Reine Luft im Klassenzimmer?

SPD will technische Ausstattung beschaffen, Bürgermeister gibt Auskunft

Lehrte (r/gg). Mit einem Dringlichkeitsantrag hat die SPD-Fraktion in der jüngsten Ratssitzung die Ausstattung aller Lehrter Schulen und Kitas mit mobilen Raumluftreinigern gefordert. „Damit ein Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung gesetzt wird, ist eine Zweidrittelmehrheit der Ratsmitglieder notwendig“, erklärt Reent Stade, stellvertretender Vorsitzender der SPD Lehrte-Kernstadt. Unverständlich sei aus Sicht der SPD, dass die CDU-Fraktion zusammen mit Bürgermeister Frank Prüße den SPD-Antrag mit ihrer Ablehnung verhindert habe. Mobile Raumluftreiniger seien eine sehr sinnvolle technische Lösung, um in Schulen oder Kitas die Infektionsgefahr aus Aerosolen, möglicherweise mit Viren belastet, zu verringern. Die SPD-Fraktion schätzt die Kosten auf etwa 750 Tausend Euro für alle Lehrter Schulen und Kitas. Damit die mobilen Einheiten noch während der Wintermonate ihren Nutzen entfalten können, wollen die Sozialdemokraten ihren Antrag erneut in den Rat einbringen und auf einen schnellen Entscheidungsprozess drängen.
Auf Marktspiegel-Nachfrage gibt Bürgermeister Frank Prüße Auskunf zum Sachverhalt: „Die Stadtverwaltung hat bereits vor Wochen den Einsatz mobiler Luftreiniger geprüft. Das Ergebnis war eindeutig: Luftreiniger können regelmäßiges Lüften nicht ersetzen sondern maximal unterstützend eingesetzt werden. Diese Auffassung vertreten übrigens auch die Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt, der Niedersächsische Städtetag sowie der Niedersächsische Kultusminister. Ganz maßgeblich ist weiterhin die Einhaltung der AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene/Händewaschen, Alltagsmasken, Lüften). Die beantragte lückenlose Ausstattung aller Kita- und Schulräume wäre ein sehr teurer Schnellschuss und könnte dazu führen, eine falsche Sicherheit vorzuspielen. Bei den von der Antragstellerin genannten Kosten ist zudem keine Betrachtung der Folgekosten - etwa für Wartung, Stromverbrauch und Filterwechsel - erfolgt. Auf Grund des notwendigen Vergabeverfahrens wäre zudem ein kurzfristiger Erwerb nicht zu realisieren. Der Einsatz solcher Luftreiniger kommt nach meiner Auffassung deshalb allenfalls in Räumlichkeiten in Betracht, die nicht optimal zu lüften sind. Aktuell werden genau diese Räume von der Verwaltung erfasst, mit dem Ziel, bei Bedarf kurzfristig tätig zu werden.“