Schweigeminute setzt starkes Signal gegen rechte Gewalt

Allein vor dem Lehrter Rathaus gedachten am Donnerstag mehr als 150 TeilnehmerInnen der bundesweiten Schweigeminute den bislang über 150 Todesopfern rechtsextremer Gewalt. Auch an anderen Stellen ruhte das öffentliche Leben, um ein starkes Zeichen gegen Rechtsterrorismus zu setzen. (Foto: Walter Klinger)

Nold: "Es gilt schon früh Widerstand zu leisten"

LEHRTE/SEHNDE (kl). Wie in der gesamten Bundesrepublik, standen am Donnerstag auch in Lehrte und Sehnde weite Teile des öffentlichen und gewerblichen Lebens still, um bei einer Schweigeminute - zeitgleich mit dem zentralen Staatsakt der Verfassungsorgane des Bundes - der Opfer rechtsextremistischer Gewalt zu gedenken.
Vor mehr als 150 TeilnehmerInnen allein vor dem Lehrter Rathaus, darunter Bürgermeister Klaus Sidortschuk, Ratsmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter, Betriebsräte und Verteter sozialer und kirchlicher Organisationen, erklärte für die Initiatoren - Gewerkschaften (DGB) und Arbeitgeberverbände (BDA) - der Lehrter DGB-Ortskartellvorsitzende Reinhard Nold: "Es gilt, Flagge zu zeigen gegen den Nazi-Terror. Mit unserer Schweigeminute wollen wir ein starkes Signal setzen".
Auch vor dem Sehnder Rathaus fand eine solche für die Beamten und Angestellten freiwillige Schweigeminute für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt statt. Diese war jedoch nicht öffentlich angekündigt worden, weil die Verwaltungsspitze ungebetene Besucher in den leeren Amtszimmern befürchtete.
"Die bislang ingesamt über 150 Todesopfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt in Deutschland mahnen uns, das freiheitliche und vielfältige Zusammenleben stärker als bislang zu verteidigen", mahnte Gewerkschaftschef Nold: "Widerstand muss viel früher beginnen - nämlich in der politischen Auseinandersetzung, Widerstand muss aufklären, Widerstand muss deutlich Zeichen setzen, Widerstand ist Teil der wehrhaften Demokratie".
Wofür "Freie Kameradschaften" oder Kinheads stehen, wie die NPD einzuschätzen ist oder was die "autonomen Nationalisten" sind, wisse mittlerweile jeder in diesem Land. Wer diese Gruppierungen beklatsche oder unterstütze, "der weiß, was er tut".
Viel gefährlicher werde es jedoch, wenn auf den ersten Blick nicht zu erkennen sei, wofür bestimmte Gruppierungen stehen - "wenn also fremdenfeindliche Einstellungen und Rassismus in neuem Gewand erscheinen oder sich hinter einer Fassade verstecken", warnte Nold zur Wachsamkeit.