Protest gegen Restriktionen wird sichtbar

Rund 40 Landwirte demonstrieren gegen politische und gesellschaftliche Fehlentwicklung. (Foto: Wiebke Molsen)
 
Das Mahnfeuer wurde als weithin sichtbares Zeichen entzündet. (Foto: Wiebke Molsen)

Landwirte entzünden Mahnfeuer an der B65

SEHNDE (wim) Treckerdemos nach Hannover und Berlin, Grüne Kreuze auf den Feldern und nun ein Mahnfeuer – die Landwirte aus Sehnde und Lehrte planen seit Monaten eine Aktion nach der Anderen. Der Grund: „Wir wollen gesehen werden und auf Augenhöhe mit den Politikern reden“, sagt Fabian Lehrke, Organisator des Mahnfeuers. Am Montag, pünktlich zum Feierabendverkehr, entzündeten rund 40 Landwirte das Feuer an der B65 bei Köthenwald. Sie verstehen ihre Aktionen als Unterstützung ihrer Vertreter beim Bauernverband, die an diesem Tag mit anderen Verbänden und Nichtregierungsorganisationen beim Agrargipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das zukünftige Agrarpaket sprechen. „Wir wollen den Forderungen des Bauernverbandes und der Bewegung Land schafft Verbindung vor Ort Nachdruck verleihen“, bestätigt Axel Friehe aus Rethmar.
Probleme bereitet den Landwirten aktuell vor allem die Verschärfung der Düngeverordnung. Haben sie sich erst vor zwei Jahren mit neuen Vorschriften auseinandergesetzt und düngen seitdem anders, müssen sie nun weitere Einschnitte beim Pflanzenschutz und bei der Düngung befürchten. „Dann ernten wir aber auch weniger!“, macht Axel Friehe deutlich. Zudem verarme der Boden, denn was mit der Ernte genommen werde, müsse auch wieder zugeführt werden.
Grund für die Einschränkungen ist die Einordnung der Felder rund um Sehnde und Lehrte als sogenanntes „Rotes Gebiet“ mit erhöhter Nitratbelastung. Diese Einschätzung berücksichtigt als aktuellste Nitrat-Messwerte Daten aus dem Jahr 2013. „Das ist für uns schwer nachvollziehbar“, sagt Axel Friehe. Mögliche Auswirkungen der bereits verringerten Düngung würden nicht berücksichtigt. Außerdem fordern die Bauern eine kleinräumigere Überprüfung der Wasserqualität. „Unser Brunnen in Höver zeigt seit Jahren keine Auffälligkeiten“, zitiert Lehrke eine Wasseruntersuchung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Turnusgemäß werden bis Ende 2021 neue wasserrechtliche Bewertungen erstellt. Dann können „rote Gebiete“ wieder „grün“ werden, aber auch „grüne Gebiete“ als „rot“ eingestuft werden.
Für Frust sorgt auch das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercusor-Staaten. Die Landwirte verstehen nicht, warum sie mit hohen Auflagen zu kämpfen haben, gleichzeitig aber Lebensmittel importiert werden, für die der Regenwald zerstört wurde. „Das wollen wir nicht, wir haben hier viel höhere Standards!“, sagt Fabian Lehrke. In diesem Zusammenhang nennt er auch das bevorstehende Glyphosatverbot. „Glyphosat wird in Deutschland fast ausschließlich vor der Bestellung eingesetzt“, erläutert der Landwirt den Unterschied zu anderen Ländern, in denen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen den Einsatz des Totalherbizids auch in der Kultur ermöglichen. Neben den Wettbewerbsnachteilen würde ein Verbot eine Intensivierung der Bodenbearbeitung nach sich ziehen und damit den CO2-Ausstoß erhöhen, verdeutlicht Fabian Lehrke. Insgesamt fühlen sich die Landwirte unfair behandelt, dass Mahnfeuer wird daher wohl nicht die letzte Aktion sein.