„Sie haben hier echt ein Problem“

Jenny Ludwig (Dritte von links) und Nicki Nowotny (Vierte von links) von der Initiative Weidetierhaltung Immensen sprechen mit Oliver Brandt, Bernward Schlossarek und Falk Kothe von der CDU über das große Wolfsrudel im Burgdorfer Holz (von links). (Foto: Wiebke Molsen)

Wölfe unterwegs, Schlossarek und Brandt vor Ort

Immensen (wim). Wölfe sind faszinierende Tiere, darin sind sich die fast 100 Mitglieder der Initiative Weidetierhaltung Immensen (IWI) und die Politiker von SPD, FDP und CDU, die sich in den vergangenen Wochen vor Ort informiert haben, einig. Sie vertilgen aber auch jeden Tag mehrere Kilogramm Fleisch. „Wölfe sind keine Veganer“, verdeutlichte der CDU-Regionsabgeordnete Oliver Brandt, der gemeinsam mit Bernward Schlossarek, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion der Einladung der Weidetierhalter folgte und sich mit ihnen über die Situation in den Wäldern und Wiesen rund um Immensen austauschte. „Alle Risse erfolgten etwa 500 bis 700 Meter entfernt vom Dorf“, erläuterte Nicki Nowotny von der IWI. Sie schätzt, dass das Rudel mittlerweile auf 20 Tiere angewachsen ist.
„Immensen ist das Zentrum“, bestätigte Oliver Brandt. Mit drei bestätigten Rissen der gleichen Tierart innerhalb von zwölf Monaten seien die Voraussetzungen für die Förderung von Schutzzäunen gegeben. Im Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet sei jedoch umstritten, ob die Zäune auch aufgestellt werden dürfen. Denn solche Zäune schränken auch den natürlichen Lebensraum der anderen Wildtiere ein. „Wer die Wölfe haben will, muss auch die Weidetiere schützen“, sagte Bernward Schlossarek.
Die weitere Entwicklung sei eine rein mathematische Frage. „Je mehr Wölfe da sind, desto mehr Risse wird es geben“, rechnet er vor. Da Rehe und Hirsche schon dezimiert seien, griffen die Raubtiere auf die Weidetiere zurück, um sich und ihre acht Welpen satt zu bekommen. Die derzeit etwa vier bis fünf Monate alten Nachkommen bleiben zwei Jahre bei ihren Eltern, bevor sie eigene Wege gehen. Bis dahin könnten aber schon die nächsten Würfe das Rudel vergrößern, befürchten die Weidetierhalter. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf in Immensen an der Dorfkirche gesehen wird“, prophezeit Bernward Schlossarek. Er befürchtet, dass die Wölfe sich noch näher an die Dörfer heranwagen werden, wenn die Weidetiere im Winter im Stall sind.
Langfristig sei diese Entwicklung der Abschied der Wild- und der Weidetiere und mache eine artgerechte Tierhaltung unmöglich. Neben den emotionalen Erschütterungen der Weidetierhalter, wenn sie ihre toten oder verletzten Tiere auf der Weide vorfinden, gehe es hierbei auch um wirtschaftliche Existenzen. Weiden könnten nicht mehr verpachtet werden, Jäger würden kein Wild mehr sehen, Einsteller mit ihren Pferden in wolfsärmere Gebiete ziehen und am Ende werde die Tierhaltung ganz aufgegeben. „Gerade in den Hotspots müssen die Wölfe bejagt werden“, sagte Oliver Brandt deshalb. Grundsätzlich fordert er Umweltminister Olaf Lies auf, sich dem Problem zu stellen: „Wir möchten, dass er hierherkommt und mit den Betroffenen spricht.“
Selbst will er sich in der Regionsversammlung und in der Kommunalpolitik für die Weidetierhalter einsetzen und zum Beispiel für Warnschilder an den Waldrändern sorgen. „Die Menschen vor Ort müssen mitgenommen werden“, stimmt Immensens Ortsbürgermeister Falk Kothe zu. Er beobachtet schon länger, wie sicher der Wolf sich in der Nähe der Ortschaften bewegt. Dass nun auch Pferde und Rinder gerissen werden, sei jedoch eine neue Dimension. Er appelliert an Spaziergänger, ihre Hunde an die Leine zu nehmen. „Hunde und Wölfe werden keine Freunde, sie sind Konkurrenten“, erklärte Oliver Brandt.
Natürliche Feinde hat der Wolf dagegen keine – außer den Straßenverkehr. „Im Jagdjahr vom 1. April 2018 bis 31. März 2019 wurden im Altkreis Burgdorf sieben Wölfe überfahren“, berichtete Oliver Brandt. Die bisherige Politik halten die beiden Regionspolitiker für falsch. „Zukünftig muss man den Bestand an Wölfen in den deutschen Wäldern regulieren, genau wie andere Wildtiere auch“, sagte Bernward Schlossarek. Denn: „Sie haben hier echt ein Problem.“