Politik trifft Praxis im Stall

Thordies Hanisch und Jens Dannenbring bei der Besichtigung des Aufzuchtstalls in Kolshorn. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Thordies Hanisch im Gespräch mit Jens Dannenbring

Kolshorn (gg).Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte ist Thordies Hanisch sehr wichtig. Die SPD-Landtagsabgeordnete ist Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie sagt: „Die Betriebe, die für unser aller Essen sorgen, verdienen Respekt.“ Wirtschaftliche Probleme, öffentliche Kritik – es gebe viel zu tun. „Wertvolle Ansichten, die nur ein Praktiker vermitteln kann“, hat sie sich von Landwirt Jens Dannenbring erhofft und bei ihrem Besuch auf seinem Hof mit Sauen- und Mastschweinhaltung in Kolshorn erhalten. Dass die Tiere, auch ohne Anforderungen der Bio-Landwirtschaft, gesund und munter sind, wurde beim Gang durch die Ställe sehr deutlich und gab dem folgende Gespräch über das sogenannte Tierwohl die entsprechende Basis. Ob das geplante Tierwohl-Kennzeichen für angemessene Fleischpreise sorgen und die Akzeptanz der Kunden finden wird, ist offen. Jens Dannenbring erklärt die Rechnung schnell und einfach nachvollziehbar: „Wenn die Vorgaben zum Erhalt des Tierwohl-Kennzeichens bedeuten, dass ich mehr in die Stallausstattung investieren muss, als ich je über den Fleischverkauf wieder rein bekomme, macht es keinen Sinn.“ Erst vor gut zehn Jahren habe er den modernen Stall für eine gute Haltung der Mastschweine gebaut. Einen hohen sechsstelligen Betrag hat das gekostet. Bei der Vermarktung ist er an die Handelsnotierungen gebunden, die schwanken je nach Weltmarkt-und EU-Geschehen. „In der Eier-Produktion hat die Kennzeichnung auch einen Fortschritt gebracht“, sagt Thordies Hanisch. Der Kunde wisse und schätze, dass jedes Ei mit dem Stempel auf die Herkunft zuzuordnen sei. „Das geht beim Fleisch auch. Wenn es mit dem Tierwohl-Kennzeichen zusätzlich gesichert wird, soll mir das recht sein“, sagt Jens Dannenbring. Jedes einzelne seiner Tiere habe eine detaillierte Aufzucht-Dokumentation mit medizinischen Attesten. „Mehr geht nicht. Es gibt schon die totale Transparenz“, sagt er. Dass die Landwirtschaft immer schon mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, sei eine Binsenweisheit.
Auf das Jahr 1572 geht der Familienbetrieb zurück. Im Wesentlichen war es immer die Witterung, die über Gedeih oder Verderb einer Jahresarbeit bestimmt hat. Neue Machtfaktoren sind der globale Handel und die Verbraucherwünsche. Jens Dannenbring bleibt optimistisch, irgendwie müsse es ja weitergehen. Sein Sohn möchte den Betrieb gerne weiterführen, hat bald ausgelernt. Zusätzlich zur Schweinehaltung hat der Betrieb Dannenbring 105 Hektar Ackerbau.