Premiere mit Ingvay und Band ein voller Erfolg

In den Startlöchern: Stellvertretend für ihre Mitstreiter aus der „Young Generation“ des Bluesvereins begrüßen die Nachwuchs-Organisatoren Julius Beuth (links) und Tom Veenhuis das Publikum und die Band. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Mit einem Riesen-Danke an ihr begeistertes Publikum und an das junge Organisationsteam verabschieden sich Ingvay und die Band nach ihrer Lehrte-Premiere. (Foto: Susanna Veenhuis)

Aus den „Blues Kids“ sind Macher mit Verantwortung geworden

LEHRTE (sv). „Es wird ja bald wieder Weihnachten!“ Das war für manche wohl ein kleiner Schock, aber der sollte auch der einzige an diesem Abend bleiben. Mit diesem Tipp bewarb Bassmann Uwe Seemann den Verkauf der neuen CD „Keep It Up“ beim Konzert von "Ingvay & Band" im Anderen Kino. Das Gastspiel der hannoverschen Band war nicht nur das dritte Blues Special der Saison, mit dem der Verein Blues in Lehrte seine Lieblingsmusik auch im Winterhalbjahr in gemütlicher Clubatmosphäre anderen Freunden dieser Musik zugänglich macht. Es war gleichzeitig die Premiere der „Young Generation“ des Vereins. Die zeigte mit der selbstständigen Organisation des Konzerts, dass sie nicht nur in den Startlöchern steht. Vielmehr bestätigte sie mit dieser Feuerprobe, dass die Weiterführung der ehrenamtlichen Arbeit rund um das traditionelle Musik-Open Air am Rodelberch auch in Zukunft in den besten Händen ist.
„Was macht man als Erstes? Man begrüßt das Publikum!“ Anstatt ihrer Ansage examinierte Moderatorin Claudia Grumser direkt auf der Bühne den Nachwuchs streng zu seinen künftigen Aufgaben. Zur symbolischen Stab-Übergabe hatten sie und zwei federführende Organisatoren der „Young Generation“, Julius Beuth und Tom Veenhuis, eine kleine Szene vorbereitet, in der die sogenannte „Jugend von heute“ im Dialog mit der erfahrenen Ansagerin ein bisschen zögerlich in die Gänge kam. Aber sie können auch ganz anders und berichteten locker und souverän von ihren Anfängen als kleine Stepkes hinter der Süßwaren-Theke auf dem Blues-Festival und ihrer kürzlich eigenständig organisierten Jugendfreizeit in Bayern, mit der sie weiteren Nachwuchs für das Festival gewinnen wollten. Der symbolträchtige Stab war ein arg zernarbter, in den Bluesfarben Schwarz und Gelb bemalter Drumstick, den eine Schlagzeugerin einst auf der Bühne im Hohnhorstpark liegen gelassen hatte und den Grumser nun an Tom Veenhuis übergab – erstmal für diesen Abend.
„Ich kenne das Lehrter Bluesfestival gefühlt schon, seit ich Kind war“, begrüßte Frontmann Ingvay sein Lehrter Publikum und das junge Orga-Team. „Umso mehr freue ich mich, dass hier die nächste Generation am Start ist!“ Mit den Songs aus eigener Feder, musikalisch umgesetzt mit eingespielten langjährigen Freunden und Kollegen, begeisterte der hannoversche Musiker die über hundert Besucher im Kinosaal. Gleich mit dem ersten Titel „Midnight Journey“, der noch auf keiner CD verewigt ist, hatte die Band die Gäste gepackt. Begleitet wurde Ingvay von Bassmann Seemann, Matthias „Maze“ Deusel am Schlagzeug und Lars Ehrhardt an der Gitarre, allesamt hervorragende und viel nachgefragte Profimusiker sowie langjährige Freunde Wegbegleiter von Ingvay. Der ist seit frühester Jugend ebenfalls leidenschaftlicher Musiker und hat als Toningenieur mit eigenem Studio auch schon mit Stars wie Roger Cicero, Heinz Rudolf Kunze, Wolfgang Niedecken, Hannelore Elsner, Ulrich Tukur, Jasmin Tabatabai, wie auch mit internationalen Acts - beispielsweise Chilly Gonzales, Yakoto, Lizz Wright und Jazzanova – zusammengearbeitet. In Lehrte ließ er Anklänge an Soul, Blues, Funk und auch ein bisschen fröhlichen Country-Galopp so gekonnt arrangiert erklingen, dass die Gäste den üblichen Distanzraum zur Bühne bald unbeschwert als Tanzfläche nutzten.
Seiner Nichte und Patenkind Rosa hatte Ingvay den melodischen Song „Your Guiding Light“ gewidmet – sozusagen als Konfirmationsgeschenk, wie er erzählte. „Thank You My Friend“ beschrieb einfühlsam eine Situation, die fast jeder kennt: wenn man viel zu früh einem guten Freund das letzte Geleit geben muss. Seine Inspiration erhält er beim Blick in den Baum vor dem Fenster. Der Baum scheint gute Arbeit zu leisten. „Das war das beste Blues Konzert, das ich bislang hier erlebt habe“, sagte Christine Jucks aus Lehrte, als die Band nach zwei Zugaben nach Mitternacht Feierabend hatte. Renate Löhmann hatte sich zum Tanzen hinreißen lassen und konnte ihr nur beipflichten: „Das war toll! Wären die nicht auch etwas fürs Bluesfestival?“
Die Entscheidung darüber liegt wohl noch bei den alten Blues-Hasen. Aber die jungen stehen in Zukunft nicht nur beratend zur Seite.