteht im Lobster-Kostüm wieder auf. Schon bei „Fight for Your Right to Party“ ziemlich zu Beginn gab es kein Halten mehr und zum Schluss wurde selbst das alte Lied der russischen Nation – von Hunderten laut mitgesummt – zum super Partyhit. Manche sangen ihn noch kilometerweit beim Nachhauseweg.
Das MV-Festival also wieder mal ein Sommermärche, das Rockgeschichte nach Lehrte geholt hat. Der Festivalverantwortliche JoJo Sievers, bis zum Schluss in der Befürchtung, die Stimmung könne die Bühnenabsperrung hinwegfegen, sah sich in der Dramaturgie (erst aufweckender Rockabilly mit „Eddy & the Backfires“, dann bewegter, aber vor dem Showgewitter entspannender Bluesrock der „Thirsty Mamas“) bestätigt. Der Bühnenverantwortliche Sören Ehmke versprach, obwohl der Regen in diesem Jahr den MV bei den Besucherzahlen doch gebeutelt hatte: „Auch im nächsten Jahr lassen wir es wieder krachen!“.