Ortsbürgermeister stellen sich vor

Frank Seger, Ortsbürgermeister in Aligse, Kolshorn und Röddnsen. (Foto: Fotostudio Neumann, Lehrte)

Drei Dörfer: Frank Seger pflegt ortseigene Identität

Aligse-Kolshorn-Röddensen (gg). Mit dem nahenden Aufbruch in den Frühling gibt Ortsbürgermeister Frank Seger Auskunft und Ausblick. Worum kümmert er sich in Aligse, Kolshorn und Röddensen? Wofür will er sich jetzt und in den nächsten Jahren engagieren?
"Dorferhaltung, Selbstbewusstsein auf dem Land und eine Heimat der Weltoffenheit", sagt er spontan auf Marktspiegel-Nachfrage. Der 58-Jährige seit mehr als zehn Jahren Ortsbürgermeister von Aligse, Kolshorn und Röddensen. "Die Drei-Dörfer-Ortschaft schmiegt sich wie keine andere dicht an die Lehrter Kernstadt. Räumlich gesehen", schreibt Frank Seger. Und er ergänzt mit Humor: „Die Aligser Feldkanone unter den Eichen zielt auch nach der Wahl noch direktemang in Richtung Rathaus“. Der Scherz sei ihm nachzusehen, schließlich habe er sich über die Jahre sehr zeitintensiv mit den Verwaltungsmitteilungen, Druckvorlagen und Anträgen beschäftigt. Frank Seger erklärt: "Große Dinge entscheiden kann ein Ortsrat auch im Jahr 2022 noch nicht, aber unser Ortsrat ist gerade darum kein Werkzeug der Verwaltung, kein willfähriges Durchwinke-Gremium für Verwaltungsvorlagen oder Parteivorgaben. Dörfliches Dasein, dörfliche Identität wird von mir und meinen Kollegen auch in Zukunft verteidigt werden: mit durchschlagenden Argumenten. Unsere leidenschaftlichen Debatten städtischer Vorhaben, unsere ausgefeilten Stellungnahmen zu Vorlagen sind inzwischen legendär." Dafür stünden alle sieben stimmberechtigten Mitglieder des stadtweit einzigen Jamaika-Ortsrats, aus Vertreten der CDU mit vier Sitzen, der Grünen mit zwei Sitzen und der FDP mit einem Sitz gemeinsam ein. „Auf dieser bunten Basis ist Einstimmigkeit gegenüber dem Rat der Stadt Lehrte dann das Pfund, mit dem wir wuchern können“, meint Frank Seger.
Große Unterstützung beim rastlosen Ringen um die Erhaltung dörflicher Lebensqualität komme von den Anwohnern - selbst in turbulenten Corona-Zeiten. Was aus diesen Reihen an sachkundigen Anfragen und Anregungen komme, sei sensationell. Frank Seger hofft in jetzt just begonnenen neuen Amtszeit  auf viele weitere rege besuchte Präsenz-Veranstaltungen. Denn: Wo Dorfbewohner Themen wie Dorfentwicklung, Umweltschutz, Brauchtum, Festkultur, Verkehrsberuhigung, Nahversorgung, Fernlärmschutz, Miteinander der Generationen, Dorfclubs für Jugendliche, Dorfmuseum, Sportförderung oder Selbstbestimmung im Alter gemeinsam aus der Engführung und dem Echo-Raum einer internen Planungslogik lösen, wo Menschen, Jung und Alt, eine Plattform bekommen, um ihre Fähigkeiten stimmenstark zur Entfaltung zu bringen, dort gewinne eine Ortschaft unendlich viel an Kraft und schaffe vor Ort Gestaltungsmöglichkeiten. Das sei, als würde man eine Schleuse öffnen. Plötzlich strömten mitten auf dem Land viele hoch qualifizierte und motivierte Menschen zusammen, die in Ortsratssitzungen und Einwohner-Versammlungen den Experten Fehler und Versäumnisse nachweisen.
Frank Seger selbst hat den Anspruch, selbst einen lebendigen Widerspruchsgeist.
Im Jahr 2017 erhob Seger als erster öffentlich seine Stimme gegen das von der Stadt Lehrte geplante industriell betriebene Aldi-Logistiklager vor den Toren von Aligse. „Gegen neue Betonwüsten, für die Bewahrung uralten Ackerlands“. Er löste, mit breiter Unterstützung der Aligser, damit eine beispiellose, hoch kontrovers geführte Debatte aus, die jahrelang die gesamte Stadtpolitik überlagerte.
Vor diesem Hintergrund hatte er sich mit der SPD auf örtlicher Ebene entzweit, deren Mitglied er bis 2020 war, und die bis heute die Logistikansiedlung befürwortet.
Seit 2021 gehört Seger der CDU an, mit der er sich jetzt „Schulter an Schulter dafür engagiere, dass die Kirche im Dorf bleibt, sein Heimatdorf nicht zum Industrierandgebiet mutiert“.
Der Aldi-Bebauungsplan, im Juli 2021 vom Rat der Stadt Lehrte beschlossen, ist inzwischen veröffentlicht - der Marktspiegel berichtete. 
Lokalpolitik sei ein weites Feld, und spannend, so die Überzeugung von Frank Seger. Früher habe er das nicht für möglich gehalten und darum das Amt eines Ortsbürgermeisters nicht unbedingt angestrebt. "Man wächst weiter mit den Aufgaben, und es bleibt spannend“, sagt Frank Seger.
Er zieht ein kleines persönliches Fazit: „Die großartigen Begegnungen und Gespräche mit so vielen wunderbaren Menschen, die ich im Rahmen meiner repräsentativen Aufgaben schon erleben durfte, sind ein Gottesgeschenk. Und ich werde mich als kleines Dankeschön dafür auch künftig für den größtmöglichen Freiraum und die Mitbestimmungsrechte der Bürger einsetzen. Dafür, dass auch junge Familien und Menschen unterschiedlicher Herkunft in unseren Dörfern bezahlbaren Wohnraum und eine neue Heimat finden dürfen. Und die Kanone im Dorf bleibt.“