Neue Ideen für das neue Jahr

„Rathaus 2020“: Um eine Neuaufstellung der Verwaltung ging es auch in dem Vortrag des neuen Bürgermeisters Frank Prüße. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
An die 400 Gäste aus Gruppen und Vereinen, Sport und Ehrenamt, Wirtschaft und Politik verfolgten die Bilanz vom alten Jahr und feierten mit dem neuen Bürgermeister den Start ins neue Jahrzehnt. (Foto: Susanna Veenhuis)
LEHRTE (sv). Wieviel von einem Jahr passt in zwei Stunden? Zum ersten Mal stand Frank Prüße in seiner neuen Funktion als Bürgermeister der Stadt Lehrte vor der Aufgabe, eine Zusammenfassung Lehrter Ereignisse und Entscheidungen aus 2019 zu präsentieren. Gerade 70 Tage im Amt, bedankte sich Prüße bei seinem Vorgänger Klaus Sidortschuk für dessen geleistete Arbeit, über die nun er als Nachfolger nun zu berichten hatte. Die rund 400 Gäste im voll besetzten Kurt-Hirschfeld-Forum quittierten diesen Dank mit langem, kräftigen Applaus.
Der Entwurf für den Lehrter Haushalt 2020/21 war das Aufmacherthema. Demnach können Städte und Gemeinden dank anfallender Überschüsse in diesem Jahr durchschnittlich 15 Prozent mehr in die Infrastruktur investieren. Der Haushalt schließe mit einem Endergebnis von 0,91 Millionen Euro Überschuss und einer Rücklage von 33,5 Millionen Rücklage.
„Ein schöner warmer Regen war die Zahlung von 1,7 Millionen aus der Regionsumlage“, sagte Prüße. Allerdings ist das Plus nicht von Dauer: Aufgrund erforderlicher Investitionen sei für 2024 ein Minus von über 15 Millionen zu erwarten. So sei die Ausstattung der Feuerwehrhäuser in den Ortschaften „ein Punkt, der schon länger in der Pipeline liegt“, sagte Prüße.
Sukzessive sollen diese renoviert oder neu gebaut werden. „Benenne nie ein Projekt mit einer Jahreszahl“ – diesen Tipp hatte Prüße besonders im Hinblick auf das Projekt „Rathaus 2020“ zu spät erkannt, wie er augenzwinkernd eingestand. 76 neue Stellen seien vorgesehen, die meisten im Bereich Erziehung und Betreuung. Für die benötigten neuen Verwaltungskräfte „haben wir aber in unserem schönen Rathaus keinen Platz!“ Da müsse man sich Gedanken machen und investieren.
Einer der größten Posten seien die erforderlichen Um- und Anbauten am Schulzentrum Mitte und Lehrte-Süd. Kostenintensiv sei auch das Nachmittags-Schulprogramm LeNa, in das auch die Grundschulen Immensen und Sievershausen aufgenommen werden. „Das sollte bundesweit Standard werden“, sagte Prüße. Auch Kindergartenplätze würden in ausreichender Anzahl bereit gestellt, teilweise in mobilen Modulen.
In punkto Gymnasium sei er für einen Neubau aus einem Guss. „Das kann wohl nur der Schützenplatz sein“, sagte Prüße und versicherte, Alternativen für das Schützenfest wie beispielsweise die so genannte C-Fläche nicht aus den Augen zu lassen. Zur Digitalisierung der Schulen erhalte die Stadt einen Landeszuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro.
Weitere Punkte waren die Neubauvorhaben der Stadt auf dem ehemaligen Gelände der Stadtwerke am Stadtpark und das Baugebiet Manskestraße-Nord auf dem ehemaligen Kleingartengelände. Prüße vergaß nicht, die Rettungsaktion von Frau und Herrn Schumburg für die dort angesiedelten Igel zu erwähnen. Reichlich Applaus gab es für die Erinnerung an den Beschluss der Region, Erhalt und Umbau des Lehrter Krankenhauses mit 17 Millionen Euro zu unterstützen.
Prüße grüßte auch explizit die Lehrter Wirtschaftsvertreter und gratulierte noch einmal den Unternehmen aus dem inhabergeführten Lehrter Einzelhandel, die im vergangenen Jahr ihr teilweise über hundertjähriges Firmenjubiläum begangen haben. Seines Erachtens sei es trotz der günstigen Lage der Stadt der Entwicklung der örtlichen Wirtschaft dienlich, einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer einzustellen.
Ebenfalls neu im Rathaus-Mitarbeiterteam werde ein Klimaschutzbeauftragter sein. In seiner ersten Ratssitzung als Bürgermeister hatte ihm die örtliche Fridays-for-Future-Gruppe eine Unterschriftenliste zum Klimaschutz-Notstand übergeben. Unter großem Beifall betonte Prüße, dass auch die Landwirte viel für den Umweltschutz tun. Alle Einzelmaßnahmen müssten in einem Gesamtkonzept zur Nachhaltigkeit erfasst werden, erklärte er und ergänzte: „Allen diesen Konzepten gemeinsam ist, dass man bei sich selber anfängt!“
So werde die Stadt in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ihren Fuhrpark auf Elektro-Betrieb umstellen. Auch der öffentliche Personennahverkehr soll ausgebaut werden: „Am Ein-Euro-Ticket sind wir auch dran!“
Als ehemaliger Vorsitzender eines der größten Sportvereine im Landessportbund Niedersachsen, des Lehrter SV, gratulierte Prüße auch den zahlreichen erfolgreichen Mannschafts- und Einzelsportlern, die im vergangenen Jahr mit herausragenden Erfolgen aufwarten konnten. Beschlüsse über Umbau und Renovierung des Lehrter Bades stehen nach dem Ergebnis der Bürger-Diskussion in der Arbeitsgruppe Bad zum Erhalt des 50-Meter-Beckens noch aus. Entscheidend würden hier die Kostendarstellungen in der ersten Jahreshälfte sein.
Bei Schlachteplatte, Kaltgetränken und lebhaften Gesprächen klang der Abend aus. Dabei gingen auch wieder mehrere Hüte zum Spendensammeln herum: Mit 2123,61 Euro für einen guten Zweck hielt sich die Spendenbereitschaft im üblichen Level. Im vergangenen Jahr kamen 2325,15 Euro zusammen, der Rekordbeitrag von 2875 Euro von 2018 blieb bislang unangetastet.