Polizeiliche Statistik zum Straßenverkehr

Kommissariat in Lehrte (von links): Mario Mantei und Bernd Steindamm. (Foto: Archiv Gabriele Gosewisch)

Erheblicher Einfluss der Lockdown-Maßnahmen

Lehrte (r/gg). Bernd Steindam, Polizeihauptkommissar und Leiter Einsatz-und Streifendienst im hieisgen Kommissariat, hat die Jahresstatistik 2020 zu Unfällen im Straßenverkehr erstellt. Die Gesamtzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr 2019 um 232 Unfälle auf 1.237 deutlich verringert. Insgesamt gab es in 2020 für den Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Lehrte 178 Unfälle mit Personenschaden. Dabei wurden bei 22 Unfällen 24 Menschen schwer verletzt. Bei 154 Unfällen erlitten 195 Menschen leichte Verletzungen. Bei zwei Verkehrsunfällen kamen Personen zu Tode: Ein 87-jähriger Fahrradfahrer wurde von einem ausparkenden Auto erfasst und stürzte. Er starb vier Wochen später im Krankenhaus an den Folgen des Unfalls. Ein 49-jähriger Autofahrer befuhr als Vorfahrtberechtigter außerorts nahe Aligse die Aligser Dorfstraße und wurde an einer Kreuzung von einem die Vorfahrt missachtenden Führer eines Geländewagens seitlich erfasst, in einen angrenzenden Rübenacker geschoben und durch den Anstoß lebensgefährlich verletzt. Der Unfall verursachende Fahrzeugführer verfügte nicht über eine Fahrerlaubnis. Der 49-jährige Fahrzeugführer verstarb nach drei Wochen im Krankenhaus an den Folgen des Unfalls.
Die Verhältnisse der altersbezogenen Auswertung variieren in der Mehrjahresstatistik mäßig. Sowohl bei den Leichtverletzten, als auch bei den Schwerverletzten befinden sich naturgemäß die meisten Betroffenen in der großen Altersgruppe von 24 –65 Jahren. Ein statistisch auffälliger Wert ist in der Risikogruppe junger Fahranfänger zu verzeichnen. Hier werden eine zu hohe Risikobereitschaft und die noch fehlende Erfahrung im Straßenverkehr als wiederkehrende Ursachen angenommen.
91 verletzte und getötete Verkehrsunfallbeteiligte waren ungeschützte Verkehrsteilnehmer: Es wurden 55 Radfahrer (im Vorjahr 76), 17 Fußgänger (im Vorjahr 23) und 18 Kradfahrer (im Vorjahr 20) verletzt und ein Radfahrer getötet. Die Anzahl der verletzten und getöteten ungeschützten Verkehrsteilnehmer hat damit offenbar im Jahr 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung um etwas mehr als zehn Prozent abgenommen, ist aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
Von den 1.237 Verkehrsunfällen im Jahr 2020 waren 341 Verkehrsunfall-Fluchten. Die Aufklärungsquote liegt bei rückläufigen Fallzahlen ähnlich wie im Vorjahr bei insgesamt 41,94 Prozent. Auch bei der Anzahl der geklärten Unfall-Fluchten mit Personenschaden ändert sich wenig, allerdings sank die Aufklärungsquote um knapp zwölf Prozent.
17 Unfälle endeten an einem Straßenbaum. Damit hat sich die Zahl dieser Unfallkategorie zwar wieder deutlich erhöht (im Vorjahr waren es acht), liegt aber im Mittel der Zehn-Jahresstatistik.
34 Personen (im Vorjahr 26) standen bei Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss, bei acht Personen (eine Person im Vorjahr) wurde Drogeneinfluss festgestellt. Ohne Unfallbezug wurden in Lehrte und Sehnde 75 Fahrzeugführer (im Vorjahr 49) unter Alkoholeinfluss und 86 Fahrer unter Drogeneinfluss (im Vorjahr 80) angetroffen. Dies stellt eine deutliche Zunahme der durch Alkohol und Drogen berauschter Kraftfahrzeugführer dar.
Die Corona-Auflagen haben sich auch auf den Straßenverkehr ausgewirkt und insbesondere während der Lockdown-Maßnahmen zu einer geringeren Verkehrsbelastung im öffentlichen Straßenverkehr geführt. Dadurch sanken die Unfallzahlen in nahezu allen Bereichen. Allerdings ist auch im Jahr 2020 die Anzahl verletzter und getöteter Motorradfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger als ungeschützte Verkehrsteilnehmer besorgniserregend hoch und weist darauf hin, dass diese Verkehrsteilnehmer insbesondere von den Kraftfahrzeugführern nicht im ausreichenden Maße wahrgenommen werden und schneller übersehen werden. Weiterhin gilt außerdem, dass Kraftfahrzeuge zunehmend zum fahrenden Büro werden. Soziale Medien und vielfältigste Kommunikationsmöglichkeiten beschäftigen den Kraftfahrer während er nebenbei die Bedienungseinrichtung seines Fahrzeugs bedient. Die Kraftfahrzeughersteller setzen vermehrt auf unterstützende Assistenzsysteme. Diese helfen zwar einerseits Gefahren zu erkennen und lassen das Fahrzeug reagieren, lenken jedoch andererseits vom eigenständigen vorausschauendem Fahren auf der Straße ab. Auch die Nutzung von Mobiltelefonen und anderem elektronischen Equipment während der Fahrt, auf legale aber auch auf nicht legale Weise, beanspruchen die Wahrnehmungsressourcen und teilt die Aufmerksamkeit von Kraftfahrzeugführern. Auch wenn der Fokus der Ordnungsbehörden im Jahr 2020 Pandemie bedingt auf sogenannte Corona-Kontrollen abstellte, hat das hiesige Kommissariat mit seinen verbleibenden Ressourcen wieder im Verkehrsbereich Schwerpunkte gesetzt und Kontrollen von sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmern durchgeführt sowie Fehlverhalten gegenüber den ungeschützten Verkehrsteilnehmern geahndet. Verstöße in Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen, sowie Kontrollen von Alkohol und Drogen beeinflusster Verkehrsteilnehmer wurden ebenfalls durchgeführt.
Zur Eindämmung der Verkehrsunfälle mit schweren Folgen wurde im Jahr 2020in Lehrte und in Sehnde Verkehrsüberwachung betrieben.643qualifizierte Verkehrsordnungswidrigkeitenanzeigen (im Vorjahr 944) wurden gefertigt und 981 Verwarnungen (im Vorjahr 1.056) geahndet. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung wurden schwerpunktmäßig 428 (im Vorjahr 600) Verstöße durch unerlaubte Nutzung von Mobiltelefonen festgestellt und geahndet. Zudem wurden schwerpunktmäßig Alkohol-und Drogenkontrollen im Straßenverkehr durchgeführt und 86 Fahrer unter Drogeneinfluss (im Vorjahr 80) sowie 75 Fahrten unter Alkoholeinfluss (im Vorjahr 49) festgestellt. Neben der Überwachung der umfänglichen Pandemie bedingten Corona-Verordnungen des Landes Niedersachsen und der Region Hannover gab es weitere Schwerpunktesetzungen zur Steigerung der öffentlichen Sicherheit und Eindämmung der allgemeinen Kriminalität auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen rund um die Bahnhöfe und in den Innenstadtbereichen von Sehnde und Lehrte, sodass zur Verkehrsüberwachung im vergangenen Jahr weniger Ressourcen eingesetzt werden konnten, als im Jahr 2019. Neben den Corona-Maßnahmen sollen jetzt im laufenden Jahr 2021 die Unfall-Ursachen im Fokus der Polizei stehen - insbesondere das Fehlverhalten von und gegenüber Radfahrern und Fußgängern, die Alkohol- und Drogenbeeinflussung und die verbotene Smart-Phone-Nutzung im Auto- und Schwerlastverkehr.