„So etwas darf nie wieder passieren!“

Angeführt vom Deutschen Roten Kreuz gingen die Vertreter der Stadt Lehrte, des Schützen-Corps', der Feuerwehr, des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge, der Marinekameradschaft und des SPD-Ortsvereins aus der Matthäuskirche zum Ehrenmal, um dort ihre Kränze abzulegen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Gottesdienst zum Volkstrauertag in der Matthäuskirche und Gedenkfeier

LEHRTE (sv). Zum 68. Mal nach Ende des zweiten Weltkriegs und der bundesweiten Einigung auf den Sonntag zwei Wochen vor dem ersten Advent begingen Kirchengemeinden, Vereine und Verbände allerorten den Volkstrauertag. Dieser Tag gilt dem Gedenken der Toten der beiden Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus. Noch immer sterben Menschen durch Krieg und Terrorismus, erleiden Ungerechtigkeit und Not, werden vertrieben, müssen alles Geliebte und Vertraute zurücklassen und fliehen. Ihnen allen galten die Gedanken und Fürbitten der Pastoren und Besucher im ökumenischen Gottesdienst zum Volkstrauertag in der Matthäuskirche am Markt. „Wir müssen alle antreten vor dem Richterstuhl Christi und uns fragen lassen: Wofür bist du eingestanden? Frieden oder Krieg, Leben oder Tod“, sprach Pastorin Beate Gärtner zur Begrüßung.
„Und wir wissen ja: Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg“, sagte Werner Mellentin in seiner Predigt. Zunächst müsse der Mensch selber seinen inneren Frieden finden, bevor er selber Frieden stiften könne, predigte der Diakon von der katholischen St. Bernward-Gemeinde. Er habe hier in Lehrte so manche Friedensbewegung erlebt – beispielsweise den Empfang der Geflüchteten am Lehrter Bahnhof. „Aber das 'himmlische' Lehrte darf sich nicht einigeln, nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, es muss weiter vorangehen“, mahnte Mellentin. Liebe, Gerechtigkeit und Frieden seien die Synonyme für das Gottesreich, schloss Mellentin seine ergreifende Predigt.
Gastredner Frank Prüße sprach direkt die „Mitmenschen aus dem himmlischen Lehrte“ an, auch jede Lehrter Familie habe Mitglieder an den Krieg verloren. Den Juristen und Vorsitzenden des Lehrter Sportvereins rührte es sichtlich noch immer an, als er vom Tod seiner dreijährigen Kusine Jutta berichtete, die bei einem Bombenangriff 1944 im Keller des direkt neben der Jahnturnhalle gelegenen Hauses seiner Großeltern ums Leben kam. Er selber, 20 Jahre später geboren, konnte seine Kusine nie kennenlernen. „100 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs sehen wir zurück: Millionen Tote und unendliches Leid haben die Dämonen des Krieges über uns gebracht. So etwas darf nie wieder passieren!“
„Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt“, sagte Bürgermeister Klaus Sidortschuk bei der anschließenden Feierstunde mit Kranzniederlegung am Ehrenmal, das direkt neben der Matthäuskirche liegt. Und direkt neben der Lehrter Moschee. Achim Rüter, Vorsitzender des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes, begrüßte die ökumenische Feier und regte an, diese religionsübergreifend zu gestalten und auch Andersgläubige in die Gedenkfeiern einzubeziehen.