Personalengpass: Schwimmer in Lehrte und Arpke manchmal ohne geschulte Fachaufsicht

Im Arpker Waldbad fehlt es häufiger an geschultem Fachpersonal für die optimale Badeaufsicht. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Wie sicher sind die Freibäder der Stadt? – Betriebsleiter: „Alles in Ordnung“

ARPKE/LEHRTE (hdb). Am heißesten Tag der vergangenen Woche sind nachmittags mehr als 400 Besucher ins Arpker Waldbad geströmt. Ihr erfrischendes Freizeitvergnügen blieb allerdings ohne geschulte Fachaussicht – vor Ort war nur ein Rettungsschwimmer. Der Betriebsleiter der Bädergesellschaft sieht darin jedoch kein Problem.
Dabei soll Thilo Schumacher laut Aussage eines städtischen Mitarbeiters, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, selbst verfügt haben: Wenn keine Fachkraft - offiziell bezeichnet als Fachangestellte(r) für Bäderbetriebe, im Volksmund fälschlich auch Bademeister(in)genannt – zur Verfügung stehe, müsse das betreffende Bad eben geschlossen bleiben.
An diese ebenso korrekte wie theoretische Auffassung hält sich Schumacher allerdings in der Praxis nicht. Es herrschte beispielsweise im Arpker Waldbad am Nachmittag des vergangenen Donnerstags eine beängstigende Fülle, als fast 300 Jugendliche des benachbarten Sommerlagers zusätzlich Abkühlung von der sommerlichen Hitze suchten.
Einige andere Badegäste verließen daraufhin fast fluchtartig die Anlage, darunter Eltern aus Sorge um ihre kleinen Kinder und die ihrer Einschätzung nach mangelhafte Aufsicht durch eben nur einen Rettungsschwimmer. „Wenn der Rettungsschwimmer geschult ist, ist das auch völlig in Ordnung“, beruhigt hingegen der Betriebsleiter auf Nachfrage.
Eine Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen hingegen legt unter anderem eindeutig fest: „Die Beaufsichtigung des Badebetriebes sollte durch Fachkräfte organisiert werden“ – jene also, die eine dreijährige Ausbildung absolviert und auch umfassende Kenntnisse über die technischen Anlagen wie zum Beispiel die Regelung des Chlorgehalts im Wasser haben.
Ein Rettungsschwimmer aber verfügt nicht über ein derartiges Fachwissen. Folgerichtig heißt es auch in der Richtlinie 94.05: „Werden Rettungsschwimmer für die Beaufsichtigung des Badebetriebes eingesetzt, ist die Leitung und Aufsicht durch eine Fachkraft sicherzustellen“.
Die Richtlinie über die „Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebes“ verlangt auch eine vom Betreiber „personell ausreichend ausgestattete“ Aufsicht. Zumindest in Arpke muss diese zeitweise auch gleichzeitig noch - meistens vormittags - das Eintrittsgeld kassieren.
Aktuell leiden die Bäderbetriebe – eine Tochtergesellschaft der Stadt Lehrte – offensichtlich unter Personalmangel. Recherchen haben ergeben, dass eine von fünf fest angestellten Fachkräften schon länger erkrankt, eine Saisonkraft sich während der Tage des Arpker Schützenfestes hat beurlauben lassen, und ein dritter Schwimmmeister sich in seinem Jahresurlaub erholt.
Das führt zu eben jenen Engpässen bei der fachgerechten Wasseraufsicht in Arpke – allerdings auch schon mehrfach im Lehrter Bad, wie ein Insider dem Marktspiegel berichtete. Dort habe erst kürzlich ein Rettungsschwimmer gleich beide Becken beaufsichtigen müssen – nach den erwähnten Richtlinien eindeutig unzulässig.
Der Arpker Ortsbürgermeister Klaus Schulz will sich, wie am Rande des dortigen Schützenfestes zu erfahren war, jetzt an den Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk wenden. Schulz kritisiert vor allem, dass Fachkräfte in den Bädern, die zur Probe arbeiten, nicht übernommen würden, die Nachfolger dieser "Praktikanten" die Lehrter Situation ganz neu für sich entdecken müssten.