Polizeischutz und Lichterkette für koptische Weihnachtsmesse in Ahlten

Auch (v.l.) der hannoversche Probst Martin Tenge und der Hildesheimer Bischof Nikolaus Schwerdtfeger waren Gäste des koptischen Gottesdienstes in Ahlten. (Foto: Walter Klinger)
 
Trotz des Dauerregens standen fast 100 Lehrter Christen im Solidaritäts-Begrüßungs-Kerzenspalier. (Foto: Walter Klinger)

Lehrter, regionale und landesweite Solidarität für bedrohte Christen

LEHRTE/AHLTEN. Nach Drohungen im Internet ist am Donnerstagabend der Weihnachtsgottesdienst der koptischen Gemeinde in der katholischen Kirche St. Theresia in Ahlten ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Polizei hatte vor Beginn die Kirche mit einem Sprengstoff-Spürhund durchsucht und zeigte auch während des Gottesdienstes Präsenz vor dem Gotteshaus.
Fast 100 Lehrter Christen mehrerer Konfessionen bezeugten vor der Kirche mit einer Lichterkette ihre Solidarität mit der bedrohten koptischen Gemeinde - zugleich eine Demonstration für Glaubensfreiheit. In der Woche zuvor waren am Ursprungsort der koptischen Kirche im ägyptischen Alexandria 23 Menschen bei einem Anschlag auf eine Kirche ums Leben gekommen.
Deshalb - und auch auf Grund der Sicherheitslage – hatte die koptische Gemeinde, deren 250 Mitglieder bis hin in den Göttinger Raum alle zwei Wochen einen Gottesdienst in der Ahltener St. Theresia-Kirche feiern, das sich sonst an den Weihnachtsgottesdienst anschließende Gemeindeessen im Gemeindehaus der Kirche abgesagt.
Die Familien mit Kindern waren deshalb zu dem sonst sehr familiär begangenen Weihnachtsfest, das die koptische Kirche traditionell am 6. und 7. Januar feiert, gar nicht erst angereist.
Den Gottesdienst zum Auftakt des koptischen Weihnachtsfestes (bei uns Heiligabend) aber zelebrierte der Priester Nicedemes El Makay in gewohnter Weise, vor aber nur 40 Gemeindemitgliedern. Gäste bei der Messe waren auch Mitglieder anderer Kirchen, die nach den Drohungen Solidarität zeigten, darunter der katholische Bischof von Hildesheim, Nikolaus Schwerdtfeger, und der hannoversche Probst Martin Tenge.
Draußen vor der Kirchentür war auch der evangelische Superintendent des Kirchenkreises Burgdorf, Dr. Ralph Charbonnier, bei den Christen zu finden, die mit einer Lichterkette die Gottesdienstbesucher empfingen. Ahltens evangelischer Pastor Henning Runne hatte zu dieser Solidaritätsaktion aufgerufen, die trotz der dick vereisten Straßen in diesem Viertel von Ahlten und des Dauerregens sowie der Kurzfristigkeit fast 100 TeilnehmerInnen fand.
Darunter waren auch Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeindevorstände sowie der Lehrter Diakon Werner Mellentin und der Vorsitzende des Arbeitskreises „zur Zusammenarbeit mit ausländischen Mitbürgern in der Stadt Lehrte“, Günter May. Auch zahlreiche junge Menschen nahmen teil. Viele nutzten den Windschutz für ihre Kerzen, mit dem vor fünf Jahren das in Bethlehem angezündete Friedenslicht aus der evangelischen Ahltener Martinskirche heraus getragen wurde.
Gemeinsam besuchten später am Abend auch die evangelische Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann, die religionspolitische Sprecherin der CDU-Bungestagsfraktion, Dr. Maria Flachsbarth, die Lehrter Bürgermeisterin Jutta Voß (SPD) und der Ahltener Ortsbürgermeister Jürgen Kelich (CDU) den koptischen Weihnachtsgottesdienst.
Solidaritätsadressen mit dem Bekenntnis zur Religionsfreiheit hatte unter anderen auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Miersch nach Ahlten geschickt. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) empfing Mitglieder der koptischen Gemeinde Hannover und bekräftigte Religionsfreiheit als unveräusserliches Gut auch beim Neujahrsempfang im Kloster Loccum.
Zahlreiche Journalisten, Fotografen und Fernsehteams verfolgten den Gottesdienst und die Lichterkette. Als „Hausherr“ auch der Ahltener Gemeinde absolvierte der Pfarrer der katholischen St. Bernward-Gemeinde Lehrte, Roman Blasikiewicz, sein mittlerweile 18. Rundfunk- und Fernsehinterview – die Bombendrohungen gegen das koptische Weihnachtsfest in ganz Deutschland hatten nach dem Attentat von Alexandria viel Aufsehen erregt.
Eine Absage des Gottesdienstes wurde indes nicht diskutiert. Pfarrer Roman Blasikiewicz machte deutlich, dass durch Gewalt die Gleichberechtigung der Religionen in eine Schieflage gerate: „Es kann nicht sein, dass eine alles bekommt, die anderen nichts mehr dürfen.“
Said Basa Badres, einer der Gemeindevorstände der ägyptischen Christen, bekräftigte: „Wir lassen und das Fest nicht verbieten.“ Die koptische Gemeinde hat bereits die evangelische Martinsgemeinde Ahlten zum Besuch bei einem ihrer vierzehntäglichen Gottesdienste und zum weiteren Kennenlernen eingeladen.
Die Polizei beschäftigte sich indes draußen bereits mit Abschlepphilfe für festgefahrene Autos – Einlasskontrollen gab es nicht.