Ratsmehrheit stimmt für OBI und C & A in Lehrte

Spannende, bei den großen Ratsfraktionen nicht geschlossen erfolgende Abstimmungen im Rat: Vor vollem Zuschauerraum blieben zu OBI bei der SPD Hände zur Enthaltung unten, die Grünen, die Ratsfrau der Linken und ein CDU-Ratsherr stimmten dagegen. (Foto: Walter Klinger)
 
In Wahlzeiten kann durchaus schon die Krawatte ein politisches Signal sein. Auf Nachfragen unseres Redakteurs zu dieser (der definitiv schönsten) erklärte CDU-Fraktionsvize Björn Rust (3.v.l.) seine Bereitschaft zur Kandidatur für das Bürgermeisteramt. (Foto: Walter Klinger)

Aber auch Kritiker – CDU hat ersten Bürgermeister-Bewerber

LEHRTE (kl). Die politische Meinung zur Ansiedlung eines OBI-Baumarktes (auf der „C“-Fläche) des Geländes der ehemaligen Zuckerfabrik bleibt gespalten. Zwar gab am Mittwoch eine Zweidrittelmehrheit des Rates grünes Licht für beide Vorhaben, weil diese ein Gewinn für ein leistungsfähiges Angebotsspektrum und die Kaufkraftbindung in Lehrte seien. Doch ließen sich auch zehn Ratsmitglieder von SPD, Grünen, der Linken und einer sogar aus der CDU in ihrer Kritik vor allem der Wettbewerbsverzerrung nicht verbiegen, stimmten dagegen oder enthielten sich. Ebenfalls nicht geschlossen, aber wieder mit ähnlich großer Mehrheit, stimmte der Rat für die Bebauung der restlichen „A“-Fläche mit der Ansiedlung des Modeanbieters C & A – und einen 175.000 Euro-Bauzuschuss, damit sich diese Fassade verklinkert harmonisch in das Stadtbild einfügt.
SPD-Bürgermeisterkandidat Klaus Sidortschuk, leidenschaftlicher Gegner der zusätzlichen Baumarkt-Ansiedlung, aber bereit, die Mehrheitsentscheidung mitzutragen, enthielt sich der Stimme. Ebenso der 1. stellvertrende Bürgermeister Burkhard Hoppe, der wie Sidortschuk den Verzicht auf einen Kreiselbau im Zufahrtsbereich beklagte. Gleichfalls war für ihren Fraktionskollegen Hermann Buchholz der Wegfall der versprochenen Stichstraße zum Pfingstanger der Grund zur Enthaltung. Auch Heiko Danielzik und Hans-Jürgen Licht enthielten sich bei der SPD.
Deren Fraktionsvorsitzender Hans Ahrens betonte, Lehrte freue sich auf den Marktführer auf der C-Fläche, Innenstadtsortimente seien nicht gefährdet. Das sehen die drei Ratsmitglieder der Grünen anders. Für die Innenstadt-Kaufleute blieben nur die Krümel, OBI bekomme den Kuchen, so Fraktionsvorsitzender Ronald Schütz. Sonst völlig einig mit seinem Kollegen von der SPD, verwies CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Deneke-Jöhrens darauf, dass OBI bei einer Ablehnung nach Burgdorf gegangen wäre. Und machte noch einen anderen Sachzwang aus der Vergangenheit deutlich: Wäre der Pfingstanger nicht abgehängt worden, hätten die dies fordernden Anlieger der Manskestraße die ganze Planung für das Einkaufszentrum Zuckerfabrik zu Fall bringen können – eines von mehreren ehrlichen Bekenntnissen, die es bei dieser Ratssitzung, trotz erster Anzeichen von drastischen Formulierungen in Zeiten des Wahlkampfes, reichlich gab.
Nicht um eine klare Antwort herum druckste sich am Ende der Sitzung auch der stellvertretende CDU-Frakionschef Björn Rust. Mit der definitiv schönsten Krawatte im Saal, so lasse eine Ehefrau doch nur einen Bürgermeisterkandidaten aus dem Haus, hatte unser Redakteur dieses Bekenntnis ein wenig provoziert: „Ich würde mich einem Votum der Mitglieder nicht verschließen.“
Mit Rust, beruflich der Wassermeister der Stadt, haben nun auch die Christdemokraten, die ihre/n Kandidat/in voraussichtlich Mitte April küren, den ersten Bewerber fürs Bürgermeisteramt. Nach der zuletzt erlittenen Pleite mit einem „Zugereisten“ dürfte allein dies schon mal eine gute Nachricht für ihre Parteimitglieder sein.
Für unsere Redaktion wird es nun Zeit, in den nächsten Ausgaben noch einmal die jetzt erneut deutlich gewordenen Grundpositionen der Lehrter Parteien und das politische Klima im Rat etwas näher zu betrachten und dabei auch zu beleuchten, warum es – gleich von welcher Partei und in welcher Stadt – immer eine sehr mutige persönliche Entscheidung ist, sich um ein Bürgermeisteramt zu bewerben. Erste Gelegenheit dazu bietet der in der Mittwochsausgabe anstehende Vierteljahreskommentar der Lehrter Redaktion.