Santa fährt im schwarzen Cadillac vor

Weihnachtsmütze auf: Der Weihnachtsblues hatte bei dem Blues Special mit der Matchbox Bluesband im Anderen Kino keine Chance, kam aber musikalisch gut zum Zuge. (Foto: Susanna Veenhuis)

Matchbox Bluesband feiert mit vielen Besuchern im Anderen Kino

LEHRTE (sv). Weihnachtsstimmung und gute Laune müssen nach dem Fest der Feste nicht abrupt abreißen. Die Matchbox Bluesband hatte bei ihrem Weihnachtskonzert im Anderen Kino so einiges auf Lager, was dem Publikum gut über die Zeit zwischen den Jahren half. Allein schon die ganz besondere, spiralenförmige Weihnachtsmütze von Schlagzeuger Thomas Frömming, die bei jeder Bewegung ihres Trägers fröhlich im Takt auf und nieder wippte, ließ dem Weihnachtsblues keine Chance.
Der war zwar genau das Thema von Sänger und Harpsieler Klaus Kilian, Drummer Frömming, Wolfgang Lieberwirth am Kontrabass und Bernd Simon an der Gitarre. Die vier Frankfurter hielten sich meist aber lieber an die fröhlichen, witzigen oder selbstironischen Stücke aus den Richtungen Rhythm'n'Blues oder Blues & Boogie mit Beimischungen von Soul, Jazz und Funk. „Schön, dass ihr zu diesem postweihnachtlichen Konzert gekommen seid“, begrüßte Klaus Kilian das Publikum, auf das gleich schon beim ersten Titel der Funke übersprang. Wie die Besucher dann musikalisch erfuhren, fährt Santa Claus laut Elvis Presley im schwarzen Cadillac vor oder aber er rockt die ganze Stadt, obwohl er nix im Sack hat, wie Mabel Scott 1948 in Los Angeles mit „Boogie Woogie Santa Claus“ auf Platte sang. Weihnachten kann auch nach hinten los gehen und fast im Knast enden: Dass er in den Kommodenschubladen seiner Freundin wirklich nur nach dem Weihnachtsgeschenk suchte, erzählt Sonny Boy Williamson II in seinem Song von 1960 über ein großes Missverständnis, durch das er schließlich vor dem Richter landet.
Auch stimmlich kann sich die Streichholzschachtel-Combo hören lassen. Eins ihrer Prunkstücke ist der Song „Send Me Sandy“ von der ebenso erfolg- wie einfallslosen A-cappella-Truppe The Voices aus den 1950er-Jahren, in dem Santa Claus doch bitte das Herzensmädel zurückbringen möge, wie Klaus Kilian beschrieb. Der geniale Mundharmonika-Spieler griff zwischendurch zur Slide-Gitarre und unterstrich auch damit das hohe Niveau der mit über 35 Jahren wohl ältesten Bluesband Deutschlands,
„Eigentlich ist das nicht meine Musik, aber die Musiker sind klasse, und ich mag den Groove“, sagte Besucher Tobias Kunze aus Hannover. Die Arpkerin Andrea Buchholz fühlte sich an die Blueskeller ihres New York-Trips erinnert. Die Band zeigte sich begeistert von ihrem fachkundigen Publikum. Kilian und Gitarrist Simon hatten nach ihrem ersten Besuch als Duo „Downhome Percolators“ wohl einen guten Eindruck hinterlassen und konnten ein Wiedersehen mit den Lehrter Bluesfans feiern.
Dieses zweite Blues Special, veranstaltet vom Verein Blues in Lehrte neben dem alljährlichen Bluesfestival, ist nicht das letzte der Wintersaison. Am Sonnabend, 9. Februar, gastiert der Berliner Sänger und Gitarrist Florian Lohoff mit seiner Band im Anderen Kino.