Pointen des Pastors bringen das volle Kirchenschiff ins Schlingern . . .

Wort- und gestenreich nahm zum Abschluss des Immenser Kirchen-Jubiläumsjahres Pastor und Kabarettist Matthias Schlicht Gott und die Welt aufs Korn. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Lehrte: Ev.-luth. St. Antonius Kirche Immensen |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Unterhaltsamer Auftritt von Matthias Schlicht beendet Jubiläumsjahr

IMMENSEN (hdb). Als „die bibelfestesten Menschen, die man sich vorstellen kann“ hat Pastor Matthias Schlicht bei seinem Auftritt in der St. Antonius-Kirche sein Publikum begrüßt und gleich mit einer saftigen Pointe die Lacher auf seiner Seite gehabt. Mehr als 100 Zuhörer waren nach dem Kabarettprogramm „Eisfabrik“ begeistert.
Mit dem Kirchenkabarett neigte sich ein Jubiläumsjahr dem Ende zu, das seit Januar 2014 in jedem Monat einen musikalischen, literarischen oder religiösen Höhepunkt bereithielt. Gefeiert wurden „600 Jahre Kirche im Dorf.
„Als krönenden Abschluss wollten wir etwas Besonderes“, machte Pastor Martin von Brück bei seiner Begrüßung im voll besetzten und gut geheizten Kirchenraum deutlich und warnte augenzwinkernd, bei dem Programmtitel „Eisfabrik“ nicht gleich und nicht nur an Speiseeis zu denken.
„Glaube ist, wenn man trotzdem lacht“ ist Matthias Schlichts vorauseilendes Versprechen, und der „christliche Till Eulenspiegel“ löst es bravourös ein. Wort- und gestenreich, ab und zu zur Gitarre greifend, begibt er sich auf unterschiedlichste und alltäglichste Themenfelder, auf denen ständig Pointen - und manchmal auch Kalauer - lauern.
Der Buxtehuder Hobbykoch servierte in zwei Gängen ein schmackhaftes Menü mit allerlei fein oder grob zugeschnittenen Beilagen. Schlicht gab zum bevorstehenden Weihnachtsfest auch handfeste Tipps. Zum Beispiel Gesundheitsgutscheine – für eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt oder für ein „Glaubens-Tatoo“, bei dem die Botschaft des Apostels Paulus „am Arsch“ sei. Gutscheine für einen Kirchenbesuch seien allerdings sinnlos, weil Gottesdienste umsonst seien – kalte Füße oder quietschende Orgeln inklusive.
Im Jahresrückblick streifte der 53-Jährige Lebensmittelskandale, Rechtsverstöße der „Verunreinigten Staaten von Amerika“, den Klimawandel mit schmelzendem Grönland-Eis oder die Ökologie-Bewegung. „Meine Frau kauft immer Öko-Eier, ich hab ihr gesagt, kauf doch mal Hühnereier“, kalauerte Schlicht und gestand auch selbstkritisch: „Pastoren sind für alles offen – also nicht ganz dicht“.
Ernstere Töne schlug der Fan der Urlaubsinsel Föhr an, als er bilanzierte: „Die Herzinnentemperatur hat um 0,01 Grad abgenommen“. Die Folge sei eine soziale Kälte im Umgang mit Kinder und alten Menschen. Das ansonsten bestens amüsierte und beifallsfreudige Publikum nahm Schlicht auch diesen Seitenhieb auf die „Eisfabrik“ dankbar ab.