Preisverleihung verschoben

"Sievershäuser Ermutigung" im nächsten Jahr

Sievershausen (r/gg). Der von der Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen und der Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ ausgeschriebene und mit 5.000 Euro dotierte Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung sollte im Rahmen einer Feierstunde am Sonntag, 2. Dezember, um 16 Uhr im Antikriegshaus den Vertretern von „Ferien vom Krieg“ überreicht werden. Aufgrund der aktuellen Entwicklung mit Corona-Beschränkungen haben sich die Verantwortlichen des Antikriegshauses im Einvernehmen mit dem Preisträger dazu entscheiden, die geplante Veranstaltung abzusagen. Eine angemessene und würdige Feier wäre unter den derzeitigen Bedingungen nicht verantwortbar. Diese soll im Frühling oder Frühsommer unter hoffentlich günstigeren Vorzeichen nachgeholt werden.
Anfang November war das Projekt „Ferien vom Krieg – Dialoge über Grenzen hinweg“ in der Verantwortung des Komitees für Grundrechte und Demokratie als Empfänger des diesjährigen Friedenspreises Sievershäuser Ermutigung für ihre engagierte und friedensfördernde internationale Jugend- und Begegnungsarbeit benannt worden.
Dieses Projekt hat schon 1994 während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien begonnen, serbische, kroatische und bosnische Kinder zu gemeinsamen Ferienwochen am Meer einzuladen, und hat so mit dazu beigetragen, dass in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien Versöhnungsprozesse in Gang kommen können. Seit 2004 treffen sich junge Leute aus den drei Ländern zu gemeinsamen Friedenscamps und Aktivitäten. Mittlerweile ist daraus das Netzwerk „Youth United in Peace“ hervorgegangen, das länderübergreifend arbeitet und in dem junge Menschen die Verständigung untereinander suchen.
Seit 2002 wurde das Projekt auf Israel und Palästina ausgeweitet. Hier organisiert „Ferien vom Krieg“ Workshops in Drittländern, wo sich Teilnehmer aus Israel und Palästina in einem neutralen geschützten Raum auf Augenhöhe begegnen können. Schon mehr als 2.300 Teilnehmer haben sich seitdem in Deutschland getroffen und traten in einen intensiven Dialog über die eigene und kollektive Geschichte in den beiden Gruppen und konnten gemeinsam die aktuelle politische Situation beleuchten.
„Frieden ist eben nicht nur die Abwesenheit von Gewalt und Krieg,“ so schreibt Jury-Mitglied Maria Flachsbarth in der Begründung für die Entscheidung der Jury, „sondern vielmehr ein friedvolles Miteinander, das gegenseitiges Verständnis voraussetzt.“ Neben der Beseitigung von Konfliktursachen und Wiederaufbau müssen langfristige Versöhnungsprozesse initiiert werden, so Maria Flachsbarth. „Häufig sind tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen notwendig, um Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft zu schaffen. Genau an dieser Stelle setzt das ausgezeichnete Projekt an, in dem es bei jungen Menschen gesellschaftliche Mauern aufbricht.“
So leistet das Projekt „Ferien vom Krieg“ sehr praktische und wirksame Verständigungs- und Friedensarbeit, die mit dazu beitragen kann, dass Konflikte nicht wieder aufbrechen und überhaupt bearbeitet werden können.
Die Jury, der neben der Staatssekretärin Maria Flachsbarth auch die Kreisjugendwartin des Kirchenkreises Burgdorf Ann-Marie Reimann, die frühere Bundestagsabgeordnete Ute Finckh-Krämer, die Bildungsreferentin bei der evangelischen Jugend Sarah Vogel und für den Vorstand des Antikriegshauses Hannelore Köhler angehörten, war beeindruckt und erfreut über die Bewerbungen aus dem Bereich internationale Begegnungsarbeit, die allesamt eine hohe Qualität und großes Engagement zeigten. „Es ermutigt auch uns selbst, durch die Ausschreibung des Preises mitzubekommen, wie viel hervorragende Arbeit mit jungen Leuten landauf landab geschieht, durch so viele engagierte Menschen“, so Hannelore Köhler vom Antikriegshaus. Es sei nicht leichtgefallen, eine Entscheidung zu fällen. Die Jury war sich letztlich einig darin, „Ferien vom Krieg“ auszuzeichnen.