„Niemals würde die Polizei Geld abholen"

Uwe Bollbach klärte beim Treffen der Senioren-Union über die Tricks der Telefonbetrüger auf. (Foto: Susanna Veenhuis)

Vortrag bei der Seniorenunion über die Maschen der Betrüger

LEHRTE (sv). „Sie würden jetzt nicht auf die Idee kommen, mich von Kopf bis Fuß durchzubeleidigen. Das tun eher mal jüngere Leute!“ Der Polizist Uwe Bollbach macht auch nicht den Eindruck, als sei er scharf darauf, und den älteren Herrschaften in der Begegnungsstätte an der Goethestraße liegt derartiges Verhalten selbstredend völlig fern. Aber genau das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ältere Menschen Opfer von Trickbetrügern werden: hohe Achtung vor Amtspersonen, denen sie aufgrund ihrer Sozialisation stets mit Höflichkeit und Respekt begegnen. Kriminelle Gesellen machen sich das für ihre fiesen Machenschaften zunutze und nehmen in Uniform und in aller Ruhe älteren Menschen ihre Wertsachen weg.
„Trickbetrüger, Sicherheit im Alltag" hieß der Vortrag, bei dem Uwe Bollbach von der Polizei Burgdorf den Gästen der Seniorenunion so einige Tricks der Diebe und Betrüger zeigte, mit denen sie ältere Mitmenschen um ihr Erspartes bringen. Dazu gehört eben oft eine Uniform und ein sehr bestimmtes Auftreten; dann wird eine Story aufgetischt, die ältere Herrschaften angst und bange um ihr Eigentum macht. Wie etwa die von der Diebesbande, der man auf der Spur sei und die schon in der Nachbarschaft eingebrochen sei. Deshalb solle man sein Eigentum in Sicherheit bringen. Oder, dass das Geld auf der Bank auch nicht mehr sicher sei und lieber abgehoben und ihnen ausgehändigt werden solle. Oder dass die Feuerwehr wegen eines Bombenfunds alle Wohnungen räumen muss und die Polizei so lange die wertvollen Besitztümer verwahrt. Dankbar nehmen die so Beschwatzten schließlich das Angebot an, den falschen Polizisten ihr Hab und Gut anzuvertrauen, die sich damit sofort aus dem Staub machen – steht so fast jeden Tag in der Zeitung.
Um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen, wenden die unechten Uniformierten gern auch das so genannte „Call ID Spoofing“an, bei dem auf dem Telefondisplay der Opfer die „110“ angezeigt wird. Die Verbrecher arbeiten dazu mit Callcentern im Ausland zusammen. Der Beamte fragte sein Publikum: „Glauben Sie ernsthaft, wir als Polizei würden Sie unter unserer Notfall-Nummer anrufen?“
„Niemals wird die Polizei Ihr Geld und Wertgegenstände abholen!“ Bollbach stellte eindringlich klar, dass dies nicht zum Aufgabenbereich seiner Kollegen zähle. Denn der Umstand, dass viele Ältere ihre wertvolleren Besitztümer und ihr Geld zu Hause horten, sei ein weiterer Grund für Kriminelle, sich an die älteren Semester heranzumachen. „Sie sind außerdem tagsüber zu Hause, meistens auch noch allein, und oft leicht auszutricksen.“ Schlauer sei es, Wertsachen und Geld nicht zu Hause aufzubewahren, erklärte er.
Sicheres, glaubwürdiges Auftreten legen auch die so genannten Enkeltrick-Betrüger an den Tag. Auch wird gerne mit Schockszenarien gearbeitet, bei denen Familienmitglieder angeblich verunglückt sind und nun Geld für operative Eingriffe und Medikamente benötigt werde. „Rufen Sie Ihre Verwandten sicherheitshalber an“, riet Uwe Bollbach. Doch auch hier sei Vorsicht geboten: Der Rückruf zum Enkel könnte wieder zu den Betrügern führen.
Betroffene sollten am besten sofort auflegen und sich selber bei der Polizeidienststelle erkundigen – und dazu nicht die Rückruftaste benutzen, sondern die entsprechende Telefonnummer heraussuchen und selbst eintippen.
Einige der Anwesenden hatten bereits selber Erfahrungen mit derartigen Trickbetrügern gemacht. Sie hatten sich nicht darauf eingelassen und aufgelegt, obwohl die Anrufer teilweise sehr hartnäckig waren. Uwe Bollbach konnte seinem Publikum versichern: „Trotzdem leben wir hier in Lehrte und Burgdorf noch relativ sicher!“