Regional und saisonal einkaufen

„Es ist wichtig, auf die Leute zuzugehen. Wir wollen niemanden kritisieren, sondern nur sachlich informieren“, sagte Cäcilia Dröse, hier im Gespräch mit einer Kundin vor dem Supermarkt. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
In einer gemeinsamen Info-Aktion machten die Sehnder Landwirte auf die Folgen des geplanten Agrarpakets für ihre Arbeit und die Bedingungen für Verbraucher aufmerksam. (Foto: Susanna Veenhuis)

Sehnder Landwirte klären Verbraucher über die Folgen der Agrarreform auf

SEHNDE (sv). „Respektiere die Arbeit der Landwirte!“ Dieses Motto umrahmt eine Hand, die eine Möhre emporhält.
Das Logo prangt auf einem Infozettel, mit dem die Sehnder Landwirte am Montag auf ihre Arbeit aufmerksam machten und gleichzeitig Darstellungen, die ihrer Meinung nach ein verzerrtes Bild der Landwirtschaft zeigen, berichtigen wollten. Dazu hatten sie einen Ort gewählt, den fast jeder Mensch aufsuchen muss, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen: einen Supermarkt.
Ein moderner Deutz-Ackerschlepper und ein Hanomag-Oldtimer-Trecker flankierten den Eingang zum Rewe-Markt in Sehnde. Deren Besitzer hatten sich mit Schautafeln und Informationsmaterial vor den Glastüren postiert und suchten den Kontakt zu den Kundinnen. Um Nitratbelastung des Grundwassers, Düngerverordnung, Agrarsubventionen und das Mercosur-Abkommen geht es auf den Infozetteln an den Schautafeln.
Nach Ansicht der Landwirte richtet sich das geplante Agrarpaket der Bundesregierung gegen die Interessen der Landwirte in Deutschland und auch gegen die der Verbraucher. Es sei mit großen Einschränkungen, Kostensteigerungen und Ertragsminderungen verbunden und fördere statt der eimischen Produkte den OImport von Labansmitteln aus anderen Ländern, in denen ganz andere Vorschriften in Bezug auf Tier-, Pflanzen- und Umweltschutz gelten.
„Wir sind keine Brunnenvergifter“, heißt es etwa in einer Erklärung zum Nitratgehalt im Brunnenwasser. „Neun Messbrunnen liegen in unserem 42 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet zwischen Anderten und Salzgitter“, erläuterte Julian Rathmann, Landwirt aus Ilten. Ein einzelner Brunnen im Stadtzentrum weise einen sehr hohen Messwert auf, ein anderer auf seinem eigenen Ackerland nur einen sehr geringen im einstelligen Bereich.
Alle anderen Länder innerhalb der EU würden allgemeine Durchschnittswerte an die Zuständige EU-Behörde schicken. „In Deutschland werden nur die auffälligen Messwerte gemeldet mit der Begründung, dann können wir als erstes etwas dagegen tun“, sagte Rathmann. Dadurch würden außerdem Strafzahlungen fällig.
Ein anderes Problem sei die Reduzierung der Stickstoffdüngung, was Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum und die Humusbildung im Boden habe, erklärte Alfred Dröse aus Dolgen. „Wir wollen darüber informieren, was wir tun und dass auch Verbraucher durch ihr Einkaufsverhalten Veränderungen bewirken können.“
Es gehe nicht darum, hier mit schiefen Blicken den Inhalt von Einkaufswagen zu taxieren und zu kritisieren. „Wir wollen nur die Zusammenhänge bewusster machen. So fallen zum Beispiel beim Einkauf regionaler und saisonaler Produkte lange Transportwege und die entsprechende Lärmbelastung und Umweltverschmutzung weg.“
Auch Dröses Tochter Cäcilia suchte das Gespräch mit den Kundinnen des Supermarkts. „Es ist wichtig, auf die Leute zuzugehen, die meisten sind sehr zurückhaltend. Wir wollen niemanden kritisieren, sondern nur sachlich informieren“, sagte sie.
In der bundesweiten Bewegung „Land schafft Verbindung“, Ende letzten Jahres über soziale Medien im Internet entstanden, wollen Landwirte ihre Anliegen als Produzenten wertvoller Nahrungsmittel vermitteln und wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge deutlich machen. „Wir können nicht nur mit dem Trecker rumfahren“, scherzte Alfred Dröse aus Dolgen. „Ohne uns gibt es kein Essen“, erklärte er.