„Schreibt Eure Fantasiegeschichten auf!“

Die Kinderbuchautorin Usch Luhn – hier mit Plüsh-Fuchs „Valentino“ auf dem Arm, gab nicht nur Leseproben, sondern beantwortete auch die vielen Fragen ihrer jungen Zuhörer aus den dritten und vierten Klassen.  (Foto: Susanna Veenhuis)

Usch Nuhn liest für Grundschüler in der Stadtbücherei

LEHRTE (sv). „Ich liebe Büchereien, ich könnte darin wohnen!“ Mit ihrer Begeisterung für Bücher und fürs Lesen steckt Usch Luhn die Drittklässler von der Grundschule An der Masch gleich an – jedenfalls die meisten. Der Funke springt schon zu Beginn über, als sie sich vorstellt und erzählt, was sie so macht: Bücher schreiben. „Warum bin ich denn nicht Feuerwehrfrau oder Pilotin geworden, oder Büchereileiterin wie die Frau Klug? Weil mir das Geschichten ausdenken und aufschreiben so viel Spaß macht“, beantwortet die Autorin ihre eigene Frage.
Und wie sie das macht, ist für die Kinder besonders spannend zu hören: Sie schlägt aus ihren Kindheitserfahrungen Kapital. Dabei schreibt sie nicht das auf, was sie erlebt hat. Vielmehr lässt sie ihre Fantasie arbeiten, mit der sie schon als Kind reichlich gesegnet war.
Weil beide Eltern in einer großen Stadt arbeiteten, wuchs die Österreicherin bei ihren Großeltern auf dem Land auf. Dort stromerte sie durch Feld und Wald und langweilte sich oft auch ein bisschen. Und an einem Fluss im Wald malte sie sich ein spannendes Szenario aus: Was wäre, wenn jetzt hier ein Piratenkapitän mit seinem Schiff vorbeikäme und sie fragte, ob ich nicht Lust hätte, auf eine abenteuerliche Fahrt mitzukommen?
Wenn sie damals ihre erfundenen Geschichten zum Besten gab, nahm ihr das nicht nur ihr Opa ab. Beispielsweise hatte sie behauptet, einen Einbrecher nur mit einer Unterhose bekleidet auf dem Marktplatz im Dorf gesehen zu haben. Ihr Auditorium in der Stadtbibliothek ist etwa in demselben Alter wie sie, als sie sich diese Begebenheit ausdachte, und lacht herzhaft.
Welch ernste Konsequenzen das fröhliche Flunkern haben kann, erfuhr die kleine Usch, als sie zu Hause von einer Begegnung mit einem Wolf im Wald erzählte. Der sei ganz freundlich gewesen, habe sich streicheln lassen und sogar Stöckchen geholt, wie ein Hund. Ihr besorgter Großvater alarmierte den zuständigen Förster und Jäger und informierte auch die Lehrerin über die Wolfsbegegnung. Die erkannte aber die Flunkerei. Sie ermahnte ihre Schülerin nicht nur, sondern schenkte ihr auch ein schönes Buch – mit leeren Seiten. „Da kannst Du alles aufschreiben, damit Du nicht mehr lügen musst“, habe die Lehrerin gesagt. „Uschis Schwindelbuch“ stand in Schönschrift auf dem Titel.
Vor diesem Hintergrund erhielten die Drittklässler eine spannende Leseprobe aus dem Buch „Waschbär in Wohnungsnot“, in dem ein mysteriöses Wesen den ganzen Wald durcheinander bringt. Anschließend kamen die Viertklässler in den Genuss des Bands „Die Chaos-Klasse“. „Wie alt bist Du, hast Du Kinder, wo wohnst Du, wie lange dauert ein Buch?“ Die Autorin beantwortete geduldig jede Frage der Kinder. Die staunten, als sie sagte, sie habe schon hundert Bücher verfasst. „Aber ihr könnt auch Geschichten aufschreiben und solche Schwindelbücher anlegen, man braucht dazu nur Fantasie“, ermunterte sie ihre jungen Zuhörer.