So eng war es für die Lehrter SPD seit Jahrzehnten nicht …

Happy End nach zwei Stunden Zitterpartie: Erst kurz nach 20.00 Uhr konnte vor jubelnden Anhängern der künftige Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk seiner Ehefrau Gabriele den erlösenden Kuss geben. (Foto: Walter Klinger)

Nur 61 Stimmen Vorsprung sichern Klaus Sidortschuk das Bürgermeisteramt

LEHRTE (kl). Die schon herbstlich dekorierte festlichen Atmosphäre des Ratskellersaals der Tanzschule Jegella im Lehrter Rathaus bildete am Sonntag die passende Kulisse für einen Wahlabend, der spannender war als jeder Dinnerkrimi - und bei dem durch fast neun (!) Stunden voller Zitterpartien bei den vier anstehenden Kommunalwahlgängen glücklicherweise das Jegella-Serviceteam für stets ausreichend Nervennahrung sorgte – denn so eng (und spät!) war es noch nie in Lehrte, zumindest bei einer Bürgermeisterwahl …
Vor noch 200 BesucherInnen der Präsentation der Wahlgrafiken und Ergebnisse lobte die scheidende Bürgermeisterin Jutta Voß die absolute Fairness, welche die drei Kandidaten für ihre Nachfolge und die Lehrter Parteien im Wahlkampf bewiesen haben. Schon die ersten Ergebnisse aus den Wahllokalen deuteten schon auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Klaus Sidortschuk (SPD) und Björn Rust (CDU). Ronald Schütz von den Grünen (und deren Regionsgeschäftsführer) freute sich bereits über seine achtbaren 22,1 Prozent und noch mehr über die aus der Stadt und dem Umland eingehenden Grünen-Ergebnisse in ähnlicher Höhe auch für die Regionswahl – da mussten (äußerlich aber sehr beherrscht) seine Mitkandidaten noch zittern.
Unter anderem, weil sich – bei dem recht komplizierten Wahlsystem nicht zu ersetzen – zwölf WahlhelferInnen kurzfristig abgemeldet hatten – und weil angesichts des hohen Briefwahlanteils zusätzlich auf dessen Auswertung gewartet werden musste, erforderte bereits die als erstes ausgezählte Bürgermeisterwahl statt der prognistizierten 30 Minuten zwei Stunden. Erst kurz nach 20.00 Uhr machte das letzte Briefwahlergebnis klar, dass sich letztlich dann nur 61 (!) Stimmen betragende Vorsprung für Klaus Sidortschuk (7.382 Stimmen) nicht mehr würde aufholen lassen. Björn Rust (7.321 Stimmen) entrollte dennoch ein „Danke“-T-Shirt: So hatte (mit Unterstützung der Grünen) noch nie ein Christ- die Sozialdemokraten in Bedrängnis gebracht. Wobei 333 ungültige Stimmen auch bedeuten können, dass eventuell überforderte WählerInnen diese Wahl entschieden haben …
Dann holte bei den Regions-, Stadtrats- und Ortsratswahlen auch noch der Bundestrend mit deutlichen Verlusten die SPD und CDU sowie die nun auf einen Sitz reduzierte FDP ein. Blieben die in der Bürgermeisterwahl unterlegenen Grüne als lachender Dritter mit auf sieben Mandaten mehr als verdoppeltem Wahlerfolg. Künftige Kandidaten anderer Parteien kommen nicht mehr darum herum, sich mit ihnen ins Einvernehmen zu setzen.
Die letzten KandidatInnen mussten vor 20 mitfiebernden Parteiaktiven noch bis 02.16 Uhr zittern – dann erst war die Kommunalwahl beendet und konnten die bereits herunter gebrannten Kerzenleuchter im Ratskellersaal und auch die Lichter in der Wahlzentrale im Regionshaus Hannover gelöscht werden …